«Der Markt wird entscheiden, ob sich das «Operations as a Service» durchsetzt»

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Interview mit Dimitri Petruschenko, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter, und Boris Alexandre Jeannet, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von EAM.Technology

Von Elsa Floret

Neben Managementinstrumenten – PMS- und CRM-Lösungen – gibt es nun mit «Operations as a service» einen neuen Outsourcing-Service,  der es erlaubt, den Digitalisierungsprozess zu beschleunigen.
Dimitri Petruschenko, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter, und Boris Alexandre Jeannet, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von EAM.Technology, gehen auf die Reaktionen des UVV-Markts und insbesondere der mittleren und grossen unabhängigen Verwaltungsgesellschaften ein.

Inwiefern ist das Outsourcing-Modell «Operations as a Service» eine zukunftsfähige digitale Lösung für die Vermögensverwaltung?
Es ist alles eine Frage der Strategie. Unabhängige Vermögensverwalter können diese Kompetenzen entweder intern aufbauen, was teuer und unkalkulierbar ist, denn zuerst gilt es, eine geeignete Person auf dem IT-Markt finden, und diese muss anschliessend eingearbeitet und integriert werden, um sie langfristig zu binden.
Oder sie greifen bei Bedarf zeitweise auf die Kompetenzen einer einschlägigen unabhängigen Stelle zurück, sodass ihr Unternehmen die entsprechende Flexibilität und Kontinuität für weiteres Wachstum besitzt.
Ferner können sie externe Experten mit der Personalbeschaffung, Schulung, Integration und Vergütung dieses neuen Postens sowie mit der Prüfung der erzielten Leistungen und Ergebnisse beauftragen, wobei sie vom ersten Tag an einen Service-Mehrwert haben und stets die Gesamtkontrolle behalten.

Wozu benötigen unabhängige Vermögensverwalter zeitanteilige Unterstützung?
Angenommen, ein Vermögensverwalter richtet ein PMS- und CRM-System ein. Dieses System muss von einem erfahrenen Fachmann aktiv verwaltet werden, der die Verantwortung übernimmt, die Mitarbeiter einweist und schult, Systemanpassungen durchführt, neue Anlageleitlinien konfiguriert und Aktualisierungen testet. Da sich die Anforderungen der Nutzer im Laufe der Zeit ändern, ist es unbedingt wichtig, Fragen zu sammeln und in eindeutige Anforderungen zu übersetzen, die der Anbieter des PMS- und CRM-Systems in seinen Softwareaktualisierungen umsetzen kann.
Aus unserer Sicht ist ein einziger Ansprechpartner, der die Anforderungen des Unternehmens in Anforderungen an die IT, an die Anwendungen insgesamt und an die Zulieferer umformuliert, von wesentlicher Bedeutung für den Ausbau und die Pflege des Know-hows, die Systemnutzung, die Konformität der Prozesse und den reibungslosen Betrieb.

Wie reagiert die Branche auf diese neue Outsourcing-Möglichkeit?
Wir stellen seit einem halben Jahr ein lebhaftes Interesse fest. Die Interessenten sind vor allem mittlere und grosse Unternehmen, die ihre Abläufe professioneller gestalten können, ohne ihre Haupttätigkeit zu vernachlässigen. Dies eröffnet vielen Vermögensverwaltern neue Entwicklungsmöglichkeiten, die ihr Rentabilitätsniveau nicht einschränken.
Letztendlich wird der Markt darüber entscheiden, ob sich dieses neuartige «Operations as a Service»-Modell durchsetzt. Da es die Wertschöpfungskette weiter untergliedert, kann ein Vermögensverwalter flexibel auf bestimmte Marktbedingungen reagieren, ohne Kompromisse bei der Qualität oder dem Kompetenzgrad seiner betrieblichen Vorgänge machen zu müssen. Dies betrifft mehr oder weniger alle Vermögensverwalter, der eine Zulassung durch die FINMA besitzen oder anstreben.

