Biodiversität und Gesundheit: eine lebenswichtige Verbindung

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Von Luc Olivier, Fondsmanager des Echiquier Climate & Biodiversity Impact Europe, La Financière de L’Echiquier (LFDE)

Die Umweltveränderungen, die wir derzeit feststellen, hat das Thema Biodiversität an Bedeutung gewinnen lassen. Ob in der Chemie- oder oder Pharmabranche, im Gesundheitswesen oder der Lebensmittelindustrie – immer mehr Unternehmen integrieren diese Dimension in ihre Unternehmensstrategie.

Ein Molekül in einem Meeresschwamm, das Alzheimer-Demenz verlangsamen oder hinauszögern kann, Anti-Krebs-Wirkstoffe in Bäumen, Antibiotika in Pilzen: Die Natur bietet eine unglaubliche molekulare Vielfalt, die grosse Chancen für neue Therapieansätze birgt. Heute ist diese Vielfalt allerdings in Gefahr. Eine Million Tier- und Pflanzenarten, die vor allem in den Bereichen Ernährung, Energie und Medizin eine Rolle spielen, sind vom Aussterben bedroht. Das hat es in der Geschichte der Menschheit bislang noch nicht gegeben. Eine vom Weltbiodiversitätsrat (Mai 2022) veröffentlichte Zahl macht deutlich, wie sehr unser Leben von wilden Pflanzen und Tieren abhängt: 70 % der Medikamente gegen Krebs – ob natürlich gewonnen oder synthetisch hergestellt – sind von der Natur inspiriert.

Alle von uns Menschen entdeckten wichtigen Wirkstoffe stammen aus der Natur. Für den Kampf gegen die Entwaldung, die Erwärmung der Ozeane und den Klimawandel, die das gesamte Leben auf unserem Planeten verändern und unsere Apotheke der Zukunft zerstören, gibt es jedoch Lösungen. Noch ist es nicht zu spät, um nach dem Vorbild der stark auf Biodiversität angewiesenen Gruppen oder verschiedener Pionierunternehmen aktiv zu werden.

Unternehmen spielen für die Biodiversität eine Schlüsselrolle

Einige Unternehmen setzen auf Initiativen, um die Biodiversität zu schützen und wiederherzustellen und so den transformativen Wandel voranzutreiben. Hierzu zählt der grosse britische Spezialchemiekonzern Croda, zum Beispiel, der unter anderem Samenbeschichtungen herstellt. Das Saatgut benötigt so weniger Wasser und Nährstoffe zum Wachsen, was die Böden schont. Ein anderes Beispiel ist das dänische Biotechnologie-Unternehmen Novozymes, Weltmarktführer in der Herstellung von Enzymen. Die aus der Natur gewonnenen Wirkstoffe sind für die Konservierung von Lebensmitteln oder die Wasserreinigung unverzichtbar.

Andere Akteure im Gesundheitssektor versuchen, dem Druck auf die Artenvielfalt entgegenzuwirken oder ihn zu mindern, da dieser das Risiko von Zoonosen begünstigt. Dabei handelt es sich um Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können, wie zum Beispiel COVID-19. Entwaldung, Massentierhaltung und auch die Ausbreitung städtischer Lebensformen zerstören den Lebensraum bestimmter Tierarten, treiben sie zur Wanderung und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit für den Kontakt mit Menschen. Dank der Messenger-RNA-Technologie (mRNA) konnte auf schwer krankmachende Varianten des Coronavirus deutlich schneller als mit einem herkömmlichen Impfstoff reagiert werden. Einige Portfoliounternehmen entwickeln wichtige Komponenten für die Vakzine. So etwa Croda, das die für die Zusammensetzung von mRNA-Impfstoffen unerlässlichen pharmazeutischen Lipide liefert, oder die Schweizer Firma Lonza. Beide sind im Auftrag grosser Pharmalabore tätig.

Das wirksamste Mittel gegen den Verlust von Biodiversität, das am stärksten zur Transformation beiträgt, liegt allerdings im Stopp der Entwaldung und Denaturierung der Böden.

Einige Unternehmen haben das bereits erkannt. Astrazeneca ist mit Blick auf seine Wirkstoffe stark auf die Natur angewiesen und verfolgt daher ehrgeizige Initiativen zum Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt. Das firmeneigene Programm „AZ Forests“ sieht bis 2025 die weltweite Pflanzung und Erhaltung von

50 Millionen Bäumen vor. Nestle sticht durch einen der ambitioniertesten Pläne zur Finanzierung von Agroforstwirtschaft innerhalb seiner Lieferkette hervor. Im Rahmen des Programms sollen bis 2030 auf dem Land seiner Partner in der Landwirtschaft 200 Millionen Bäume gepflanzt werden.

Der Verlust der Biodiversität ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern ein gesellschaftliches Schlüsselthema, das direkt mit unserer Gesundheit zusammenhängt. Dasselbe gilt für die Finanzlage von Unternehmen, die durch den Rückgang der biologischen Vielfalt massiv destabilisiert wird. Bei Unternehmen, die Lösungen zum Erhalt der Biodiversität umsetzen, lässt sich hingegen eine Stärkung der finanziellen Positionierung feststellen.

Luc Olivier erwarb 2017 ein Diplom als Finanzwirt an der EDHEC Business School. Er sammelte in mehreren Praktika als SRI-Analyst bei EthiFinance und La Financière de l’Echiquier sowie als Finanzanalyst bei Exane in London Erfahrungen. Seit August 2017 unterstützt er das Management von La Financière de l’Echiquier als Finanzanalyst und SRI-Experte. 2020 wird er Fondsmanager des Echiquier Positive Impact Europe und Echiquier Climate Impact Europe.

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