„Durch erfolgreiches Projektmanagement können wir Wert generieren“

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Interview mit Gabriele Gallotti, Chief Executive Officer, Novum Capital Partners

Von Jérôme Sicard – Fotos : Karine Bauzin

Gabriele Gallotti, CEO von Novum Capital Partners, verkörpert eine neue Generation unabhängiger Vermögensverwalter, die sich zunehmend für das Family-Office-Modell interessieren; Tendenz steigend. Die Akteure wollen ihren Kunden über das blosse Portfolio-Management hinaus strategische Beratung und Projektmanagement sowie individuelle Direktinvestitionen anbieten, und so mehr Wert generieren. In nur drei Jahren konnte Gabriele Gallotti beweisen, dass seine Strategie funktioniert.

Was hat Sie veranlasst, Novum zu gründen? Welche Defizite hatten Sie seinerzeit festgestellt?
Gabriele Gallotti: Ich wollte erneut einen engen Kontakt und grösstmögliche Nähe zu meinen Kunden erreichen, die im Rahmen meiner Tätigkeit bei einer Bank leider an zweite Stelle gerückt waren. Ich bemerkte eine gewisse Frustration, und das war nicht immer so. Die Jahre zwischen 2000 und 2008 waren die besten für die Branche. Aber durch die Finanzkrise haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Infolge der drastischen Intervention der Aufsichtsbehörden, die immer mehr Normen und Regeln vorgaben, haben die Auflagen um ein Vielfaches zugenommen, so dass wir unsere Arbeit nicht mehr so reibungslos verrichten konnten wie zuvor. Damals waren wir erheblich proaktiver.
In den 2000er Jahren konnten wir sehr offen mit unseren Kunden diskutieren und ihnen mehrere Möglichkeiten oder verschiedene Dienstleister empfehlen. Inzwischen ist das nicht mehr möglich, denn die Aufsichtsbehörden haben die treuhänderische Verantwortung auf die Banken übertragen. Sie müssen für alle von ihnen ergriffenen Massnahmen und erteilten Empfehlungen haften. Natürlich wollen sie sie das Haftungsrisiko so gering wie möglich halten, und so mussten Banken ihr Angebot laufend reduzieren.
Geändert hat sich auch, wie investiert wird. Die Finanzmärkte sind im Vergleich zu 2008 erheblich komplexer geworden. Damals ermöglichten Anleihen und Geldmarktanlagen noch komfortable Renditen. Zwischen der Komplexität der Finanzprodukte und der Sachkenntnis unserer Kunden tat sich infolgedessen eine tiefe Kluft auf, so dass die Kommunikation mit ihnen immer schwieriger wurde. Letztendlich befanden wir uns in einem Spannungsfeld zwischen Kunden, die mehr forderten, und Aufsichtsbehörden, die immer weniger erlaubten.

Was war das auslösende Moment für Sie?
Im Jahr 2018 beschloss JP Morgan, die Zusammenarbeit mit mir zu beenden. Ich hatte also die Wahl – entweder eine andere Bank zu suchen, oder meine eigene Struktur zu gründen. Wie meine Frau Francesca vermutete, hatte auch ich die Sorge, dass meine Frustration in einer anderen Bank genauso hoch sein würde. Ich wollte nicht mehr mit immer stärker standardisierten Formaten arbeiten und habe deshalb Novum gegründet, um meine Kunden so zu unterstützen, wie ich es zur Wahrung ihrer Interessen für richtig halte. Kunden – und dies gilt heute umso mehr – wollen Ansprechpartner, denen sie vertrauen können und die Entscheidungen treffen, die sie auch verantworten. Kunden brauchen keine Berater, die ihnen sagen, dass sie beim Autofahren möglicherweise einen Unfall riskieren.

Wie lässt sich das Leistungs-versprechen von Novum Partners beschreiben?
Als erstes frage ich potenzielle Kunden, die auf uns zukommen, was sie nachts gut schlafen lässt, denn unsere Aufgabe besteht darin, ihnen die Sorglosigkeit zu bieten, die sie brauchen. Das steht für uns im Mittelpunkt. Die Anforderungen der einzelnen Familien können sehr unterschiedlich ausfallen. In der Praxis nehmen wir Funktionen für unsere Kunden wahr, die auch ein Single-Family-Office erfüllen könnte, das heisst, eine ausschliesslich für sie tätige Struktur, ohne den geringsten Interessenkonflikt.
Allerdings sind die Möglichkeiten des Single-Family-Office-Modell beschränkt. Sie brauchen einen finanziellen Rahmen von mehreren Millionen Franken für den Aufbau einer soliden Struktur und müssen erfahrene Fachkräfte engagieren. Diese Tätigkeit setzt die Fähigkeit voraus, Projekte managen und die Arbeiten von Experten aus sehr unterschiedlichen Bereichen koordinieren zu können. Sie erfordert sehr umfangreiche Kompetenzen, denn die Qualität der angebotenen Dienstleistungen hängt in hohem Masse von den Mitteln ab, die für sehr fähige Mitarbeiter aufgeboten werden. Wir investieren viel in Talent und Kompetenz. Novum muss potenziellen Mitarbeitern ein angenehmes Arbeitsumfeld, ein attraktives Gehalt und Aufstiegschancen bieten können. Was wir offerieren muss alternativlos sein.
Multi-Family-Offices haben eher die Kapazität, derartige Pakete anzubieten. Gleichzeitig kann ein Multi-Family-Office nicht unbegrenzt wachsen. Wenn man skalierbare Modelle sucht, sollte man sich lieber im Asset Management und bei Finanzprodukten umsehen.

