„Asteria Obviam will das Tor zum Impact Investing für private und öffentliche Anleger werden”

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Interview mit Claude Barras, CEO, Obviam

Von Elsa Floret – Fotos : Karine Bauzin

Dank der Partnerschaft mit Asteria, einer Tochtergesellschaft der Gruppe Reyl Intesa San Paolo, ist Obviam heute in der Lage, öffentliche und private Gelder, börsenkotierte und private Kapitalanlagen zu kombinieren und dabei Einfluss auf soziale und ökologische Ziele zu nehmen. Das Angebot ist umso attraktiver, als das Impact Investing allmählich seinen Nischenstatus verliert und zum Schlüsselelement bei Anlagestrategien avanciert. Claude Barras ist sich dieses Potenzials voll bewusst.

Worin besteht die Geschäftstätigkeit von Obviam?
Claude Barras: Obviam ist ein von der FINMA zugelassener Vermögensverwalter mit 20-jähriger Erfahrung Erfahrung im Impact Investing. Wir sind mit etwa dreissig Fachleuten in Bern ansässig und verwalten ein Portfolio, das aus über 500 Unternehmen in mehr als 70 Ländern besteht. Aktuell verfügt Obviam über ein verwaltetes Vermögen von über 1 Milliarde Dollar. Dollar. Davon stammen 850 Millionen aus dem Portfolio des Swiss Investment Fund Emerging Markets (SIFEM), der Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft des Bundes. Obviam verwaltet zudem den ersten Impact-Fonds der UBS. Wir überwachen die Impact-Investing-Portfolios anderer institutioneller und professioneller Anleger wie der Botnar-Stiftung und der Fondation pour les Aires protégées et la Biodiversité de Madagascar.

Die strategische Partnerschaft mit Asteria Investment Managers wurde vor einem Jahr geschlossen. Welche Bilanz ziehen Sie?
Für eine Bilanz ist es noch zu früh, aber die Partnerschaft verläuft positiv. Die Pandemie hat den Fusionsprozess verlangsamt, aber wir hatten es auch gar nicht so eilig. Wir wollten uns erst besser kennen lernen. Die beiden Unternehmenskulturen unterscheiden sich stark. Jeder behält sein Kerngeschäft, wird aber in einem grösseren Rahmen tätig, und dabei ergänzen wir uns offensichtlich. Es gibt mit Sicherheit einen Motivationseffekt bei den Obviam-Teams. Dank der starken Unterstützung unseres Hauptaktionärs, der Gruppe Reyl Intesa San Paolo, schaltet das Unternehmen einen Gang höher.

Ganz konkret: Wie ergänzen sich die Expertise von Obviam im Bereich Private Equity und diejenige von Asteria in den liquiden Märkten?
Wir sind dadurch in der Lage, institutionelle Anleger mit einer vollständigen Palette von ausschliesslich Impact-Investing-Produkten anzusprechen. Asteria Obviam will das Tor zum Impact Investing für private und öffentliche Anleger werden. Diese Investoren haben dann einen einzigen Ansprechpartner und müssen nicht mehr verschiedene Vermögensverwalter einschalten, die in diversen Segmenten präsent sind.
Auf diesem ausgesprochen zersplitterten Markt findet man einerseits sehr grosse Akteure, die eine Abteilung für Impact Investing und nachhaltige Anlagen aufgebaut haben. Sie generieren folglich nur einen kleineren Teil ihres Vermögens mit Impact-Strategien. Andererseits gibt es eine grosse Anzahl von kleinen Akteuren, die die Nischen – wie Mikrokredit – unter sich aufteilen. Wir wollen weder zu den einen noch zu den anderen gehören, sondern ein grosser Akteur werden, der zu 100% in Impact-Anlagen investiert. Diese Marktlücke ist noch unbesetzt.

