„Das Kreislaufwirtschaft-Universum wächst unaufhörlich“

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Interview mit Jonathan Graas, Fondsmanager, Decalia

Jonathan Graas ist dem Managementteam von Decalia beigetreten. Er wird sich dabei unter anderem denjenigen Fonds widmen, die sich thematisch mit den Megatrends und der Kreislaufwirtschaft beschäftigen. In der Kreislaufwirtschaft sieht er ein starkes Wachstumspotenzial, da sich Unternehmen zunehmend mit Fragen auseinandersetzen, welche die Grundlagen ihres eigenen Wirtschaftens betreffen.

Welche wesentlichen Probleme kann die Kreislaufwirtschaft heute lösen?
Da sehe ich zwei. Erstens trägt die Kreislaufwirtschaft durch die notwendige Reduzierung der CO2-Emissionen zur Bekämpfung der Erderwärmung bei und senkt den Ressourceneinsatz. Zweitens kann sie durch eine höhere Ressourceneffizienz den Verlust der Biodiversität bremsen. Natürlich greifen diese beiden Herausforderungen ineinander. Kurzfristig bietet die Kreislaufwirtschaft Lösungen für akute Probleme, die die internationalen Lieferketten gefährden oder die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe treiben.

Welche Entwicklungsachsen wird die Kreislaufwirtschaft in erster Linie verfolgen?
Neue Rechtsvorschriften werden die Dynamik in Europa, den USA und sogar in China beschleunigen. Weltweit können Unternehmen in den kommenden zehn Jahren und darüber hinaus mit politischer Unterstützung und starken Anreizen für Investitionen in unterschiedlichen Sektoren wie zum Beispiel in erneuerbare Energien rechnen.
Gleichzeitig schärft sich das ökologische Bewusstsein der Verbraucher, die zunehmend Wert auf Themen wie Netto-Null und Biodiversität legen: Ethischer Konsum ist endgültig zu einer weit verbreiteten Haltung geworden.

Wie integrieren Unternehmen diesen Wandel in ihre ESG-Politik?
Nicht alle Unternehmen sind im gleichem Mass von diesen Trends betroffen. Wir beobachten, dass viele in diese Richtung investieren: Sie konzentrieren sich zum Beispiel auf erneuerbare Energien oder auf Green Tech für die Schwerindustrie. Inzwischen fliessen immer mehr Investitionen in diese Bereiche.
Ausserdem ist festzustellen, dass Unternehmen den Anteil recycelbarer Produkte erhöhen und Verpackungen einsparen wollen, und dass sie bei ihren Herstellungsprozessen bevorzugt auf biologische Materialien statt auf Chemie setzen.
Fakten schaffen sie auch bei der strengeren Kontrolle ihrer Lieferkette, der stärkeren Überwachung ihrer Lieferanten und durch mehr Transparenz bezüglich der Herkunft der Rohstoffe.
An der Lieferkettenfront ist ferner eine zunehmende Relokalisierung der Produktionsstätten zu beobachten, um massive Unterbrechungen der Lieferketten zu vermeiden, wie dies seit der Covid-Krise der Fall ist.

Wie viele Unternehmen überwachen Sie in Bezug auf das Anlagethema ‚Kreislaufwirtschaft‘?
Unser Ausgangsuniversum ist der MSCI World-Index mit seinen 1500 Unternehmen, von denen wir ein Drittel auf unserem Radar haben, da sie in Verbindung mit der Kreislaufwirtschaft stehen. Ich kann nicht mit bis zur Kommastelle exakten Zahlen aufwarten, doch klar ist, dass dieses Universum inzwischen immer grösser wird. Und genau das interessiert uns.

Welche grossen Achsen verfolgt die Strategie des Fonds Decalia Circular Economy?
Die Strategie hat einen ganz einfachen Namen: CIRCLE! Wir haben sechs Trends bzw. Unter-Anlagethemen festgelegt, die sich ergänzen und Diversifikationsvorteile bieten. Diese sechs Trends sind Circular-Models, Innovative-Technology, Renewables, Cleaner-Environment, Life-Preservation und Eco-Design. Für das Anlagethema als Ganzes verfolgen wir einen Top-Down-Ansatz und identifizieren dann für den Portfolioaufbau eine entsprechende Dynamik für jedes Unterthema nach dem Bottom-Up-Prinzip. Der Fonds ist in rund fünfzig Aktien investiert. Wir beschränken uns aber nicht nur auf „Best-in-Class“-Unternehmen, sondern haben auch Akteure aus Industrien mit hohem ökologischem Fussabdruck auf dem Radar, die die notwendigen Investitionen zur erheblichen Senkung ihrer CO2-Emissionen vornehmen. Sie werden den höchsten Impact erzielen. Wir brauchen Unternehmen, die auf Verbesserung setzen.

Jonathan Graas ist leitender Portfoliomanager des Asset Management-Bereichs der Genfer Asset Management-Boutique Decalia. Er ist Mitglied des für den Decalia Sustainable SOCIETY zuständigen Fondsmanagerteams und Co-Manager des Decalia Circular Economy. Bei Decalia stiess er erneut auf Alexander Roose und Quirien Lemey, mit denen er bereits bei DPAM zusammengearbeitet hatte. Bei DPAM verwaltete er einen US-amerikanischen Nachhaltigkeitsfonds und war Co-Manager von zwei nachhaltigen Themenfonds mit einem verwalteten Vermögen von über 4 Milliarden Euro. Jonathan Graas verfügt über einen Maîtrise-Abschluss in angewandter Mathematik der Katholischen Universität Leuven und eine Maîtrise in internationaler Finanzwirtschaft der HEC Paris.

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