„Die Stärkung unserer Präsenz in der Schweiz ist unsere Priorität“

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Interview mit Rahim Daya, Generaldirektor – Barclays Bank (Schweiz)

Von Elsa Floret – Fotos : Karine Bauzin

Seit seinem Amtsantritt im April haben sich fünf neue Banker der Barclays Bank (Schweiz) angeschlossen, der letzten britischen Bank, die auf diesem Markt noch präsent ist. Wachstum ist ganz klar vorrangig für Rahim Daya, den neuen CEO. Daher setzt er auf Talente, um den Vermögenstransfer zu nutzen, der in den nächsten Jahren ansteht. Dabei geht es um 15.000 Milliarden Dollar. Verständlich, dass das Rahim Daya sehr interessiert!

Welche Schwerpunkte haben Sie seit Ihrem Amtsantritt in Genf im April gesetzt?
Rahim Daya: Unsere Priorität heisst Wachstum. Wir sind die letzte britische Bank in der Schweiz, die ihren Kunden Zugang zu den globalen Märkten bietet. Wir konzentrieren uns weiterhin auf den Nahen Osten, Israel, Russland und Osteuropa. Seit ich die Leitung von Barclays Schweiz übernommen habe, sind fünf neue Banker zu uns gestossen. Wir wollen ganz gezielt in Talente investieren, um das Geschäft weiter auszubauen.
Wir sind in der glücklichen Lage, alle unsere Mitarbeiter in einem Gebäude in Genf und in einem kleineren Büro in Zürich zu haben, so dass alle Entscheidungen vor Ort getroffen werden. Zu meinen Prioritäten gehört auch, dass wir in Sachen Unternehmenskultur wie eine einzige Bank funktionieren und alle Teams ein gemeinsames Ziel verfolgen. Unsere Kunden sagen mir oft, wie sehr sie es zu schätzen wissen, dass Barclays hier vor Ort ist.

Ausser ihrer neuen Aufgabe in Genf sind Sie weiterhin Leiter der Barclays Private Bank im Nahen Osten. Wie bringen Sie das unter einen Hut?
Vor kurzem war ich in Riad bei der Future Investment Initiative. Seit meinem letzten Besuch 2019 habe ich festgestellt, dass ein echtes Interesse an meiner Doppelrolle als CEO von Barclays Bank Schweiz und Leiter von Barclays Private Bank im Nahen Osten besteht. Die Connexions zwischen der Region Nahost und der Schweiz sind enorm. In Verbindung mit einer echt britischen Bank werden sie sehr leistungsstark.
Wenn es um Private Banking geht, beziehen sich unsere Überlegungen immer auf die globalen Märkte. Mit unserer Präsenz in Genf sind wir in der Lage, Kunden in der Schweiz, in Russland, Osteuropa, Zentralasien, Israel, dem Vereinigten Königreich und dem Nahen Osten zu bedienen. So sind beispielsweise 80 % unserer nahöstlichen Kunden mit unserem Genfer Büro verbunden, obwohl sie ihre Geschäfte in Nahost tätigen.

Die bisherige Geschäftsleitung erwirtschaftete eine Steigerung des verwalteten Vermögens von 10 % und strebte für Ende 2023 ein AUM von rund 20 Milliarden CHF an. Was sind Ihre Wachstumsquellen?
2020 hatten wir ein verwaltetes Vermögen in Höhe von 14,9 Mrd. Franken. Unsere strategischen Märkte – allen voran die Schweiz, Russland, Osteuropa, Israel und der Nahe Osten – liefern den Löwenanteil an unserem Vermögens- und Umsatzwachstum. Auf dieser Grundlage können wir 2021 den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Im vergangenen Jahr erreichte die diskretionäre Portfolioverwaltung ein Rekordniveau. Gleichzeitig wuchs das Interesse unserer Kunden an Anlagechancen auf den privaten Märkten. Ich habe persönlich ein wachsames Auge auf unsere Schwellenländergeschäfte – sie werden für uns zu einem wesentlichen Wachstumsmotor. Zudem habe ich Mitarbeiter speziell für das heimische Schweizer Onshore-Geschäft eingestellt, um unseren Marktanteil zu steigern. Die Stärkung unserer Präsenz in der Schweiz ist unsere Priorität.

Barclays, seit 1986 in Genf ansässig, ist in der Schweiz mit drei Sparten präsent: Investment Banking, Corporate Banking und Private Banking. Worauf kommt es den UHNWI-Kunden dabei vor allem an?
Unsere typischen Kunden versuchen, in einigen unserer Schlüsselmärkte – dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, der Côte d’Azur und eventuell Paris – Immobilien zu erwerben. Sie beauftragen uns auch mit der Verwaltung ihrer Anlagen über unsere diskretionären Portfolios, dazu gehören Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und ESG. Ich würde Immobilien und diskretionäre Portfolios als unser Kernangebot bezeichnen. Zudem wenden sich die Kunden auch für ergänzende Tätigkeiten wie Trading, Devisen, Aktien und strukturierte Produkte an uns. Das Hauptthema der letzten Jahre waren alternative Anlagen, vor allem durch unser Angebot an Private-Equity- und Hedge-Fonds. Das alles sind aus meiner Sicht „Satelliten-Dienstleistungen“. In all diesen Anlageklassen sind die Kunden sehr investiert, und seit Covid-19 noch verstärkt!