Hält das «As a service»-Modell mit der Konsolidierung auf dem Markt der externen Vermögensverwalter Schritt?
Angesichts der Konsolidierungswelle auf dem Vermögensverwaltungsmarkt erwarte ich, dass die Gesamttendenz der Relationship Manager einer Bank hin zum Unternehmertum anhalten wird – trotz aller gesetzlichen Hindernisse.
Die Vermögensverwaltung ist ein Ökosystem, das sich ständig an die Marktumstände anpasst und Vermögensverwaltern jeder Grösse bereits bequemen Zugang zu Technologie und Outsourcing-Services bietet. Allerdings greifen mit Sicherheit nicht alle auf diese Möglichkeiten zur Delegierung von Verantwortung «As a service» zurück. Bestimmte kleinere und ältere Unternehmen werden sich bewusst dafür entscheiden, mit grösseren Unternehmen oder Plattformen zusammenzuarbeiten, statt mehr Kraft und Investitionen in ihren Betrieb zu stecken.

Welche Rolle spielt EAM.Technology in diesem Ökosystem?
Wir helfen Vermögensverwaltern, bei der Auswahl ihrer künftigen technischen Lösungen und Outsourcing-Services wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Ist diese Marktnische nicht schon durch Beratungsgesellschaften besetzt?
Abgesehen von globalen Beratungsgesellschaften oder ein paar Einzelpersonen, die Vermögensverwalter beraten, gibt es in der Tat nur wenige Unternehmen, die externen Vermögensverwaltern unabhängige und systematische professionelle betriebliche Unterstützung erbringen.
Durch das Outsourcing dieser Dienstleistungen erhöht sich das technische Know-how der Vermögensverwalter deutlich, ihre Organisation wird professioneller und ihre Geschäftsbeziehungen mit Zulieferern kommen auf den gleichen Stand.
EAM.Technology hat die Vision, dass es auch eine Verbindung zwischen der Welt der Unternehmen und der Welt der Technologie herstellt, ohne dass die Bedürfnisse der Kunden übergangen werden.

Boris Alexandre Jeannet ist Co-Founder und Partner von EAM.Technology, einem unabhängigen Technologieberater für Vermögensverwalter, und Partner bei mas advisory, einer Strategieberatungsfirma, die sich auf den Bereich der Technologiedienstleister und Finanzinstitute konzentriert.
Er ist Co-Founder und Mitglied des Verwaltungsrats der Jeannet Immobilien AG, die in der Immobilienentwicklung und -investition tätig ist, und war auch Mitglied des Beirats der FX Prime AG, einer unabhängigen Beratungsfirma für Währungen und Edelmetalle.
Seit über 10 Jahren ist Boris in den Bereichen digitale Transformation, Geschäfts- und Technologiestrategie, Business Process Outsourcing, Prozessoptimierung, Informationstechnologie und Innovation sowie Go-to-Market tätig.
Vor der Gründung der Jeannet Immobilien AG war Boris bei verschiedenen Firmen in der Medien- und Werbebranche tätig, namentlich bei Saatchi & Saatchi.
Nach seiner Matura in Zürich führte ihn seine Leidenschaft für Musikkomposition und -produktion nach New York, bevor er an der American University of Paris Medien und Kommunikation studierte.
Boris ist Schweizer und brasilianischer Staatsbürger und spricht Deutsch, Französisch, Englisch, Portugiesisch und Russisch.

Dimitri Petruschenko ist Co-Founder und Managing Partner von EAM.Technology. Er bewegt sich seit über 10 Jahren im Technologieumfeld für die Finanzbranche. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren in der Kundenbetreuung und im Vertrieb von Softwarelösungen an Privatbanken, unabhängige Vermögensverwalter und Family Offices.
Vor der Gründung von EAM.Technology verantwortete er als Bereichsleiter den Bereich Account Management und als Mitglied der Geschäftsleitung den Bereich Client Services, bei etablierten Schweizer Software-Lösungsanbietern für Wealth und Asset Management Unternehmen.
Dimitri schloss sein Studium an der Universität Koblenz-Landau mit einem Diplom in Informatik mit Anwendungsfach Wirtschaftsinformatik ab. Er nahm an einem internationalen Austauschprogram mit Queensland University of Technology teil. Dimitri hält ein Diplom der Fund Academy als Fund Operations Specialist FA und ein CAS der Universität St. Gallen mit dem Schwerpunkt auf Kundenmanagement im B2B-Geschäft.
Dimitri ist Schweizer und Deutscher Staatsbürger und spricht Deutsch, Englisch und Russisch. Er ist ein begeisterter Kalt-Training Enthusiast, Mitglied der Swiss Cold Training Associsation (SCTA) und Vater von einer Tochter.

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