Welche Kompetenzen sind für Sie im Rahmen eines Multi-Family-Office kritisch?
An erster Stelle steht eindeutig unsere Fähigkeit, Projekte zu managen, mit denen wir Wert generieren.

Und in bezug auf Investments?
Wir brauchen Expertise für alle Anlageklassen. Die Mitarbeiter der Investment-Aktivität von Novum kommen aus dem institutionellen Bereich und nicht aus dem Private Banking, denn es sind keine Vertriebskompetenzen gefragt. Sie sind reine Investment-Profis.

Wie gehen Sie vor, um Lösungen auf den Private Markets zu identifizieren, vor allem im Bereich Private Equity?
Wir haben gerade einen Experten aus dem Venture Capital-Bereich eingestellt, der zuvor im Investment Banking tätig war. Er hatte seine eigene, sehr dynamische Struktur für Risikokapital-Investments innerhalb der Airbus-Gruppe aufgebaut und hatte in den USA für ein grosses Venture Capital-Unternehmen gearbeitet. Wir analysieren die Möglichkeiten der Private Markets auf unserem Radar genau, arbeiten aber mit einem sehr selektiven Ansatz.
Ein Beispiel: Wir haben für unsere Familien in ein italienisches Startup investiert, das innovative Verfahren für die Speicherung von Energie entwickelt hat. Im März haben wir uns intensiv mit dieser Möglichkeit beschäftigt und im Juni haben wir von unseren Kunden grünes Licht für dieses Investment erhalten. Allerdings haben wir dem Startup eine Bedingung gestellt. Vor unserem Einstieg musste es erst einen Lead Investor finden, der unsere Bewertungshypothesen validiert hat. Im Juli fand das Startup einen spezialisierten Fonds, der unsere Bewertung bestätigte. Daraufhin investierten wir. Das Startup brauchte 12 Millionen Euro. Mit unseren Familien haben wir 3 Millionen investiert.

Welche Vergütung erhalten Sie für derartige Transaktionen?
Keine. Das ist unser Geschäftsmodell. Wir berechnen Honorare im Vorfeld zur Deckung sämtlicher Leistungen von Novum. Auf diese Weise sehen unsere Kunden, dass wir uns um die gesamte Vermögensstruktur kümmern, ohne Interessenkonflikte.

Wie hoch sind diese Honorare?
50 Basispunkte pro Kunde für das gesamte Vermögensvolumen, das sie uns anvertrauen.

Das ist wenig!
Ja und Nein. Bei einem Vermögen von 120 Millionen müssen Sie uns alle drei Monate 150.000 Franken überweisen. Das ist nicht gerade wenig! Dem Honorar muss jedoch echter Service gegenüberstehen.

Was planen Sie für die Entwicklung von Novum?
Wir wollen an die Dynamik anknüpfen, die wir seit drei Jahren bereits verzeichnen. Wir sind inzwischen in der Gewinnzone, reinvestieren jedoch den gesamten Gewinn ins Unternehmen. Vor allem in das Team. Zu unseren Kunden gehören mittlerweile 17 Familien, für die wir 2,1 Milliarden verwalten. Unser Ziel bis 2025: 35 Familien und ein verwaltetes Vermögen von 4 Milliarden. Wir können nicht unbegrenzt wachsen, brauchen aber Wachstum, damit wir unseren Mitarbeitern langfristige Entwicklungsperspektiven bieten können.
Künftig sind zwei Steuermänner am Ruder, denn Sebastian Jeck, ein Banker mit dem gleichen Profil wie ich, stiess im Sommer zu Novum. Mit diesem Team und dem von uns aufgebauten Netz von Dienstleistern können wir de facto rund dreissig Familien betreuen.
Noch eine Bemerkung zum Thema Wachstum. Ich sehe hier zwei Vektoren: neue Kunden, die wir in den kommenden Jahren gewinnen werden, und Liquidity Events wie Verkäufe von Beteiligungen, die das Vermögen unserer Bestandskunden erhöhen. In zehn Jahren könnten wir so das verwaltete Vermögen von rund 6 oder 7 Milliarden erreichen, sofern die Performance stimmt. Dieses Wachstum ist jedoch ohne die Gewährleistung einer dauerhaft optimalen Servicequalität nicht denkbar. Und genau dafür mobilisieren wir alle unsere Kräfte.

Vor der Gründung von Novum Capital Partners 2018 war Gabriele Gallotti Managing Director bei JP Morgan in Genf, wo er in gut zehn Jahren ein Kunden-Portfolio aus rund dreissig Familien mit einem Vermögensvolumen von über 4 Milliarden Dollar aufgebaut hat. Von 2011 bis 2016 war er Mitglied des Advisory Boards von JPMorgan Private Banking. Er begann seine berufliche Laufbahn bei BSI in Lugano und zog dann nach Genf, um die Advisory-Aktivität der Bank zu leiten. Das Kerngeschäft von Gabriele Gallotti ist die ganzheitliche Beratung der Kunden für ihr gesamtes Vermögen, einschliesslich aller Aspekte der Vermögensplanung, des Portfolio-Management und der Kreditstrategien. Diese Strategien umfassen unter anderem die Finanzierung von Hypotheken, von Jets, Jachten und Kunstwerken sowie besonders komplexe Transaktionen. Gabriele Gallotti ist Absolvent der Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand.

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