Welche Optionen haben Schweizer Trustees ohne FINMA Lizenz?

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Von Beat Haering, CEO, Carey AG

Nachdem der Verband der Schweizerischen Trust-Branche SATC die Unterstellung aller Trustees unter das Finanzinstitutsgesetzt (FINIG) erfolgreich durchgesetzt hat ist es kurz vor Ende der dreijährigen Übergangsfrist an der Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.  Und dabei stellt sich im Wesentlichen die Frage welche Möglichkeiten all jene Schweizer Trustees haben, welche keine FINMA Lizenz erhalten und deshalb ab dem 1. Januar 2023 keine gewerbsmässige Trustee Tätigkeit mehr anbieten können.

Nach einem mehrjährigen Prozess ist am 1. Januar 2020 das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) und das Finanzinstitutsgesetz (FINIG) per 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Ziel dieser regulatorischen Architektur ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz zu stärken und den Kundenschutz zu verbessern, wobei allen unabhängigen Vermögensverwaltern und Trustees eine Umsetzungsfrist von drei Jahren bis Ende 2022 gewährt wurde.

Doch die zuletzt von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) publizierten Daten zeigen nun aber auf, dass mindestens 30% aller betroffenen Gesellschaften keine Lizenz erhalten werden. Dabei scheint es die gewerbsmässigen Trustees stärker zu treffen als die Vermögensverwalter. So waren gemäss FINMA bis Ende Juli 2022 lediglich 11 Trustee Lizenzen an Einzelgesellschaften erteilt worden und 38 in Prüfung. Auch wenn man davon ausgehen darf, dass dieser Bereich neu für die FINMA ist und sich noch diverse im Bewilligungsprozess bei den Aufsichtsorganisationen befinden, wäre es keine grosse Überraschung, wenn es zukünftig nur noch ein paar Dutzend Trustgesellschaften in der Schweiz geben wird.

Weil aber zur Geschäftstätigkeit von Trustees die Verwaltung von Vermögenswerten eines Trustes gehört, sind gewerbsmässige Trustees ausdrücklich als Finanzinstitute ausschliesslich dem FINIG unterstellt. Was auf den ersten Blick als Vereinfachung erschien, entpuppte sich aber in vielen Fällen als (zu) grosse Herausforderung.

Es ist anzunehmen, dass nach einer ersten Analyse nicht wenige Interessierte einsehen mussten, dass sie den Lizenzierungsprozess als gewerbsmässiger Trustee ohne massive strukturelle Anpassungen nicht bestehen würden.  Dies würde auch erklären, weshalb bis heute nur eine geringe Zahl von Trustgesellschaften den Bewilligungsprozess erfolgreich beendet haben. Allerdings sind die Möglichkeiten, das Geschäft ohne Lizenz weiterhin zu betreiben, sehr beschränkt.

Ohne eine vollständige Aufgabe der Geschäftstätigkeit als Alternative in Betracht zu ziehen, verbleiben einer Trustgesellschaft, welche die Grenzwerte der Gewerbsmässigkeit (Bruttoumsatz von über CHF 50’000 oder mehr als 20 Trusts) nach FINIG überschritten hat, aber keine FINMA Lizenz hält, eigentlich nur vier Optionen.

Die erste Option wäre ein Ausweichen auf eine ausländische Trustee Lizenz was technisch ein einfacher Schritt ist. Allerdings birgt es den Nachteil, dass ohne besondere Vorkehrungen nebst allen Trustee-Tätigkeiten auch der direkte Kontakt zu den Begünstigten ins Ausland verlagert werden muss. Gerade dies ist bei einer anspruchsvollen Kundschaft ein entscheidender Nachtteil und unter professionellen Gesichtspunkten schwer vermittelbar.

Die zweite und eher technische Option wäre es, wenn der heutige Trustee sich auf die Rolle des Protektors zurückziehen würde. Als Protektor untersteht er nicht dem FINIG, und kann im Rahmen seiner rechtlichen Möglichkeiten weiterhin eine wichtige Rolle für den Settlor und die Begünstigten übernehmen. Die Aufgaben eines Trustees müssten aber einer FINMA regulierten Gesellschaft übertragen werden.

Eine weitere Option wäre der Verkauf der Gesellschaft an einen FINMA regulierten Käufer. Diese Variante hat für den Käufer den grossen Nachteil, dass er Risiken übernimmt, welche erst nach Jahren zum Vorschein kommen können. Zudem ist es schwierig vorauszusagen, wie die Kundschaft reagiert.

Die sowohl für Beteiligten vorteilhaftestes Option wäre es allerdings, wenn der heutige Trustee seine Kundenbeziehung zusammen mit den zuständigen Mitarbeitern an eine FINMA regulierte Trustgesellschaft gegen Entgelt übertragen würde. Diese Asset Variante hat den grossen Vorteil, dass sich für die Begünstigten letztlich wenig ändert, vorausgesetzt der Kundenbetreuer bleibt der gleiche und die Lizenzhalterin ist flexibel genug, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen. Der Nachteil besteht darin, dass möglicherweise nicht jede Kundenbeziehung die Kriterien der neuen FINMA regulierten Gesellschaft erfüllt.

Gerade die Asset Variante eignet sich besonders für kleinere und mittlere Trustgesellschaften gut für einen ordnungsgemässen Übergang und ist auch aus regulatorischer Sicht häufig der einfachste Weg.

Beat Haering ist CEO und Mehrheitsaktionäre der 2003 gegründeten Carey AG, einem Multi-Family Office welche als erst 12. Schweizer Gesellschaft die gewerbsmässige Bewilligung als Trustee der FINMA erhalten hat.
Er begann seine Karriere bei PWC und arbeitete als Controller, CFO und CEO bei verschiedenen internationalen KMU’s, börsenkotierten Private Equity Gesellschaften sowie für verschiedene Finanzdienstleister und Treuhandgesellschaften. 2013 stiess er als Group CFO zur Carey Group wo er 2016 zum CEO von Carey Zürich ernannt wurde, welche er in einem MbO 2018 erwarb.
Beat Haering verfügt über ein Executive MBA, Masters in Betriebswissenschaften und HRM und den Fachausweis als Treuhänder.

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