Das private Kapital umfasst 15% der Obviam-Mandate, öffentliche Gelder dagegen 85%. Wie beim ersten Impact-Fonds von UBS, einem Pionier, der 2011 bei seiner Auflegung 51 Millionen Franken beschaffen hat. Besteht das Ziel Ihrer Zusammenarbeit mit Asteria darin, hier zu einem Gleichgewicht zu finden?
Unser 5-Jahresziel sind 5 Milliarden Franken verwaltetes Vermögen, 1.5 Milliarden davon über Mandate der öffentlichen Hand. Obviam verwaltet – zusammen mit Partnern wie ResponsAbility – bereits seit 2007 private Mandate. Bei dem UBS-Fonds ist die Vergütung des Vermögensverwalters zum ersten Mal vom Erreichen von Impact-Zielen abhängig. Durch Asteria und deren Kenntnis der liquiden Märkte können wir nun den Bedürfnissen einer an Impact-Finanzprodukten interessierten privaten Kundschaft gerecht werden.

Hat Obviams Erfahrungshintergrund im Bereich Private Equity ein Echo gefunden und über das institutionelle Netzwerk von Asteria neue Finanzierungen anziehen können?
Ja, davon sind wir überzeugt. Wir legen dieses Jahr ein neues Produkt auf, mit dem Privatanleger in Private Equity investieren können, das aber eine höhere Liquidität aufweist.
Wir denken gerade über einen eventuellen neuen Fonds mit halboffener Struktur nach – im Gegensatz zur klassischen Struktur bei Private Equity, die auf geschlossenen Fonds basiert, aus denen man nicht aussteigen kann. Der Fonds verfügt über eine Rücknahmefrist, wodurch Liquidität gegeben ist, und erspart dem Anleger die mit geschlossenen Fonds verbundenen Zwänge. Eine andere Möglichkeit für uns wäre die Auflegung eines börsenkotierten Fonds. Dieses Vehikel ist im Vereinigten Königreich sehr verbreitet, nämlich in der Form des Trusts. Wir prüfen ebenfalls Tokenisierungsmodelle für unsere Fonds.

Von der Milliarde Dollar, die Obviam verwaltet, stammen 850 Millionen aus dem Verwaltungsmandat des Bundes, nämlich über SIFEM. Dieses Mandat steht zur Erneuerung an und ist Gegenstand einer Ausschreibung. Der neue Vertrag soll im September 2022 in Kraft treten. Wie positioniert sich Obviam?
Dieses Mandat ist in der Tat sehr wichtig für uns. Die öffentliche Ausschreibung für das Verwaltungsmandat einer öffentlichen Einrichtung wie SIFEM, dessen Anteile zu 100% vom Bund gehalten werden, ist ein normaler Vorgang. Wir haben das Verwaltungsmandat für dieses Portfolio bei der letzten Ausschreibung 2016 gewonnen und hoffen die Ausschreibung 2022 erneut – unter dem neuen Banner Asteria Obviam – für uns entscheiden zu können. Nur gut zehn Akteure sind wohl in der Lage, sich an dieser Ausschreibung mit einem erstklassigen Dossier beteiligen zu können. Wir sind optimistisch. Wir kennen die Ansprüche und Erwartungen von Anlegern des öffentlichen Sektors sehr genau.

