Aktive Fonds ggü. ETFs: Gewinner und Verlierer der Saison 2021

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Von Marlene Hassine Konqui, BSD Investing

Bei Allokationen ist die Entscheidung zwischen aktiven und passiven Fonds eine sehr komplexe Aufgabe. Bei der Betrachtung der jeweiligen Performances, die 2021 in den einzelnen Marktsegmenten über verschiedene Zyklusphasen hinweg erzielt wurden, wird klar, dass man in der Lage sein muss, die Sieger zu erkennen. Marlene Hassine Konqui ist Spezialistin dafür.

Wie aus den verschiedenen Monitoring-Indikatoren hervorgeht, fielen die Performances der aktiven und der passiven Verwaltung im Jahr 2021 uneinheitlich aus. Laut der Kennzahl, die vom Markt gewöhnlich herangezogen wird, haben 47% der aktiven Manager die passiven Fonds auf Jahressicht übertroffen, wobei der Outperformance-Spread zwischen Januar und Dezember bei -0,5% lag. Betrachtet man jedoch die letzten zwölf Monate, haben über 50% der aktiven Manager die passiven Fonds übertroffen. Ausserdem war der Outperformance-Spread der aktiven Verwaltung in neun von zwölf Monaten positiv. Im Durchschnitt betrug der positive Spread 2,2%.
Daraus lässt sich schliessen, dass sich die Performanceverbesserung der aktiven Verwaltung, die 2020 begonnen hat, 2021 fortgesetzt hat. Dabei profitierte die aktive Verwaltung von ihrer Flexibilität und ihrer Anpassungsfähigkeit an das Umfeld nach der Gesundheitskrise, das an den Aktienmärkten zwischen Stressphasen und der Hoffnung auf eine Erholung und an den Anleihemärkten zwischen anziehender Inflation und der Erwartung eines geldpolitischen Kurswechsels schwankte. Die passive Verwaltung konnte die Phasen ausnutzen, in denen viele Märkte zur Erholung ansetzten. Sie konnte sich erneut auf den Märkten für Large-Cap-Aktien der Industrieländer und den Märkten für inflationsgebundene Anleihen beweisen.

2021: Rekordmittelzuflüsse in aktive und passive Fonds
2021 war dank solider Fundamentaldaten und trotz der ungewissen Inflations- und Zinsentwicklung ein Rekordjahr bei den Mittelzuflüssen, die sich unter dem Strich gegenüber 2020 mehr als verdoppelten. Sie betrugen 819 Milliarden Euro oder 8% mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017. Davon entfielen 45% auf Aktienfonds, deren Zuflüsse gegenüber 2020 um 75% zunahmen. Auch Anleihefonds profitierten angesichts eines Anstiegs der Mittelzuflüsse um 58% im Vergleich zu 2020 von dieser guten Entwicklung.

Performanceunterschiede zwischen den Anlageklassen
Im Aktienbereich erzielten aktive Manager somit in einem Jahr, das von starken Sektor- und Themenrotationen geprägt war, erneut steigende Performances. Denn wenn man sich das Gesamtjahr in gleitenden Daten ansieht, erreichte die aktive Verwaltung eine recht gute Performance. Der mittlere Outperformance-Spread zwischen aktiven und passiven Fonds war an 71% Tagen des Jahres positiv, bei einem Plus von durchschnittlich 2,5%. Ausserdem übertrafen mehr als 50% der Manager an 47% der Tage die passive Verwaltung gegenüber 32% im Jahr 2020.
Im Anleihenbereich hat die aktive Verwaltung in einem schwierigen Umfeld, in dem der Inflationsanstieg und die Aussicht auf eine Normalisierung der Geldpolitik die Anleihemärkte belasteten, die Nase vorn. Die aktive Verwaltung in diesem Bereich verzeichnete ein ähnlich gutes Jahr wie 2020. Es lag über dem langfristigen Durchschnitt, und 66% der aktiven Manager übertrafen die passive Verwaltung. Die gleitenden Daten untermauern diese Zahlen: Mehr als 50% der Manager erzielten an 84% der Tage des Jahres eine Outperformance gegenüber der passiven Verwaltung. Der Outperformance-Spread lag an 87% der Tage durchschnittlich 1,4% im Plus.

