„Die Konsolidierung der Vermögensverwalter in der Schweiz ist eine Wunschvorstellung“

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Interview mit Egon Vorfeld, Managing Partner, The Forum Finance Group

Von Elsa Floret

Egon Vorfeld, Managing Partner, The Forum Finance Group, glaubt, dass die seit langem ausgerufene Konsolidierungswelle am Schweizer Vermögensverwaltungsmarkt nicht wie erwartet verlaufen wird. „Gründer über 60 wollen nicht verkaufen“! Er ermutigt die Mitarbeiter von Vermögensverwaltern deshalb, sich bei einem Akteur zu positionieren, der auf Kontinuität setzt. 

Wie wird sich der Markt der Vermögensverwalter in der zweiten Jahreshälfte entwickeln?
Die Nervosität der Mitarbeiter von Vermögensverwaltern wird gewaltig zunehmen.
Die seit langem ausgerufene Konsolidierungswelle am Vermögensverwaltungsmarkt wird nicht wie erwartet verlaufen. Die ursprünglichen Gründer vieler Vermögensverwaltungsgesellschaften haben das Renteneintrittsalter erreicht und halten die Zügel oder das Eigenkapital noch immer fest in ihrer Hand. Nur wenige verfügen über eine klar strukturierte Nachfolgeregelung. Sie sind nicht bereit, langfristig zu investieren. Genauso wenig kommt eine Eingliederung in eine grössere, konsolidierte Gesellschaft für sie in Frage.
Sie hatten ihr Unternehmen mit dem Ziel gegründet, ihr Schicksal selbst zu bestimmen und niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Viele rechnen damit, dass es ein Arrangement geben wird, mit dem sie ohne allzu viele Änderungen noch etwas länger weitermachen können. Sie erhoffen sich wohl, für ihre Kunden in allerletzter Minute eine Lösung zu finden, um sie dann auf die eine oder andere Weise in Cash ummünzen zu können. Meine Schlussfolgerung lautet deshalb: Die Vermögensverwalter der ersten Stunde werden nicht verkaufen.

Welche anderen Optionen bieten sich dann an?
Nur eine relativ kleine Gruppe von Vermögensverwaltern, die sehr gut geführt werden, besitzt die kritische Grösse für die erforderlichen Investitionen. Und nur diese kleine Gruppe besitzt die Entschlossenheit und die Managementkompetenz, die der Branche eine glänzende Zukunft sichern kann.
Daher ermutige ich alle Führungskräfte, die nicht zu dieser kleinen Gruppe gehören, ihre Situation genau zu prüfen und sich zu fragen, ob ihre Zukunft sicher ist.

Warum sind Sie zu The Forum Finance Group gewechselt?
Die Gründer von Forum Finance waren die Einzigen, die mir begegnet sind, die ihre Gesellschaft wie ein echtes Unternehmen und nicht als Plattform führen wollen. Mich überzeugten die Vorteile einer echten Partnerschaft. Wir hatten keine persönlichen Gewinn- und Verlustrechnungen mehr wie überall sonst. Wer die Kunden gewonnen hatte, war nicht mehr so wichtig, denn sie sind heute ja Kunden von Forum Finance.
Wir einigten uns ferner auf eine Nachfolgelösung, um Klarheit für die Partner, die in den Ruhestand treten, zu schaffen und junge Partner zu ermutigen, zu uns zu kommen.

Auf welchem Modell beruhen die Fairness und die Unternehmensführung bei The Forum Finance Group?
Unser Modell sieht für die Führungskräfte des Unternehmens – die Partner – Anreize zur Förderung der Zusammenarbeit und einer optimalen Unternehmensführung vor. Persönliche finanzielle Incentives gibt es nicht mehr. Wichtig ist das Unternehmen als Ganzes.
Neben der Betreuung unserer Kunden trägt jeder von uns seine jeweilige Verantwortung im Management. Dazu gehört auch, dass wir die Relationship Manager sehr aktiv bei der Akquise unterstützen und daher oft auf ihren Reisen begleiten. Ausserdem werden wir von einem sehr erfahrenen und unabhängigen Vorstand geleitet und unterstützt.
Alle Partner sind massgeblich am Unternehmen beteiligt und erhalten ein Festgehalt. Die Vergütung der Relationship Manager richtet sich überwiegend nach ihrem jeweiligen Erfolg, sie können aber auch eine Beteiligung am Unternehmen halten.
Bei Erreichen des Renteneintrittsalters bleiben die ehemaligen Partner auf Wunsch der verbleibenden Partner immer noch beteiligt und spielen weiterhin eine wichtige Rolle. In der Regel bekleiden sie Posten im Verwaltungsrat und arbeiten weiterhin in Teilzeit.

Wie hoch ist die Bewertung von The Forum Finance Group?
In unserer Aktionärsvereinbarung ist eindeutig festgelegt, wie und wann Aktien erworben oder verkauft werden und welche Bewertung anzusetzen ist. Wir legen einen durchschnittliche EBITDA-Multiple der letzten drei Jahre zugrunde. Ist ein Dienstleistungsunternehmen, das zum Buchwert handelt und keine Unternehmensbewertung erstellt, denn automatisch weniger wert?

Wie gewinnen Sie qualifizierte Vermögensverwalter?
Uns zeichnet aus, dass wir sowohl von der FINMA und seit 2016 auch von der SEC reguliert werden. Mit unserer FINMA-KAG-Lizenz können wir auch private Altersvorsorgepläne in der Schweiz verwalten – ein weiteres Segment, das wir ausbauen.
Unternehmensführung ist nicht nur für die Aufsichtsbehörde, sondern auch für unsere Kunden ein wichtiges Thema geworden.
Mit unserem Vergütungsmodell für die Relationship Manager unterscheiden wir uns wohl kaum von anderen Unternehmen, mit unserem Support und unserer regulatorischer Struktur aber durchaus! Ein unabhängiger Vermögensverwalter, der noch mit immer hohen Gewinnmargen arbeitet, hat wohl kaum die notwendigen Investitionen getätigt. Die Gefahr ist gross, dass er aus dem Markt gedrängt wird.

Egon Vorfeld wechselte 2009 als Partner und Direktor zu Forum Finance, nachdem die von ihm im Jahr 2000 gegründete Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Forum Finance fusioniert worden war. Davor war er als Investmentbanker und Aktienanalyst bei Crédit Lyonnais Securities und 9 Jahre bei Cazenove & Co in London tätig.

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