Die Illiquidität ist unser grösster Verbündeter: Sie verhindert emotional bedingte Anlageentscheide

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Interview mit Nicolò Miscioscia, Partner – Leiter Private Markets, Decalia

Von Elsa Floret

In dieser neuen Rubrik stellt Ihnen SPHERE Schweizer Asset Manager mit einer Boutique-Strategie vor, die sich auf Private Markets und nicht-börsennotierte Assets spezialisiert haben. Dazu gehört auch Decalia.

In der Vergangenheit schnitten nicht-börsennotierte Anlagen besser ab als börsennotierte. Durch den Zinsanstieg beginnt ein neuer Zinszyklus. Wie hoch schätzen Sie das Risiko einer Blasenbildung ein?
An den Privatmarkt-Segment ist das Risiko einer Überbewertung genauso vorhanden wie an den Börsen, da beide Assetklassen eine gewisse Korrelation aufweisen. Man braucht sich nur die beeindruckenden Zahlen der Branche anzusehen – die Gründe für den Anstieg der Bewertungen und die damit einhergehenden Risiken werden sofort klar. Investitionen in Private Markets sind zwischen 2008 und 2021 von 2,2 Billionen auf 10 Billionen US-Dollar angestiegen – also um das Fünffache in gerade einmal dreizehn Jahren. Die Prognosen von Goldman Sachs für 2026 gehen von einer Grössenordnung von rund 18.000 Milliarden Dollar aus.

Warum sind die Private Markets für Investoren so attraktiv?
In der Vergangenheit schnitten Private Equity-Investments der besten Manager deutlich besser ab als die wichtigsten Börsenindizes. Für diese Überperformance gibt es meines Erachtens drei Erklärungen. Der erste Grund ist die Informationsasymmetrie an den Börsen. Der zweite ist die Illiquidität: Sie verhindert, dass das Kapital in Baissephasen abgezogen wird. Der dritte Grund ist der Einsatz der Hebelwirkung bei Private Equity.
Vor allem im derzeitigen Umfeld müssen sich Investoren fragen, wie auch in Zukunft eine Überperformance erzielt werden kann.
Decalia arbeitet im Bereich der Private Markets mit einem langfristigen Anlagehorizont. Wir begnügen uns nicht mit der Analyse der Ist-Situation, sondern versuchen, mittels bestimmter Variablen die Zukunft zu prognostizieren. Ausgehend von dieser Philosophie konzentrieren wir uns in erster Linie auf Private Markets-Segmente, die ein hohes Alpha-Potenzial bieten und die sich durch einen weniger intensiven Wettbewerb und somit eine hohe Informationsasymmetrie auszeichnen. Wir glauben, dass dieser Ansatz vorübergehende Volatilitätsschübe ausblendet und den Aufbau erstklassiger Private Markets-Portfolios ermöglicht.

Hat sich der Käufermarkt zu einem Verkäufermarkt entwickelt?
Seit Jahresbeginn ist die Kapitalaufnahme für Unternehmen zwar komplizierter geworden, aber die Nachfrage nach nicht-börsennotierten Investments ist ein langfristiger Trend. Daher ist eine Zunahme des verfügbaren Kapitals zu erwarten.

Teilen Sie die Ansicht von Steffen Meister, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates von Partners Group, dass „die Private Markets zur neuen traditionellen Anlageklasse avancieren werden“?
Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass die Private Markets für alle Anlegerkategorien immer besser zugänglich werden und eine Allokation von illiquiden Vermögenswerten in den Portfolios zur Normalität werden könnte. Allerdings ist diese Art von Investments aufgrund ihrer Illiquidität nicht für jeden Investor geeignet, daher wäre ich vorsichtig mit der Einstufung „traditionell“.

Wie lässt sich an den Private Markets noch Wert generieren?
Durch die Vermeidung überlaufener, überinvestierter Segmente, denn nur so lässt sich langfristig ein hohes Alpha generieren. Die Identifikation von Marktsegmenten, in denen mit spezifischer Expertise ein intensiver Wettbewerb vermieden wird, ist Teil der DNA von Decalia. 

