Die NFTs, das Metaversum und das Wachstumsversprechen

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Von Victor Busson, Leiter Marketing und Partnerschaften Taurus

2021 war das Jahr, in dem NFT und FOMO (fear of missing out, Angst, etwas zu verpassen) für Einzelhandel und Institutionen entdeckt wurden. Die Akzeptanz wächst in allen Branchen, selbst bei etablierten Akteuren: Lifestyle-Marken (Nike, Adidas), Zahlungsanbieter (Visa, Mastercard), Luxusmarken (Burberry, LVMH, Porsche), grosse Tech-Unternehmen (Facebook nunmehr Meta, Microsoft) im Rahmen des „Metaversums“ oder die Videospielindustrie (Ubisoft); die Liste ist lang und bei weitem nicht vollständig. Der Künstler Beeple verkaufte ein Kunstwerk für 69 Millionen US-Dollar; ein 12-jähriger Junge verdiente 400.000 US-Dollar mit dem Verkauf von selbstgemachten NFTs; der Zahlungsriese Visa erwarb ein CryptoPunk-NFT für 150.000 US-Dollar; die NFTs des Bored Ape Yacht Club wurden von Mark Cuban, Jimmy Fallon, Stephen Curry, Justin Bieber und Eminem gekauft. Nike hat RTFKT übernommen, ein Unternehmen, das virtuelle Sneaker und Sammlerobjekte herstellt, wobei es sozusagen die Welten der Mode und der Spiele miteinander verschmilzt und damit einen Fuss ins Metaversum setzt. Bis vor kurzem war der Verkauf von NFTs noch relativ marginal, doch nun jagt ein Rekord den anderen.

Der Hype um NFT ähnelt sehr stark dem, was 2017-2018 während des ICO-Booms passierte. Aussergewöhnliche Preissteigerungen über einen kurzen Zeitraum bewirken, dass die Leute sich auf alles stürzen, was sich NFT nennt, ohne vorher eine angemessene „Due-Diligence-Prüfung“ zu dem Vermögenswert, den sie kaufen wollen, durchzuführen. Die potenzielle Folge sind schlechte Anlageentscheidungen. Es wäre nicht überraschend, wenn der Preis von im 2021iger Boom erworbenen NFTs auf null korrigiert würde (was bereits vorgekommen ist).

Ebenso wie der Preis variiert auch die Nutzererfahrung je nach Blockchain, Marktplatz oder „Wallet“ zur Speicherung und zum Schutz dieser NFTs. Nicht selten sieht man NFT-Portfolios im Wert von mehreren Millionen Schweizer Franken in einem einfachen Online-Wallet oder auf einem Offline-USB-Stick. Das Hauptrisiko für einen NFT-Investor ist genau dasselbe wie bei Kryptowährungen: die Aufbewahrung seiner privaten Schlüssel. Sie sind die einzige Möglichkeit, auf die Gelder einer bestimmten Blockchain-Adresse zuzugreifen. Vor einigen Jahren war es noch schwierig, eine geeignete Aufbewahrungslösung für digitale Vermögenswerte zu finden. Verschiedene Akteure, darunter Taurus, haben massiv in die Infrastruktur für digitale Vermögenswerte investiert, um Privatpersonen und Unternehmen robuste Lösungen anbieten zu können.

Welche Taxonomie für NFTs? Zunächst ist zu unterscheiden zwischen 100 % digitalen NFTs, die Kryptowährungen ähneln, und NFTs, bei denen es sich um tokenisierte Vermögenswerte handelt, die in der realen Welt existieren. Dann lassen sich diverse Unterkategorien bilden: Kunst (generative und klassische Kunst), Sammlerobjekte (Collectibles), Gaming (Play-to-Earn), Musik, Sport, virtuelle Immobilien und das Metaversum.

Innerhalb der Kategorie Kunst sind einige berühmte Beispiele für generative Kunst zu nennen, die jeweils für mehrere Millionen Dollar verkauft wurden.

Tyler Hobbs
Fidenza #938 (God Mode)
Dmitri Cherniak
Ringers #879  (The Goose)
Snowfrost
Chromie Squiggles #4697

Es ist jedoch zu erwarten, dass der Boom für all diese NFT-Kategorien nicht linear, sondern wie bei den Kryptowährungen verläuft. Es wäre nicht verwunderlich, wenn auf diese Spekulationswelle in Kürze ein „Winter“ folgen würde, der jedoch anders als 2018-2019, nämlich kürzer sein dürfte. Die Hauptgründe dafür sind die Einführung im Einzelhandel, die neue Coinbase-Plattform, die mit dem derzeitigen Monopol von Opensea konkurrieren wird, und die sehr umfangreichen Investments auf diesem Sektor. Das Marktpotenzial ist immens – allein für den Luxussektor prognostiziert Morgan Stanley bis 2030 einen NFT-Umsatz von bis zu 20 Milliarden Schweizer Franken, und zahlreiche Berichte sprechen sogar von einem Metaversum in Höhe von mehreren Billionen. Daher findet ein regelrechter Wachstumswettlauf zwischen den traditionellen Akteuren (Grossunternehmen und Finanzinstitute) und den Neueinsteigern (insbesondere Web3-Start-ups) statt – mit noch ungewissem Ausgang.

Victor Busson ist Leiter Marketing und Partnerschaften bei Taurus. Bevor er zu Taurus kam, war Victor Busson über 8 Jahre in der Marketing-Abteilung von Procter und Gamble tätig, wo er Erfahrungen in verschiedenen Verkaufsabteilungen, Regionen (Europa, Asien) und Funktionen (Design, Betrieb) sammeln konnte. In seiner Eigenschaft als Marketing-Leiter China hat er neue Produkte für eine führende Marke von P&G entwickelt, sowie deren Markteinführungsstrategie und Markenkommunikation. Victor Busson ist Inhaber eines Masters in Unternehmensführung der Grande Ecole HEC, Paris.

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