Erfolgreichste Segmente bei aktiv verwalteten Portfolios
Zu den günstigsten Anlageuniversen für die aktive Verwaltung gehörten 2021 US-amerikanische High-Yield-Anleihen sowie die Aktienmärkte Chinas, Japans und der Schwellenländer.
Im Anleihenbereich erzielten aktive Manager trotz des steigenden Zinsumfelds und des Inflationsdrucks solide Performances. Die besten Ergebnisse erreichten Manager, die in den Bereichen US- und europäische High-Yield-Anleihen, weltweite Anleihen, weltweite Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen tätig sind. Dabei konnten die aktiven Manager dank ihrer Flexibilität das risikoreichste Segment der Zinskurve, das eine Outperformance erzielte, ins Visier nehmen oder andere Risiken als ihre Benchmark eingehen.
An den chinesischen Aktienmärkten übertrafen 86% der aktiven Manager die ETFs, so viele wie noch nie in den letzten sechs Jahren. Die aktiven Manager konnten sich behaupten, obwohl das Umfeld schwierig und von Regulierungsdruck und dem drohenden Zahlungsausfall von Evergrande geprägt war. Der mittlere Outperformance-Spread lag bei 6,5%. Dies ist einer der drei höchsten Werte für diesen Zeitraum seit zehn Jahren. Der Hauptgrund dafür war das unterdurchschnittliche Exposure im Telekommunikations- und zyklischen Konsumgütersektor, zu denen die grössten chinesischen Börsenkapitalisierungen, darunter Tencent oder Alibaba, gehören, die im Berichtszeitraum unter Druck waren.
An den Aktienmärkten der Schwellenländer, die ebenfalls unter den Sorgen wegen China litten, übertrafen 54% der aktiven Manager ihre passiven Kollegen, was dem zehnjährigen Durchschnitt entspricht. Den aktiven Managern kam ihr überdurchschnittliches Exposure im Finanz- und Technologiesektor zugute.

Erfolgreichste Segmente bei passiv verwalteten Portfolios
An die weltweite Inflation gebundene Anleihen, Aktien von Large Caps aus der Eurozone und US-Aktien waren 2021 günstiger für ETFs.
An den Anleihenmärkten verzeichneten an die weltweite Inflation und den Euro gebundene Anleihen wie schon in jedem einzelnen der letzten zehn Jahre die besten Ergebnisse aller ETFs. Im Übrigen haben ETFs im Segment der europäischen Unternehmensanleihen 2021 Boden gut gemacht, denn sie übertrafen 59% der aktiven Manager gegenüber 46% im zehnjährigen Durchschnitt.
Im Aktienbereich setzen ETFs ihre Outperformance fort. Auch im Bereich der europäischen und US-amerikanischen Wachstumstitel, ein Segment, in dem aktive Manager aus historischer Sicht outperformen, verzeichneten ETFs ansprechende Ergebnisse.
Large Caps aus der Eurozone waren eines der erfolgreichsten Segmente des ETF-Markts. 2021 übertrafen sie 84% der aktiv verwalteten Fonds, gegenüber 72% im zehnjährigen Durchschnitt. Die Underperformance der aktiven Manager gegenüber ETFs betrug 2,3%. Aktive Manager litten unter der Untergewichtung des Technologie- und Finanzsektors, die 2021 die Performance-Spitzenreiter der Region waren, sowie der Übergewichtung des Grundstoff- und Basiskonsumgütersektors, die eine Underperformance verzeichneten.
An den US-Aktienmärkten setzten die ETFs ihre gute Performance fort. Im Durchschnitt erreichten ETFs bessere Performances als 72% der aktiven Manager von Large-Cap-Aktienanlagen. Dies entspricht ungefähr der zehnjährigen Durchschnitt von 74%. Die Underperformance von 0,6% der aktiven Manager gegenüber ETFs geht auf die Untergewichtung von zwei Sektoren zurück, die den S&P500 Index übertrafen: Technologie mit + 7% und Energie mit + 26%.
Im Bereich der europäischen Aktien weisen ETFs 2021 eine bessere Performance als 62% der aktiven Fonds auf. Damit übertreffen sie den jährlichen Durchschnitt der letzten 10 Jahre von 55%. Aktive Manager blieben 2021 um 1,9% gegenüber ETFs zurück. Dabei litten sie unter einer Übergewichtung in Mid Caps (von +5,5% im Vergleich zum MSCI Europe), die eine Underperformance einfuhren (-3,5% gegenüber dem MSCI Europe).

Die meisten Mittelzuflüsse gingen 2021 in aktive Fonds
Im Vergleich zu 2020 nahmen die Mittelzuflüsse in aktive Fonds in Europa 2021 um das 2,5-Fache zu und erreichten 613 Milliarden Euro. Dazu trug trotz des Volatilitätsanstiegs gegen Jahresende die gute Performance der Finanzmärkte bei.
An den Aktienmärkten waren die aktiven Fonds erneut die grossen Gewinner in Europa: Die Mittelzuflüsse betrugen 248 Milliarden Euro oder 66% aller Zuflüsse in Aktienfonds. An den Anleihemärkten stiegen die Mittelzuflüsse in aktive Fonds gegenüber 2020 um 71% auf 192 Milliarden Euro an, was 75% aller Zuflüsse in Anleihen entspricht.

