Die Rebsorte Resi im Spiegel der Jahrhunderte

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In jeder Ausgabe von Sphère präsentieren Ihnen Catherine Cornu und Stéphane Meier, zwei passionierte Weinliebhaber, grosse Schweizer Weine. Dieses Mal haben sie die Domaine des Sentes in Sierre besucht und Serge Heymoz bei seiner Arbeit mit der antiken Rebsorte Resi zugeschaut.

Resi (franz. Rèze) ist der Name einer antiken und autochthonen Rebsorte, die seit Jahrhunderten zum Walliser Weinberg gehört, denn sie wurde erstmals 1313 im Register von Anniviers neben der Humagne Blanche und der roten Walliser Rebsorte, dem Cornalin, erwähnt. In der Rebsortenkunde ist Resi „Mutter“ und „Grossmutter“ etlicher Rebsorten Italiens und des Wallis. Im Wallis ist Resi Mutter der Rebsorten Diolle und Grosse Arvine und Grossmutter der Humagne Rouge.

Aber vor allem ist Resi die Rebsorte, die in Fässern aus Lärchenholz in den Dörfern des Val d’Anniviers vinifiziert wird und den berühmten „Gletscherwein“ ergibt. Und hier kommen die so genannten. Die Besonderheit beim Ausbau dieses Gletscherweins ist das Solera-Verfahren: Das Fass wird niemals völlig geleert, sondern der Wein aus früheren Jahrgängen wird stets mit dem Wein der neuen Ernte vervollständigt.

1997 waren nur noch 6.800 Quadratmeter mit dieser hochwertigen, aber ertragsarmen Rebsorte bepflanzt. Ohne die Hartnäckigkeit einiger Winzer, darunter Serge Heymoz, wäre sie fast ausgestorben. Derzeit sind ausschliesslich im Wallis und sonst nirgendwo auf der Welt 3 Hektar mit Resi bepflanzt…

Deshalb möchten wir Ihnen den trockenen, nicht im Solera-Verfahren vinifizierten Resi von Serge Heymoz von der Domaine des Sentes in Sierre vorstellen. Die Rebfläche umfasst 2.500 Quadratmeter auf drei Parzellen in der Nähe seines Kellers, der in der Gemarkung „Entre-deux-Torrents“ in Sierre unterhalb des Dorfes Loc gelegen ist. Serge Heymoz ist sehr bodenständig und begeistert sich somit für traditionelle oder autochthone Rebsorten.

Die Domaine des Sentes wurde 1985 von seiner Mutter Lucie gegründet, die dort ihre eigenen Weine ausbaute. 1999 übernahm ihr Sohn den Betrieb, der heute 5 Hektar (darunter die oben erwähnten 6.800 mit Resi bepflanzten Quadratmeter) umfasst und 45.000 Flaschen jährlich abfüllt. Serge Heymoz produziert 9 Weissweine, 2 Liköre aus Weissweintrauben, einen Rosé und 7 Rotweine, die im Edelstahltank, im Fass oder im Falle des Cornalin in der Sandsteinamphore ausgebaut werden.

Weinprobe: Der Resi-Jahrgang 2019 besticht durch seine hellgelbe Farbe mit grünlichen Reflexen sowie seine offene Nase mit Noten von Zitrusfrüchten, Eisenkraut, Holunder und Zitronengras. Beim Auftakt spielt er mit seiner Säurestruktur, die dem Wein Länge und eine gute Balance verleiht und ihn zum perfekten Begleiter erlesener Speisen macht. Am Gaumen tut sich was … er ist mineralisch-salzig mit Noten von getrocknetem Heu, säuerlichem Apfel, Karambole und Weinbergpfirsich. Dieser im Abgang vollmundige, wuchtige Wein besitzt ein exzellentes Alterungspotenzial und harmoniert ideal mit einem Seeteufel, einem Steinbutt oder grossen Garnelen.

Catherine Cornu und Stéphane Meier sind zwei grosse Liebhaber des Weins, dem sie ihre Freizeit widmen. Sie nehmen an zahlreichen Verkostungen teil und haben mit der Schweizer Mannschaft bei der von der Revue des Vins de France veranstalteten Weltmeisterschaft für Weinverkostung 2018 den 6. Platz belegt. 2011 gründeten sie «VINvitation», um ihre Weinleidenschaft mit anderen zu teilen. Über VINvitation organisieren sie Events à la carte für Privatpersonen und Unternehmen mit Themenabenden, die nach dem Prinzip «Aufeinander abgestimmte Weine und Speisen» gestaltet werden.
Mehr informationen: www.vinvitation.ch

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