„Am schwersten war es, sich ständig weiter zu entwickeln und neu zu erfinden“

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Interview mit Jim de Paoli, Fachmann, Ice Cross Downhill

Diesen Monat sprechen wir mit Jim de Paoli zu Wort, der Schweizer Legende im Ice Cross Downhill, einer nordischen Disziplin, die eine Mischung aus Eishockey und Skicross darstellt.

Was bedeutet der Begriff ‚Leistung‘ für Sie?
Im Sport, denke ich, ist es die Fähigkeit zur dauerhaften Erzielung guter Ergebnisse. Es ist schon schwierig genug, ein gutes Niveau zu erreichen, aber noch schwieriger ist es, dieses zu halten. Dies lässt sich sehr gut auf meinen Sport übertragen. Einen guten Run hinlegen, das ist bestimmt schon jedem einmal gelungen. Aber fünf Mal hintereinander, um einen Wettbewerb zu gewinnen, das ist viel schwieriger. An der Regelmässigkeit und der Fähigkeit, einen guten Run zu wiederholen, erkenne ich, dass ein Athlet Leistung bringt.

Was ist Ihr bislang grösster Erfolg?
Es gibt drei, vier starke Momente in meiner Karriere. Der erste war ein 6. Platz 2011 in München. Eigentlich nichts Besonderes, aber mit diesem Platz habe ich mir in der Liga der internationalen Athleten eine Einladung für die restlichen Rennen der Saison gesichert. Seither war ich weltweit immer unter den Top 15.
Danach war es der Weltmeistertitel im Team, den ich 2013 mit meinen Landsleuten Kilian Braun und Kim Müller geholt habe. Damals sind wir meistens im Team angetreten. Es ging immer sehr freundschaftlich zu, und es gab kaum Konkurrenz, aber es war trotzdem sehr aufregend.
Anschliessend habe ich 2016 in Finnland mein erstes Einzelrennen gewonnen. Es war ein perfektes Rennen: 5 perfekte Runs. Einen Monat später habe ich im grossen Finale von 2016 in Ottawa Bronze geholt. Trotz einer Temperatur von -25° Grad hat praktisch meine ganze Familie am Ziel auf mich gewartet. Diesen Moment ist für mich ebenfalls unvergesslich.

Welche Anstrengungen würden Sie auf sich nehmen, um noch mehr Leistung zu bringen?
Ich denke, dass es am schwierigsten ist, sich in jeder Saison weiter zu entwickeln und sich ständig neu zu erfinden. In einem Jahr klappt alles, alles ist super, alles ist genial, und dann geht plötzlich gar nichts mehr. Man muss zugeben können, dass man nicht mehr so gut ist oder nicht genügend Fortschritte erzielt. Daher muss man sich ständig neu erfinden, sein Training umstellen, sich eine bessere körperliche – oder auch – mentale Fitness erarbeiten oder neues Material ausprobieren. Alles in allem bin ich dank dieser harten Arbeit seit über 10 Jahren im Weltcup dabei, habe zig Länder kennen gelernt, wunderbare Freundschaften geschlossen, und je näher mein Karriereende rückt, umso mehr denke ich, dass dies mein schönster Sieg sein wird

Welche Sportler aus Ihrer oder einer anderen Disziplin inspirieren Sie am meisten?
Es gibt mehrere Sportler, die mich in meiner Karriere inspiriert und motiviert haben. Einer davon ist Eric Moussambani. Dieser Schwimmer aus Äquatorialguinea hat 2000 die Olympischen Spiele von Sydney geprägt.
Meine Bewunderung gilt auch dem Tennisspieler Andy Roddick – einem aussergewöhnlichen Spieler, der in seiner Karriere dennoch häufig an anderen Champions gescheitert ist. Trotz allem hat er immer auf Topniveau gekämpft und 10 Jahre lang seine Grenzen immer weiter ausgelotet. In meinem Sport ist der Finne Arttu Pihlainen eine absolute Legende. Ich habe es auch seinen Ratschlägen zu verdanken, dass ich immer näher an einen Podiumsplatz gerückt bin und sogar mehrere Male auf dem Podium stehen konnte.

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