Am Ende bedauern wir nur die verpassten Chancen

Share:

Interview mit Hany Rashwan, Mitbegründer/CEO, 21Shares und Sina Meier, Managing Director / Head of Switzerland, 21Shares

Hany Rashwan, Sie sind ein Serien-Unternehmer auf dem Tech-Sektor, und jetzt bauen Sie zusammen mit Ihrer Mitbegründerin Ophelia Snyder die Vermögensverwaltung 21Shares auf. Wie kam es dazu?
Hany : Der bekannte US-amerikanische Risikokapitalgeber Marc Andreessen prägte 2011 den Satz „Software is eating the world» und machte ihn zum Motto seiner gleichnamigen Risikokapitalfirma. Letzten Endes wird jedes einzelne Unternehmen in jeder Branche entweder ein modernes Tech-Unternehmen werden – oder früher oder später nicht mehr existieren. Auch an der Finanzbranche wird das nicht vorübergehen. An diesem Punkt setzen wir mit 21Shares an: Mit moderner Technologie wollen wir unseren Kunden einfache, kostengünstige und regulierte Produkte und Dienstleistungen bieten. Das Investieren in Krypto-Währungen soll so einfach werden wie der Kauf von Aktien.

Sina Meier, Sie arbeiten seit 27 Jahren in der Finanzwelt. Nun haben Sie die Seiten gewechselt und befassen sich mit der neuen Krypto-Branche. Wieso?
Sina : Zu Anfang war ich sehr skeptisch gegenüber der Krypto-Welt. Aber als ich mich eingehender mit dem Thema vertraut machte, erkannte ich das Potenzial und die Dynamik dieser Branche. Das gab mir die Motivation für einen Wechsel und den Sprung ins kalte Wasser.

Sie haben das weltweite breiteste Produktangebot auf dem Krypto-Sektor. Welche Bedingungen muss ein Coin erfüllen, damit es als ETP gehandelt werden kann?
Hany : Da muss eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt sein. Wir schauen uns beispielsweise an, was für ein Projekt und was für ein Team hinter dem Coin steckt, und bewerten auch das Innovationspotenzial. Ebenso stellen wir hohe Anforderungen an die Liquidität des Coins und prüfen, wie er in regulatorischer Hinsicht behandelt wird. Polkadot zum Beispiel ist eine junge Kryptowährung, aber bereits die sechstgrösste Kryptowährung. Deshalb haben wir prompt auf die Bedürfnisse der Anleger reagiert und ein entsprechendes Produkt an der Schweizer Börse SIX lanciert.

Nach den Neuigkeiten aus Kanada und den kürzlichen Entwicklungen in anderen Ländern sind ETFs aktuell weltweit sehr im Gespräch. Wie geht es mit ETPs wie denen von 21Shares weiter?
Sina : Was viele vielleicht nicht wissen: In Europa ist es NICHT möglich, einen Bitcoin-ETF für Krypto-Assets aufzulegen, da nach dem UCITS-Regulierungsrahmen der Europäischen Kommission ein Single-Asset-Fonds nicht erlaubt ist. Unserer Meinung nach bevorzugen institutionelle Anleger in Europa die institutionellen Strukturen, die wir hier in der Schweiz anbieten können.
Da die Schweizer ETP-Struktur nicht den Einschränkungen durch die Diversifikationsanforderungen für UCITS unterliegt, ist sie bestens geeignet, um Anlegern einen sicheren Zugang zu neu entstehenden und begehrten Anlageklassen zu ermöglichen.
So teilt die Schweizer ETP-Struktur, die wir bei 21Shares verwenden, viele Merkmale einer traditionellen ETF-Struktur wie etwa:
100% physisch unterlegt, segregiert – das bedeutet weitgehende Absicherung des Gegenparteirisiko -, genehmigter EU-Verkaufsprospekt und Nutzung mehrerer ETF Market Makers für eine konstante Liquidität.
Sowohl ETFs als auch ETPs haben einen Creations/Redemptions Mechanismus, der in der Regel sicherstellt, dass der Preis des Basiswerts nicht wesentlich vom Nettoinventarwert abweicht. Der Hauptunterschied zwischen ETFs und ETPs besteht darin, dass es sich bei ETPs um Schuldverschreibungen und nicht um Fonds handelt.

Wie haben Sie die Flut der institutionellen Investments erlebt, die im Dezember 2020 mit der Krypto-Rally begann?
Hany : 21Shares konnte erhebliche Zuflüsse seitens institutioneller Investoren verzeichnen. Um Ihnen ein paar solide Fakten und Zahlen zu nennen: Wir hatten im März 2020 30 Mio. $ verwaltetes Vermögen, dann im Dezember 2020 200 Mio. $, übertrafen die 1-Milliarden-Dollar-Marke zwei Monate später am 22. Februar 2021 und stehen aktuell bei 2 Mrd. AUM.
80% unserer Kunden sind institutionelle Anleger. Der wachsende Trend zu Krypto-Produkten bei den institutionellen Investoren ist für uns also klar erkennbar.

Warum sollte ich indirekt über ein Finanzinstrument in Krypto-Assets investieren und nicht einfach direkt?
Sina : Wir sind nicht gegen das direkte Halten von Krypto-Währungen, es ist Platz für beides. Das weltweit in Krypto-Assets investierte Vermögen beträgt derzeit etwa 2,5 Prozent des gesamten Krypto-Marktes. Die Direktanlage ist nicht für jeden Anleger der richtige Ansatz, weshalb viele professionelle Investoren, aber auch Kleinanleger auf eine ETP-Struktur setzen. Sie möchten sich einfach nicht mit den Verwahrungs- und Sicherheitsrisiken befassen, die mit privaten Schlüsseln verbunden sind, denn das ist sehr komplex. Daher ist für diese Investoren ein reguliertes Finanzprodukt mit dem Vorteil täglicher Liquidität der bessere Weg.
Wir vertrauen auf eine regulierte und unabhängige Krypto-Depotstelle. Der Anleger profitiert also von einer unabhängigen und gleichzeitig sehr sicheren Verwahrstelle.

Die traditionelle Finanzwelt steht den Krypto-Assets immer noch skeptisch gegenüber. Wie kontern Sie?
Hany : Die Performance-Zahlen sprechen für sich: Seit Anfang Januar 2021 ist der Bitcoin-Kurs um fast 94% gestiegen, Ethereum sogar um 479%, während der S&P 500 um etwa 13% zugelegt hat. Die Krypto-Bewegung ist real, und inzwischen haben sich bekannte Namen und Unternehmen in Kryp- to-Assets investiert. Der erfolgreiche Hedgefondsmanager Paul Tudor Jones und börsennotierte Unternehmen wie Microstrategy, Square oder Tesla sind bekannte Krypto-Investoren. Und nicht zu vergessen die renommierten Foundations von Yale und Harvard: Sie sind von Bitcoin & Co. überzeugt – und definitiv keine Amateure. Die kritischen Stimmen werden verstummen, wie es bereits in den letzten Jahren zu beobachten war. Krypto-Assets sind ein langfristiges Investment, das werden wir beweisen. Ein Zwischenziel haben wir bereits erreicht: Nach etwas über zwei Jahren verwalten wir aktuell Vermögenswerte in Höhe von knapp 2 Milliarden. Und das ist erst der Anfang einer spannenden Reise…!

Share: