„70% der UVV wollen im ersten halbjahr 2022 mit den Unterstellungsformalitäten beginnen“

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Interview mit Philippe Perles, Vorsitzender des Verwaltungsrates des Organisme de Surveillance des Instituts Financiers (OSIF)

Von Elsa Floret – Fotos: Karine Bauzin

Die FINMA und die Aufsichtsorganisationen empfehlen die Einreichung der Bewilligungsanträge bis spätestens 30. Juni 2022. Bisher haben jedoch lediglich 10% aller unabhängigen Vermögensverwalter und Trustees ihre Bewilligungsanträge eingereicht. Philippe Perles beobachtet eine leichte Zunahme der Anträge. Er erläutert die Hauptprobleme, die UVV bei ihren Formalitäten bewältigen müssen.

Beobachten Sie eine Zunahme der Einreichungen von Unterstellungsgesuchen der UVV?
Bisher verzeichnen wir eine leichte Zunahme bei der Unterzeichnung von Unterstellungs- und Aufsichtsverträgen durch die uns angeschlossenen UVVs – die erste Phase des Verfahrens für die Einreichung eines Unterstellungsgesuchs.
Erst wenn die UVVS das FINMA-Formular ausgefüllt und die kompletten Unterlagen auf der EHP-Plattform eingereicht haben, damit sie von den AO bearbeitet werden, können wir von einer Beschleunigung der Anträge reden.
Jüngste Statistiken basierend auf UVV-Stichproben zeigen, dass rund 70% im ersten Halbjahr 2022 mit diesen Unterstellungsformalitäten beginnen wollen.

Sie betreuen diese UVV als Vorsitzender des Verwaltungsrates des OSIF. Welche Hauptproblemen müssen die UVV bei ihren Formalitäten bewältigen?
Ich würde die wichtigsten Schwierigkeiten wie folgt zusammenfassen:

  • Das Bewilligungsgesuch erfordert zunächst eine Bestandsaufnahme und strategische Überlegungen in Bezug auf die Struktur des UVV, seine Aktivitäten, Ziele und sein Geschäftsmodell. Diese Punkte brauchen Zeit, und die haben die UVVs nicht immer.
  • Ein Grossteil der UVVs sind kleine Strukturen und Gesellschaften, die zur ersten Generation gehören. Viele UVVs sind noch unentschlossen, ob sich für die Unterstellung oder andere Alternativen entscheiden sollen, wie beispielsweise den Anschluss an eine Plattform, die Fusion mit anderen Akteuren, die Übergabe ihres Kundenstamms usw.
  • Einige begreifen jetzt, dass durch die erforderlichen Anstrengungen für die Bewilligung hohe Zusatzkosten in Verbindung mit der Reorganisation, Einstellung von Personal, Einschaltung externer Experten, Hilfe von Aufsichtsorganisationen und der FINMA entstehen.
  • Die Priorität der UVVs ist nach wie vor die Verwaltung des Vermögens ihrer Kunden und die Pflege der Beziehungen zu ihnen. Das lässt ihnen wenig Zeit für die Erstellung ihres Unterstellungsantrags. Hinzu kommen ein wettbewerbsintensiver, schwieriger Markt und die Covid-Krise, die Reisen und die Pflege der Kundenbeziehungen erschwert – und zwar seit fast zwei Jahren.

Erkennen Sie eine Tendenz bei UVVs in Richtung Geschäftsveräusserung?
Die UVVs der ersten Generation, die kurz vor dem Renteneintrittsalter stehen, könnten einen Verkauf ihres Geschäfts in Betracht ziehen. Das ist kein leichtes Unterfangen, weder für den Verkäufer noch für den potenziellen Käufer. Abgesehen vom starken Unabhängigkeitsstreben der UVVs können auch die unterschiedlichen Geschäftsmodelle ein Hindernis für Zusammenschlüsse darstellen.

Die seit langem erwartete Konsolidierung scheint noch weit von der Konkretisierung entfernt zu sein. Wie erklären Sie sich das?
Es stimmt, die Konsolidierung der UVV-Branche lässt auf sich warten.
Ich persönlich bin der Ansicht, dass kleine UVV-Strukturen der ersten Generation mit Akteuren, die vor dem Renteneintrittsalter stehen, dieses Konsolidierungsphänomen anstossen könnten.
Fakt ist, dass die Herausforderungen für sie in puncto Generationenwechsel, niedrigere operative Margen und höhere Verwaltungskosten insbesondere aufgrund des regulatorischen Aufwands enorm sind. Und dieses Bündel an Herausforderungen wollen einige UVVs vielleicht nicht mehr stemmen.
Meiner Meinung nach werden diese kleinen Strukturen und/oder älteren Vermögensverwalter eher eine Übergabe ihres Geschäfts oder den Anschluss an eine andere Gesellschaft oder Plattform in Betracht ziehen.
Allerdings vollzieht sich die Transformation des Berufs des Vermögensverwalters parallel auch bei den Banken. Wir beobachten die Entstehung neuer Gesellschaften von UVVs, die von Banker-Teams gegründet werden, die ihr Institut verlassen, um eigene Wege zu gehen.
Deshalb erwarten wir keinen drastischen Rückgang der Zahl der UVVS am Markt und somit keine abrupte Konsolidierung dieses Marktes, sondern eine allmähliche Konsolidierung über einen längeren Zeitraum hinweg.

Erhält der OSIF Unterlagen von neu gegründeten UVVs, die für die Attraktivität der Branche sprechen würden?
Absolut. Bei der OSIF beläuft sich der Anteil der Neugründungen derzeit auf über 15% aller Einreichungen von Unterstellungsgesuchen. Diese Zahl ist mit der Konsolidierung des Schweizer Privatbankenmarktes in den letzten 10 Jahren in Relation zu setzen. Die Schrumpfung der Zahl der Privatbanken um rund 40% war ein wichtiger Vektor für die Gründung neuer UVV-Strukturen. Diese Entwicklung hält noch immer an.

Philippe Perles ist Teilhaber der Unternehmensberatung Noveo Conseil und Leiter der Schweizer Tochtergesellschaft in Genf. Er kann auf über 30 Jahre Erfahrung im Wealth Management und im Private Banking verweisen. Vor der Mitwirkung bei der Gründung von Noveo Conseil war Philippe Perles Mitglied der Direktion von Crédit Lyonnais (Suisse). Davor bekleidete er mehrere Führungspositionen in der Private Banking-Branche.
Er ist unabhängiges Verwaltungsratsmitglied mehrerer Banken und Finanzinstitute wie beispielsweise Edmond de Rothschild (Suisse), Hyposwiss Private Bank Genève, Bedrock Holdings und Inoks Capital. Darüber hinaus sitzt er im Ausschuss der Association Romande des Intermédiaires Financiers (ARIF), der Selbstregulierungsorganisation der unabhängigen Vermögensverwalter, und ist Präsident des Organisme de Surveillance des Instituts Financiers (OSIF) im Rahmen des FIDLEG und des FINIG. Philippe Perles verfügt über einen Abschluss in Handels- und Industriewissenschaften der Universität Genf.

 

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