Die Attraktivität des UVV-Geschäftsmodells wird durch den laufenden Konsolidierungsprozess gestärkt

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Von Stephan Aepli, Leiter UVV, REYL Intesa Sanpaolo

Die UVV stehen vor drei zentralen Herausforderungen. Bis 2023 müssen sie eine FINMA-Lizenz haben, um ihr Geschäft ausüben zu können. Derzeit verfügen 20 Prozent von ihnen über eine solche Lizenz. Zweitens steht eine Übergabe an: Nur ein Drittel von ihnen hat bislang seine Nachfolge geplant. Drittens steht eine Konsolidierung bevor: Im ersten Halbjahr 2022 gibt es unter den UVV, die mehr als 500 Mio. Franken verwalten, mehr Zusammenschlüsse als im Jahr 2021.

Wie würden Sie das Konzept der UVV einer Person ausserhalb des Bankwesens erklären?
In den letzten 40 Jahren wurde in der Schweiz das traditionelle Schema des Privatkunden, der von seiner Bank betreut wird, durch das Auftauchen eines neuen Akteurs, des unabhängigen Vermögensverwalters (UVV oder EAM auf Englisch), erschüttert. Ähnlich wie die Veränderungen im Hotelgewerbe durch den Eintritt von Airbnb unterbrach dieser das historische Verwaltungsmodell, indem er sich als neuer Teilnehmer in der traditionellen Beziehung zwischen Kunde und Bank etablierte. Aus einer Zwei-Parteien-Beziehung wurde eine Drei-Parteien-Beziehung. Die UVV verwalten heute rund 15 Prozent der in der Schweiz angelegten Vermögenswerte. Da die UVV keine Banklizenz haben, sind sie auf Bankpartner angewiesen, die ihnen die Grundleistungen der Depotverwahrung und Ausführung zur Verfügung stellen. Das Hauptziel des EAM-Teams ist es, die Geschäftsvermittler, wie es die UVV sind, zu begleiten, indem es ihnen täglich Unterstützung bei der Verwaltung ihrer Kunden bietet. Erstklassige Dienstleistungen, ständige Nähe und die Fähigkeit, eine langfristige Partnerschaft aufzubauen, sind die Schlüssel zum Erfolg in diesem Geschäft. REYL steht der Welt und dem Unternehmergeist der UVV nahe, da wir selbst ursprünglich ein UVV waren!

Welche Partnerschaften haben Sie entwickelt und wie ist Ihr Feedback?
Durch Cross-Selling-Aktionen stellen wir kontinuierlich die innerhalb der Gruppe vorhandenen Kompetenzen in den Vordergrund. So werden interne Abteilungen wie Corporate Finance, Asteria und Obviam, Art Lending, Private Assets oder Hybridkredite als innovative Lösungen und Differenzierungsfaktoren beworben. Diese Art von Kompetenzen werden von UVV geschätzt, die im Rahmen ihres Geschäftsansatzes, der auf einer echten offenen Architektur beruht, stets nach Möglichkeiten suchen, um den von ihren Kunden erwarteten Mehrwert zu schaffen.
Wir sind auch Gründungsmitglied von Wecan Comply, einer innovativen Compliance-Plattform, die auf der Technologie der privaten Blockchain basiert. Ihr Ziel ist es, die administrative Abwicklung des Onboardings und die jährliche Überwachung der UVV-Beziehungen zu erleichtern, indem die gesamte Dokumentation in einer für die Mitglieder zugänglichen Anwendung zentralisiert wird. Derzeit umfasst diese Plattform 13 Banken und 90 UVV, die ein verwaltetes Vermögen von über 100 Milliarden Franken repräsentieren.

Wie stellen Sie sich Ihren Beruf in fünf bis zehn Jahren vor?
In der UVV-Branche wird es weniger Akteure geben, dafür aber mit einer höheren durchschnittlichen Grösse und mehr Raffinesse. In einer zunehmend digitalisierten Welt ist es für uns wichtig, unsere Prozesse weiterzuentwickeln, wie z. B. ICOS, das digitale Onboarding-Tool für Kunden. Ich bin zuversichtlich, dass es dann bei unseren UVV vollständig automatisiert sein wird und wir dadurch erheblich an Effizienz gewinnen werden. Gleichzeitig glaube ich, dass das Bedürfnis nach Servicequalität und menschlichen Beziehungen immer vorhanden sein wird. Wir müssen ständig versuchen, die Erwartungen der UVV zu verstehen und die Dienstleistungen, die die Kunden benötigen werden, zu antizipieren.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?
Das ist die Teamarbeit: das Gefühl, gemeinsam voranzukommen, Fortschritte zu machen und unser Geschäft sowie unsere Fähigkeiten wie Zusammenhalt, Reaktionsfähigkeit und hervorragende Serviceleistungen weiterzuentwickeln. Teamgeist ist dem Dienstleistungsgeschäft für UVV inhärent. Seit Januar hat sich unser Geschäft gut entwickelt, da wir vier neue Mitarbeiter eingestellt haben, was zur Vergrösserung unseres Kundenstamms beigetragen hat. Wir bieten unsere Dienstleistungen für die UVV zentral von unserem Hauptsitz in Genf aus an und verfolgen einen dezentralen Ansatz bezüglich unserer Niederlassungen in Zürich und Lugano, um die geografische Nähe zu allen UVV, die uns vertrauen, zu gewährleisten. Schliesslich finde ich, dass die Zusammenarbeit mit Finanzfachleuten wie den UVV eine tägliche Herausforderung ist, aber auch eine echte Befriedigung, wenn die beigesteuerten Lösungen den geäusserten Bedürfnissen entsprechen.

Wenn Sie einen verrückten Traum haben könnten, welche Veränderung würden Sie im UVV-Ökosystem herbeiführen?
Perfekt dokumentierte KYC, ohne dass die Compliance-Abteilung auch nur eine einzige Rückfrage stellt, und dass man in nur zwei Tagen ein Konto eröffnen kann!

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