„Die Geschwindigkeit des Wandels auf diesem Sektor sollte nicht unterschätzt werden“

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Interview mit Anthony Cagiati, Mitbegründer und Gesellschafter – Sound Capital
Von Andreas Schaffner – Fotos: Juerg Kaufmann

Anthony Cagiati ist im Juni in den Vorstand des VSV-ASG gewählt worden. Dabei wird er die umfassende Erfahrung nutzen können, die er bei Sound Capital, der von ihm gegründeten  Verwaltungsgesellschaft, einerseits und bei der Allianz Schweizer Vermögensverwalter andererseits gesammelt hat. Diese Erfahrung ist umso wertvoller als es an Baustellen nicht mangelt.

Gratulation zur Wahl in den Vorstand des VSV-ASG!
Anthony Cagiati: Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre!

Was reizt Sie an der Aufgabe?
Es geht darum, die ehemalige OAR und bereits schlagfertige Spitzenorganisation bei der Umwandlung in einen reinen Berufsverband zu begleiten, der sich noch stärker für die Interessen der Branche einsetzt und Mehrwerte für seine Mitglieder schafft. Hier helfe ich sehr gern mit. Mit den vier Säulen sind wir gut aufgestellt, diesen Schritt zu gehen.

Was sind die vier Säulen?
Erstens die Rechtsberatung auf allen Gebieten und in Zusammenarbeit mit der Leitung von Verwaltungsgesellschaften, dann die Weiterbildung, die Interessenvertretung und – wohl am wichtigsten – die Unterstützung unserer Mitglieder. Bei Letzterer geht es unter anderem um optimale Lösungen beim Kundenbeziehungsmanagement, bei Portfoliomanagement-Systemen und bei der Compliance.

Für Sie zählt der Netzwerk-Gedanke. Ist das nicht schon eine fünfte Säule?
Ja, warum nicht. Der Netzwerk-Gedanke ist sicher zentral, gleichgültig ob das jetzt eine Säule ist oder nicht. Ich habe immer wieder erlebt, nicht zuletzt auch bei der Allianz Schweizer Vermögensverwalter, wie wichtig es ist, dass man sich innerhalb der Branche stark vernetzt. Daraus entsteht nicht nur gegenseitiges Vertrauen und Know-how-Transfer. Sondern auch neue Geschäftsideen – ja manchmal gibt es daraus die besten M&A-Deals.

Wie messen Sie den Impact, den ein Verband auf die Mitglieder haben kann?
Sie haben recht, es muss messbare Grössen geben – so etwas wie ein Membership Value. Nur so rechtfertigt sich die Mitgliedschaft bei einem Berufs- und Branchenverband. In einem ersten Schritt gilt es dabei, die Bedürfnisse der Mitglieder ganz klar zu erkennen. Dabei wird einem schnell bewusst, dass – je nach Grösse des Vermögensverwalters – erhebliche Unterschiede bestehen. Alle diese Bedürfnisse gilt es zu analysieren und dann anzugehen. Natürlich gibt es Kennziffern, die man hinzuziehen kann. Genau eine solche Zielgrösse will ich zusammen mit dem Vorstand entwickeln. Und schliesslich ist der Service-Gedanke von Bedeutung: Der VSV-ASG soll den Mitgliedern Mehrwerte bieten und natürlich letztlich auch seine Mitgliederzahl erhöhen.

Welches sind die Stärken des VSV-ASG?
Sicherlich die Grösse. Mit mehr als 40 Prozent der unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz als Mitglieder hat der VSV-ASG eine einzigartige Position. Ich bin überzeugt, dass die vier Säulen, die der VSV als Schwerpunkt für die kommenden Jahre definiert hat, treffend widerspiegeln, wo wir unseren Mitgliedern Mehrwerte bieten können. Ich bin auch überzeugt, dass der Dialog mit dem Regulator nur über eine Organisation dieser Stärke stattfinden kann. Die einzelnen Vermögensverwalter hätten nicht das nötige Gewicht, um die Interessen in „Bern“ wahren zu können. Hier sind wir mit unserem Netzwerk und den Erfahrungen bestens dafür geeignet.

Die meisten Vermögensverwalter werden im kommenden Jahr Lösungen finden müssen, um die Einhaltung der breit gefächerten Anforderungen von FIDLEG und FINIG zu gewährleisten. Stichwort: Compliance.
Ja. Leider bleibt nicht mehr so viel Zeit zur Umsetzung. Wir stellen fest, dass es nicht die eine gute Lösung gibt, die für jedes Mitglied passt. Das hängt von der Grösse, den Kunden oder auch den Schwerpunkten ab und genau hier ist der VSV-ASG gefordert. Wir können die technischen Möglichkeiten aufzeigen und den Informationsaustausch mit anderen Mitgliedern fördern.

