„Die UVV müssen ihr Angebot für die Vorsorge anpassen“

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Interview mit Alexandre Michellod, Leiter der Abteilung ‚Wealth & Investment Solutions’, Bank Gonet

Von Jérôme Sicard

Angesichts eines Volumens von 1,2 Billionen Franken wird der Markt der Altersvorsorge für die Protagonisten des Wealth Managements attraktiv. Sie können ihre Präsenz auf diesem Markt durch einen globalen Vermögensverwaltungsansatz monetisieren – eine Herausforderung. Ein Überblick von Alexandre Michellod, Leiter der Abteilung ‚Wealth & Investment Solutions‘ der Bank Gonet.

Welche Chancen bieten sich unabhängigen Vermögensverwaltern auf diesem immensen Vorsorgemarkt?
Alexandre Michellod
: Infolge der regulatorischen Anforderungen des FIDLEG und deren Auswirkungen auf die Verwaltung von kollektiven Kapitalanlagen und von Vorsorgevermögen müssen auf dem Schweizer Markt aktive UVV mit einer Vermögensverwaltungslizenz ihr Angebot für die Vorsorge anpassen. Zur Monetisierung ihrer Präsenz auf dem Vorsorgemarkt legen UVV den strategischen Fokus künftig auf einen globalen Vermögensverwaltungsansatz, der auf die Beratung für Vorsorgelösungen und Finanzprodukte ausgerichtet ist. Dies ist eine Herausforderung für die Akteure des Schweizer Wealth Managements. Jüngsten Statistiken aus dem Jahr 2021 zufolge beläuft sich das Volumen des Vorsorgemarkts auf über 1,2 Billionen Franken. Allein die private Vorsorge beläuft sich auf über 95 Milliarden!

Wie unterstützen Sie die UVV bei ihrer Marktpositionierung?
Mit unserer digitalen Vorsorgeplattform lemania – pension hub können wir UVV exklusive Altersvorsorgelösungen für den Schweizer Markt anbieten. Unser Asset Servicing-Bereich stellt unseren institutionellen Partnern mit einem B2B2C-Ansatz damit eine „Infrastruktur“ mit umfassenden privaten Vorsorgeangeboten für ihre Endkunden zur Verfügung. Die Serviceleistungen dieser Infrastruktur umfassen sowohl die Bereitstellung einer White-Label-Rechtsstruktur (White Labelling-Freizügigkeits- oder Säule 3a-Lösungen) als auch die Strukturierung eines speziellen Pensionsfonds im Rahmen des Umbrella-Fonds lemania pension fund.

Wie sehen die Erwartungen an eine B2B2C-Vorsorgelösung und die Anforderungen der Endkunden aus?
Ein Begünstigter eines Freizügigkeitsguthabens kann die gleichen Standards erwarten wie bei der Pensionsklasse, die sein Kapital zuvor verwaltet hat. Mit anderen Worten: absolute Transparenz in Bezug auf die Kosten für die Ausführung der Anlagetransaktionen und ein institutioneller Verwaltungsansatz mit Risikobudgets, die im Einklang mit den BVG-Performance-Benchmarks stehen.

Welche Vorteile bietet die Kontrolle über die Verwaltung des eigenen Vorsorgevermögens gegenüber der Delegierung?
Anleger, die aus einer Pensionskasse austreten müssen oder sich freiwillig zum Aufbau eines zusätzlichen Vorsorgevermögens entschliessen, sollten sich unbedingt an der Einrichtung eines geeigneten Vorsorgeplans beteiligen. Möglich ist dies mit der der Unterstützung eines Vermögensberaters, der ihnen den Zugang zu flexiblen Lösungen mit echtem Mehrwert ermöglicht. Bei der freien Wahl des BVV 2-konformen Anlageprogramms stellt der Zugang zu einer offenen Architektur mit den besten Anlagefonds des Marktes einen eindeutigen Vorteil für Anleger und ihre private Vorsorge dar. Das obligatorische berufliche Vorsorgesystem bietet keine derartige Flexibilität, denn Versicherte haben kein Mitspracherecht bei der Vermögensverwaltung.

Welche Kompetenzen oder Ressourcen müssen Vermögensverwalter ihrerseits erwerben, um sich am Markt zu etablieren?
Für UVV, die bereits in der privaten Altersvorsorge aktiv sind, gehören Qualifikationsnachweise wie der eidgenössische Fachausweis für die Versicherungsbranche oder für berufliche Vorsorge inzwischen zur Standardanforderung des Marktes.  Für Vermögensberater, die sich im Bereich der Vorsorgeberatung mit Spezialisierung auf Finanzprodukte positionieren, ist neben dem Qualifikationsnachweis auch eine Zulassung als Anlageberater notwendig.

Alexandre Michellod leitet die Abteilung ‚Wealth & Investment Solutions‘ der Bank Gonet und ist darüber hinaus Mitglied des Exekutivausschusses. Alexander Michellod hat seine Laufbahn als Finanzanalyst bei IAM begonnen. Vor seinem Wechsel zu Gonet & Cie im Jahr 2016 war er bei BCV, der Bank Wegelin und bei Edmond de Rothschild (Suisse) als Leiter der Abteilung für berufliche Vorsorge tätig. Alexandre Michellod ist ferner Vorsitzender des Verwaltungsrats der Vorsorgeplattform lemania – pension hub. Er besitzt einen Master in Betriebswirtschaft der Universität Genf (HEC) und den eidgenössischen Fachausweis (Brevet Fédéral) für berufliche Vorsorge. Er ist Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) akkreditiert.

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