In den letzten 20 Jahren haben Sie beobachten können, wie die Impact-Finanz von einer winzigen Nische zu einem Sektor mutiert ist, der nahezu 1% des weltweit verwalteten Vermögens darstellt, d.h. etwa 700 Milliarden Dollar. Was bleibt zu tun?
Die Bezeichnung „Impact Investing“ wurde erstmalig im Jahr 2007 von der Rockefeller-Stiftung verwendet. Zuvor sprach man von der Triple-Bottom-Line. Seitdem hat eine phänomenale Entwicklung stattgefunden, auch wenn es sich immer noch um ein Nischensegment handelt.
Ich bin weiterhin optimistisch, was die Zukunft betrifft. Die Sache ist in Gang gekommen. Auch wenn die Mikrofinanz als Pionier dem Volumen nach wichtig bleibt, so hat sich doch der Markt seitdem auf die KMU, die Infrastruktur, das Klima und die Geschlechterparität ausgeweitet. Die Themen sind nun breiter gestreut. Heute gibt es keine einzige Schweizer Bank, die das Ziel der nachhaltigen Entwicklung nicht in ihre Unternehmenspolitik aufgenommen hätte. Die Anfragen der Kunden bei den Privatbanken sind immer häufiger geworden, wobei die Aufrechterhaltung der Liquidität ihrer Anlagen eine grosse Rolle spielt. Aber die Renditen müssen auch stimmen. Denn ohne Renditen wird das Impact Investing ein Nischenmarkt für Stiftungen und Hochvermögende bleiben.

Apropos, wie hoch sind die Renditen bei Obviam?
Über 12% – bei vollständig realisierten Private-Equity-Anlagen. Bei laufenden Investments erzielen wir 6% Rendite – dazu gehören auch Anlagen in Form von Fremdkapitalinstrumenten, deren Rendite etwa 3.5% jährlich beträgt.

Wo steht die Schweiz in Sachen nachhaltige Finanz?
Die Schweiz ist eine bedeutende Akteurin. Sie hat Pionierarbeit geleistet – insbesondere auf dem Gebiet der Mikrofinanz, wo etwa ein Drittel des weltweiten Gesamtvolumens immer noch hier verwaltet wird. Ich sehe, wie die Ambitionen wachsen. Die Gründung der SDG Impact Finance Initiative des Seco im Rahmen von „Building Bridges 2021“ ist ein starkes Signal. Das Startkapital für diesen Fonds, der 100 Millionen Franken bis 2030 einsammeln will, zeigt durch die Beteiligung von Credit Suisse und der Optimus-Stiftung von UBS das hohe Engagement der Branche.

Trotz der Anstrengungen der Schweiz, sich als Marktführerin zu positionieren, ist der Impact-Investing-Sektor weiterhin sehr zersplittert. Wie kann diese Anlageklasse Ihrer Ansicht nach zu den traditionellen Investments aufschliessen und nicht mehr als Nischenanlage betrachtet werden?
Die Harmonisierung der Standards wird uns weiterbringen. Den Akteuren der ersten Stunde ist ihre starke Überzeugung gemeinsam. Wir stehen jedoch immer noch vor wichtigen Herausforderungen. Mehr Transparenz wird zu einer klaren Definition, zur Entwicklung von Messinstrumenten und Berichterstattung im Impact Investing führen.
Die Gefahr, die aktuell ins Visier genommen wird, ist das „Impact Washing“. Wir werden sie nur mit mehr Transparenz und regulatorischen Massnahmen in den Griff bekommen. Das heisst also, strengere Standards müssen eingeführt werden. Der Markt wird ebenfalls seine Funktion erfüllen – durch die Nachfrage der Kundinnen und Kunden, vor allem der jüngeren Generationen.

Claude Barras, der CEO von Obviam, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung Erfahrung im Impact Investing. Nachdem er seine berufliche Laufbahn in der Wirtschaftsdiplomatie begonnen hatte, war er als Berater des Schweizer Exekutivdirektors bei der Weltbankgruppe tätig. Er bekleidete verschiedene Posten und Mandate, insbesondere den Vorsitz des Lenkungsausschusses des Globalen Forums zur Unternehmensführung, das von der OECD und der Weltbank ins Leben gerufen wurde. Er ist Gründer und CEO von Obviam, einer auf Impact Investing spezialisierten Vermögensverwaltungsgesellschaft. Obviam verwaltet insbesondere das Portfolio des Swiss Investment Fund for Emerging Markets (SIFEM), der Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft des Bundes. Claude Barras hat einen Master in Wirtschaftswissenschaften der Universität Freiburg.

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