Kontinuierliche Weiterbildung ist in der heutigen Zeit ein wichtiger Erfolgsfaktor. Was heisst das für den VSV-ASG?
Die Geschwindigkeit des Wandels in der Branche sollte nicht unterschätzt werden. Die VSV-Weiterbildungsplattform bietet ein breites Angebot, mit dem sich ein Vermögensverwalter so wenig Wissen aneignen kann, wie er will, oder so viel Wissen, wie er braucht. Der VSV-ASG ist in der Lage, das breite Angebot auf der Plattform zu koordinieren und auszubauen.

Risiko-Management ist zum Schlüsselbegriff der Branche geworden. Was heisst das für den VSV-ASG?
Die Anforderungen sind von Seiten des Regulators gestiegen, auch FIDLEG und FINIG sind stark darauf ausgerichtet. Es reicht nicht mehr eine Firma zu gründen, man muss sich mit den Risiko-Prozessen von Anfang an sehr stark auseinandersetzen. Das geht von den Kunden über Produkte bis hin zum IT-System/CRM. Auch hier wird der VSV-ASG unterstützend aktiv sein können.

Blicken wir kurz zurück: Was hätte Ihnen bei der Gründung von Sound Capital geholfen?
Nun gut, ich muss sagen, dass wir damals schon sehr viel Unterstützung erhalten haben – etwa von der Credit Suisse. Das hat uns sehr geholfen. Als Verband könnten wir Firmen, die in einer ähnlichen Situation sind aber auch beratend zur Seite stehen. Und insbesondere der Bereich Solutions ist bei der Gründung zentral: also die Frage, welche Systeme für welchen Vermögensverwalter die richtigen sind und dazu kommen viele rechtliche Fragen. Auch hier haben wir im Verband ausgezeichnete Spezialisten zur Hand.

Ob Portfoliomanagement oder Wealth Management mit einem breiteren Ansatz, wie sehen Sie die Entwicklung der Kundenerwartungen?
Es wird einen klaren Trend in Richtung Transparenz der Renditen geben. Mit Plattformen wie Performance Watcher in der Schweiz oder ARC Research und MPI STEP in Grossbritannien ist die Möglichkeit Renditen zu vergleichen für den durchschnittlichen Kunden viel einfacher geworden. Dies impliziert, dass Vermögensverwalter sicherstellen müssen, keine unterdurchschnittliche Performance zu liefern.

Was wird der Generationenwechsel bei den Kunden bewirken?
Er findet ja nicht nur bei den Kunden statt, sondern auch auf der Anbieterseite. Der Generationswechsel wird Herausforderungen mit sich bringen, da jüngere Kunden mehr Innovation erwarten. Das bedeutet, Vermögensverwalter müssen mit den Markttrends Schritt halten und die eine oder andere Nische finden, in der man sich differenzieren kann.

Welches sind Ihre wichtigsten Entwicklungsachsen bei Sound Capital?
z Nun, wie Sie wissen, bin ich nicht mehr operativ involviert. Deshalb hier meine Aussensicht, gewissermassen. Wie jeder Vermögensverwalter ab einer gewissen Grösse möchten wir unser Geschäft ausbauen. Das ist leichter gesagt als getan, denn es gibt inhärente Konflikte zwischen Wachstum um des Wachstums willen und Wachstum, um sicherzustellen, dass die Unternehmenskultur intakt bleibt. Dennoch sind wir seit unserer Gründung vor fast 10 Jahren durch selektive Einstellungen und die Konzentration auf unsere Schlüsselmärkte gewachsen. Mit Blick auf die Zukunft möchten wir das Unternehmen auf diese Weise weiterentwickeln und uns auf organisches Wachstum konzentrieren, wobei auch die Integration von externen Vermögensverwaltern – zum Beispiel durch Übernahmen – eine Option ist.

Anthony Cagiati ist Gründer und Gesellschafter von Sound Capital. Seit Ende Juni ist er Vorstandsmitglied bei VSV-ASG. Bevor er CEO von Sound Capital wurde, war er viele Jahre Managing Director der Bank Leu / Clariden Leu. Ferner ist er Gründer und Verwaltungsratsmitlied der Allianz Schweizer Vermögensverwalter sowie Präsident der CFA Society Switzerland. Zudem war er Mitglied im Gouverneursrat des CFA Institute. Er ist Inhaber eines Bachelor of Arts des Middlebury College, eines MBA des Babson College sowie des CFA.

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