Seit zwei Jahren spiegeln sich die Private Markets auch im Logo von Decalia wider, denn sie sind seither neben den historischen Aktivitäten – Wealth Management und Asset-Management – Teil dieses Logos.
Diese drei Aktivitäten, d.h. Vermögensverwaltung, börsennotierte Anlagen und Private Markets, sind die historischen Eckpfeiler von Decalia. Wir wollten klarstellen, dass die Private Markets ein Kernelement des strukturellen Angebots von Decalia sind, keine Nebenaktivität: 12 Personen konzentrieren sich bei uns seit Jahren auf dieses Segment.

Welche Sektoren haben Sie im Auge?
Aufgrund unseres Geschäftsmodells setzt Decalia auf eine branchenübergreifende Strategie. Daher suchen wir Branchenexperten, mit denen wir unsere Anlageprodukte entwickeln.
Derzeit liegt unser Schwerpunkt auf Europa. Im Fall der Schweiz konzentriert sich unsere Private Equity-Aktivität auf den „Small Market“. Ein Expertenteam investiert hier unter der Marke Decalia Capital. Darüber hinaus ist die Immobiliengesellschaft von Decalia in den Bereichen Gesundheit und Logistik aktiv.

Wie hoch ist die Performance Ihrer Investments?
Unsere Investitionen in die Private Markets belaufen sich auf 1,5 Milliarden Franken, verteilt auf Fremdkapital, Eigenkapital und Immobilien.
Erwartungsgemäss generieren die verschiedenen Anlageklassen Alpha im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern. 

Welche Anlagephilosophie verfolgt Decalia im Bereich Private Markets?
Unsere Anlagephilosophie beruht auf einer Erkenntnis: dem versteckten Wert der Illiquidität.
Anleger sollten wie internationale Investoren – vor allem sehr versierte und erfolgreiche wie die grossen US-amerikanischen Universitätsstiftungen – auf einen langfristigen Horizont und eine strukturelle Allokation, also auf börsennotierte und nicht-notierte Vermögenswerte setzen.
Studien zum Thema „Behavorial Finance“ haben gezeigt, dass Illiquidität ein hohes Wertpotenzial besitzt, weil sie den wichtigsten Auslöser von Verlusten neutralisiert – irrationale, emotionsgesteuerte Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Folglich ist Illiquidität unsere wichtigste Verbündete.
Einschlägige Expertise und die Wahl der richtigen Strategie sind zweifellos von noch grösserer Bedeutung als bei Börseninvestments, denn zum einen wird das Kapital für mehrere Jahre gebunden, und zum anderen bestehen hohe Performance-Diskrepanzen zwischen den einzelnen Private Markets-Managern. Und genau dies ist der konkrete Beweis für die Existenz der Informationsasymmetrie, die wir anstreben.

 

Nicolò Miscioscia ist seit 2022 Partner und seit deren Bestehen Leiter der Private Markets-Aktivität von DECALIA. Diese umfasst mittlerweile ein Team von 12 Experten und mehrere Anlagevehikel mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 1,5 Milliarden Franken.
Miscioscia begann seine berufliche Laufbahn als Abschlussprüfer für den Finanzsektor bei PricewaterhouseCoopers in Genf und Luxemburg.
Er war Mitgründer von U-Start in Lugano und Mailand, einer auf die Syndizierung von Venture Capital-Deals spezialisierten Private Markets-Plattform.
Nicolò Miscioscia ist Chartered Certified Accountant (ACCA) und verfügt über einen Bachelor in Administration der Cass Business School in London.

 

Bezeichnung der Gesellschaft : DECALIA SA
Adresse : Rue du Rhône 31, 1204 Genf
Website : https://www.decalia.com
Gründungsdatum : 2014
Top-Management : Alfredo Piacentini, Rodolfo De Benedetti, Sébastien Demole, Xavier Guillon, Isabella Pedrazzini, Yves Rochat, Nicolò Miscioscia
Expertise : Wealth Management, thematische Fonds, Private Markets
Investments : Aktien, Anleihen, nicht-börsennotierte Assets (Immobilien, Private Equity, Kredite)
Verwaltetes Vermögen : 4,9 Milliarden Franken

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