ETF-Mittelzuflüsse waren 2021 höher als 2020
An den Aktienmärkten erreichten die Zuflüsse in passiv verwaltete Fonds 123 Milliarden Euro im Jahr 2021, womit die Rekorde von 2020 (93 Milliarden Euro) und 2017 (112 Milliarden Euro) übertroffen wurden. An den Anleihemärkten gab es erneut hohe Mittelzuflüsse von 80 Milliarden Euro oder 33% mehr als 2020 in passiv verwaltete Fonds.

Mittelzuflüsse in nachhaltige Fonds steigen
Im Gesamtjahr stiegen die Mittelzuflüsse in nachhaltige Fonds gegenüber 2020 um 59% auf 476 Milliarden Euro. Über die Hälfte der Mittelzuflüsse in europäische Investmentfonds gehen in nachhaltige Fonds. Die Suche nach Sinn und Wirkung, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Klimawandels, und das Bewusstsein, dass bei der Portfoliokonstruktion nach der Covid-19-Krise ein grösseres Spektrum an langfristigen Risiken zu berücksichtigen sein wird, liessen Anleger verstärkt in nachhaltige Anlagen einsteigen. Von diesen Mittelzuflüssen gingen 356 Milliarden Euro oder mehr als 75% in aktiv verwaltete Fonds.

Rekordhohe Mittelzuflüsse in nachhaltige ETFs
Auch die Mittelzuflüsse in nachhaltige ETFs entwickelten sich 2021 sehr gut und verdoppelten sich gegenüber 2020 auf einen Rekordstand von 120 Milliarden Euro. Der Anteil der nachhaltigen Anlagen an den Anlagen in ETFs beträgt 75% der Mittelzuflüsse in Aktien-ETFs und 35% bei Anleihen ETFs, was einem Anstieg gegenüber 2020 von +92% bzw. +155% entspricht. Das Angebot an nachhaltigen ETFs, insbesondere im Anleihenbereich, wächst ständig. Passive Anlagen sind in Sachen nachhaltige Anlagen am innovativsten, denn sie verwenden Indizes für die Dekarbonisierung oder den Klimawandel, die einen starken Einfluss auf Unternehmen haben können, indem sie angeregt werden, die Nachhaltigkeitsprinzipien einzuhalten.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die Covid-19-Krise nach einem zehnjährigen Marktanstieg wieder die differenzierende Wirkung jedes einzelnen Anlagestils für den Aufbau optimaler Portfolios und die Verwirklichung einer Outperformance aufzeigt. Aus der Analyse der Mittelzuflüsse 2021 in Europa geht hervor, dass die Zuflüsse sowohl in aktive als auch in passive Fonds in der Zeit nach der Pandemie dank einer weiterhin sehr lockeren Geldpolitik deutlich gestiegen sind. Die Suche nach nachhaltigen Anlagen und Flexibilität in einem sich wandelnden Umfeld ermöglichte eine ausgeprägte Erholung der aktiven Anlageverwaltung nach vielen schwierigen Jahren. Passive Fonds verzeichneten ebenfalls ein starkes Wachstum. Was die Performances anbelangt, setzte sich die Verbesserung im Bereich der aktiven Verwaltung 2021 fort. Im Aktienbereich verteilt sich die Performances je nach Region auf die aktive und die passive Verwaltung. Im Anleihenbereich war 2021 ein gutes Jahr für die aktive Anlageverwaltung.

Marlene Hassine Konqui ist eine Expertin auf den Gebieten Portfolioaufbau und Allokationsentscheidung zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds. Sie ist Finanzanalystin und Mitglied des ETF-Ausschusses der Association Française d’Analyse Financière.
Sie leitete Research-Teams auf den Gebieten Aktienderivate und ETFs bei führenden Unternehmen des Finanzsektors wie Exane, ODDO, BHF, Kepler Equities, Société Générale und Lyxor AM. Sie war massgeblich an der Gründung der ETF Research Academy beteiligt. Derzeit ist sie stellvertretende Generaldirektorin von BSD Investing, einer neu gegründeten Firma, die sich mit dem Research im Bereich der Portfoliokonstruktion beschäftigt und dabei eine einzigartige hauseigene Datenbank einsetzt.

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