«Die Bündelung der Private-Equity-Investitionen ist eines unserer Leuchtturmprojekte»

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Interview mit Nicole Curti, Präsidentin der Allianz Schweizer Vermögensverwalter

Von Elsa Floret / Fotos: Christophe Senehi

Nicole Curti, die neue Präsidentin der Allianz Schweizer Vermögensverwalter, möchte die Zusammenarbeit zwischen den Verbandsmitgliedern im Zeichen der Offenheit, des Teilens und der Transparenz stärken. Die Allianz, die vor fünf Jahren gegründet wurde, wechselt nun einen Teil ihres Vorstands aus und nimmt neue Vorstandsmitglieder aus den drei Regionen der Schweiz auf. In diesem Schlüsseljahr hat sich die Allianz hohe Ziele im Bereich des Unternehmertums gesetzt. Ihre Botschaft richtet sich u.a. auch an Vermögensverwalter in Banken, die sich eine Karriere als Selbstständiger vorstellen könnten.

Wie lautet Ihre langfristige Vision für die Allianz?
Das Credo der Alliance lautet: Gemeinsam stärker sein, an die eigenen Fähigkeiten glauben und die Kunden langfristig betreuen können, indem man zusammenarbeitet und sich austauscht, statt im Verborgenen zu bleiben, sich zu verschliessen oder Geheimnisse zu haben.
Unsere Vision für die nächsten Jahre hat drei Komponenten.
Wir wollen zum Referenzverband für Banker werden, die den Arbeitgeber wechseln möchten, für Journalisten, die Inhalte über die Finanzmärkte benötigen, und für Kunden, die unabhängige Anlagelösungen suchen.
Wir wollen unsere Anlagekompetenzen, unser Know-how und unsere Zugangsmöglichkeiten gemeinsam mit unseren Mitgliedern nutzen.
Wir fördern die Innovation, indem wir die Prozesse, an denen alle Mitglieder beteiligt sind, verbessern und in gemeinsame digitale Lösungen investieren (Beispiel: Kunden-Onboarding).

2022 ist ein Schlüsseljahr, in dem ein Teil des Vorstands ausgetauscht wird. Welche Projekte verfolgen Sie?
Das Wesen der Allianz war von Anfang an, nicht «an seinem Amt kleben» zu wollen, wie es eines der Gründungsmitglieder formuliert hat, als er mir vor ein paar Jahren die Funktionsweise der Allianz erklärte. Das heisst, dass Amtszeiten alle zwei Jahre verlängert werden können, aber nur höchstens drei Mal. Daher werden anlässlich unseres fünfjährigen Bestehens einige der Gründer ausscheiden und wir werden neue Mitglieder aus den drei Regionen der Schweiz im Vorstand (bei dem es sich nicht um einen Verwaltungsrat handelt) begrüssen. Neue Personen, das bedeutet auch neue Ideen und neue Diskussionen!

Die Mitglieder der Allianz konkurrieren zwar miteinander, haben es aber trotzdem geschafft, sich zusammenzuschliessen. Warum?
In unserem Geschäft basiert alles auf Beziehungen. Der Kunde entscheidet sich für eine Person. Das Institut oder die erzielten Ergebnisse sind zweitrangig. Wir sind recht zuversichtlich, dass die Weitergabe von vorbildlichen Praktiken und Know-how über Themen, die mit betrieblichen Fragen und Investments zusammenhängen, nicht das Wachstum der jeweiligen Geschäftsaktivitäten gefährdet.

Wie positioniert sich die Allianz gegenüber den privaten Märkten?
Ein Projekt, das uns vorschwebt, ist die Bündelung der Private-Equity-Investitionen. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Wir haben vor, Exposures zusammenzulegen und so Zugriff auf Fonds zu bekommen, die hohe Mindestanlagen verlangen. Auf diese Weise bekämen alle Mitglieder der Allianz Zugang zu sehr exklusiven Private-Equity-Lösungen und könnten diese ihren Kunden anbieten. Manche unserer Vermögensverwalter haben auch eigene Fonds gegründet, und wir informieren unsere Mitglieder darüber.

Welche Bedeutung misst die Allianz der Weiterbildung bei?
Die Weiterbildung ist der Grundstein unseres Verbandes. Wir bieten allen Mitgliedern das ganze Jahr über Weiterbildungsmassnahmen an, meistens über Zoom, aber auch als Präsenzveranstaltungen. Die Themen sind sehr praxisbezogen und können von runden Tischen der CIOs über Fragen der Regulierung und Fusionen und Übernahmen bis hin zu Fragen der Cybersicherheit reichen.

Die Allianz hat zurzeit ungefähr 40 Mitglieder mit einem gesamten verwalteten Vermögen von mehr als 130 Milliarden. Wie sieht das Profil der Vermögensverwalter aus, die Mitglied bei Ihnen werden?
In der Schweiz ist der Markt sehr segmentiert: Es gibt über 2’500 UVV, wovon 80% ein verwaltetes Vermögen zwischen 100 und 300 Millionen haben. Wir positionieren uns in der Oberklasse dieses Marktes und nehmen nur UVV mit einem verwalteten Vermögen ab einer Milliarde Franken als Mitglieder auf.

Besteht bei Ihnen eine Obergrenze für die Mitgliederzahl?
Im Moment nicht. Aber wir streben kontrolliertes, gleichmässiges Wachstum an, damit genug Zeit bleibt, um uns um alle Mitglieder zu kümmern und ihnen Qualitätslösungen anzubieten.

Wie positionieren Sie sich gegenüber Berufsverbänden wie ARIF, VSV oder VQF?
Wir sind keine Regulierungsstelle, sondern ein Berufsverband. Im Gegensatz zu ARIF, VSV und anderen haben wir keine Verpflichtungen gegenüber der FINMA, obwohl wir den häufigen Gedankenaustausch mit der FINMA und beispielsweise auch den Banken schätzen.

Nicole Curti ist Partnerin und COO von Stanhope Capital. Zuvor war sie zehn Jahre bei Lombard Odier tätig. Nicole sieht es als wichtig an, ihre Zeit neben ihrer Leitungsfunktion auch dafür zu verwenden, ihr Fachwissen in mehreren Verwaltungsräten von Unternehmen und Verbänden weiterzugeben. Als Präsidentin der Allianz Schweizer Vermögensverwalter. Als Beraterin der Fondation Kofi Annan, die für eine gerechtere und friedlichere Welt eintritt. Und bei der WeCan Group, die Blockchain-Lösungen entwickelt. Als Mitglied des Zentralvorstands und Finanzchefin von Swiss Athletics widmet sie ausserdem einen grossen Teil ihrer Zeit der Verbandsarbeit. Sie spricht fliessend Deutsch, Französisch, Englisch. Italienisch und Spanisch.

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