Werden die Beziehungen der Barclays Bank zu Family Offices in der Schweiz enger?
Die Beziehungen von Barclays zu Global Family Offices nehmen in der Tat zu.
Aufgrund ihrer wachsenden Beliebtheit bei hochvermögenden Privatpersonen sind die GFO ein wichtiges Thema in der Schweiz ebenso wie im internationalen Geschäft. Die Family Offices sind oft mit komplexen Situationen im privaten, beruflichen und grenzüberschreitenden Bereich konfrontiert. Sie stehen daher vor Herausforderungen, die eine Privatbank meist nicht bewältigen kann. Wir erleben eine anhaltende Nachfrage im Bereich unserer Multi-Family-Office- und Vermögensverwaltungstätigkeit, insbesondere in Verbindung mit Nahost.

Wie positioniert sich Barclays gegenüber der neuen Generation?
Die 25.000 reichsten Einzelpersonen in Europa, Afrika, Asien und Nahost werden den Erwartungen zufolge bis zum Jahr 2023 ein Vermögen von 15.000 Milliarden US-Dollar an die nächste Generation weitergeben. Der Transfer innerhalb der vermögenden Familien ist also ganz erheblich. Barclays muss wie alle anderen Banken ihre Ausdrucksweisen und Angebote an die neue Generation anpassen.
Seit Beginn der Pandemie haben wir erlebt, dass viele Familien der neuen Generation mehr Platz eingeräumt haben. Die Eltern waren nicht sehr geneigt, in den turbulenten Märkten investiert zu bleiben, und hielten sich lieber an Barmittel. Die jüngere Generation dagegen fühlte sich gefordert und war bereit, bei einigen Investments die Führung zu übernehmen Das spürten wir im Frühjahr 2020. Viele hatten Chancen erkannt und ergriffen. Im Nahen Osten, wo ich im vergangenen Jahr tätig war, waren die jüngeren Kunden sehr schnell mit den neuesten Technologien vertraut und bereit, neue Anlagemöglichkeiten zu erkunden. In der letzten Zeit konnten wir mit vielen Familien Kontakt aufnehmen und mit allen Familienmitgliedern ins Gespräch kommen.
Ein weiterer Sektor, für den die neue Generation sich relativ stark interessiert, ist ESG. Wir beobachten, dass immer mehr junge Menschen ihre Familien zu nachhaltigen Investitionen drängen. ESG spielt eine grosse Rolle bei Barclays, und wir sprechen mit unseren Kunden seit langem über dieses Thema. Dabei verfolgen wir drei Schwerpunkte: Erstens wollen wir ihnen helfen, dieses Gebiet und seine Terminologie zu verstehen und sich darin zurechtzufinden. Zweitens möchten wir sie bei Entscheidungen unterstützen: Was ist auf persönlicher und familiärer Ebene wichtig? Was in Bezug auf das Portfolio und das Familienunternehmen? Und drittens helfen wir ihnen bei der Umsetzung, d.h. beim Hinzufügen neuer Anlagen oder der Umwandlung bestehender Investments, um ihnen qualitativ hochwertige Anlagechancen zu bieten. Zu unserem diskretionären Standard-Mandat gehört eine ESG-Iteration, die von vielen Kunden geschätzt wird. Wir sind uns bewusst, dass solche Chancen nicht unbedingt leicht zu finden sind. Deshalb durchforsten wir das gesamte Spektrum der Vermögenswerte, auf öffentlichen wie auf privaten Märkten.

Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen Kunden aus dem Nahen Osten und dem Westen in Bezug auf Investments und neue Möglichkeiten?
Kulturelle Unterschiede wirken sich auf die Anlagestrategie aus. Manche Familien aus Nahost tendieren zu einem opportunistischen Verhalten, zum Beispiel indem sie sich in volatilen Zeiten auf Immobilien konzentrieren. Im Allgemeinen handeln die Kunden jedoch ähnlich, denn wir haben in bestimmte Produktströme investiert, und das ist es, was unseren Kunden wirklich gefällt und ihnen Nutzen bringt.

Der seit April in Genf basierte CEO der Barclays Bank (Schweiz), Rahim Daya, bleibt gleichzeitig Direktor von Barclays Private Bank für die Region Nahost. Vor Genf war Rahim Daya zwei Jahre lang in Dubai als Leiter von Barclays Private Bank für die Arabischen Emirate und den Nahen Osten tätig. Davor war er Head of Business Transformation bei Barclays Private Bank gewesen. Er begann seine Laufbahn bei RBS, wo er verschiedene strategische Projekte der Sparten Retail und Wealth auf globaler Ebene managte.
Rahim Daya besitzt einen Abschluss der Cass Business School, die zur London City University gehört. Ferner hat er das Executive Education Program der London Business School absolviert.

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