Equities – Anleger sollten sich auf höhere Volatilität einstellen

82
0
Share:

Von Zehrid Osmani – Legg Mason Martin Currie

Die Erholung der Finanzmärkte nach dem Höhepunkt der Covid-19-Epidemie sollte nicht vergessen machen, dass die Staaten und die Zentralbanken Ausserordentliches unternommen haben, damit die Konjunkturerholung in Gang kommt. Diese Anstrengungen bringen Risiken mit sich, auf die Anleger besonders achten müssen.

Aktienanleger sollten sich für den Rest dieses Jahres auf eine erhöhte Volatilität einstellen, da sich die bisher zu beobachtende V-förmige Erholung im zweiten Halbjahr zu einer Erholung in J-Form entwickeln könnte.

Während die Länder gerade aus dem Lockdown herauskommen, helfen die fiskalischen Stimuli den Volkswirtschaften, sich zu erholen. In den kommenden ein bis drei Monaten ist weiterhin mit einer gewissen Belebung der Frühindikatoren gegenüber den Tiefstständen zu Beginn des Jahres zu rechnen, doch die Fortschritte dürften weniger deutlich sein.

Einige der anfänglichen Verbesserungen könnten sehr schnell eintreten, was die Illusion einer V-förmigen Erholung erwecken könnte. Wie die wirtschaftliche Gesundung verläuft, ist jedoch noch immer höchst ungewiss. Dies ist auf verschiedene Aspekte zurückzuführen, allen voran die Ungewissheit darüber, wie die Welt nach dem Lockdown aussieht.

Mögliche Gefahren für die konjunkturelle Erholung
Die Volatilität im dritten Quartal könnte sich daher wieder erhöhen – vor allem wenn die starke Dynamik ausbleibt, die der Markt insbesondere für die US-Wirtschaft erwartet. Gemessen am VIX-Index fiel die Volatilität im zweiten Quartal wieder auf ein eher normales Niveau um 30 zurück und lag damit deutlich unter dem Höchststand im März von über 80. In den nächsten Quartalen könnte der Index jedoch wieder in die Höhe schiessen.

Die nun zu erwartende allmähliche Erholung wird zwar in den Unternehmensprognosen von Martin Currie berücksichtigt. Doch gibt es viele Unbekannte über die Geschwindigkeit, mit der die politischen Stimuli in der Wirtschaft ankommen. Auch das Risiko eines Rückfalls in eine Pandemie nach dem Ende des Lockdowns könnte sich als Dämpfer für eine Erholung erweisen. Eine Rückkehr zum normalen Aktivitätsniveau ist nicht vor 2022 zu erwarten. Die wirtschaftliche Erholung Chinas wird als Blaupause für den Rest der Welt dienen, da dieses Land zuerst in die Rezession geraten ist.

Firmen mit soliden Bilanzen und starken Cashflows im Vorteil
Im ersten Quartal brachen die Wirtschaftsaktivitäten in China ein und begannen sich in den darauffolgenden drei Monaten rasch zu erholen. Derzeit hat es den Anschein, als würden Regionen wie die USA und Europa folgen – wenn auch mit einem zeitlichen Rückstand von einem ganzen Quartal. Vor dem Hintergrund einer langsameren, J-förmigen Erholung ist es nach wie vor von grösster Bedeutung, sich auf robuste Unternehmen zu konzentrieren.

Angesichts des unsicheren Umfelds sollten Aktienanleger weiterhin Firmen mit einer hohen Managementqualität, soliden Bilanzen und starken Cashflows bevorzugen, die in Branchen mit hohen Eintrittsbarrieren und einem grossen Marktanteil tätig sind. Dies verleiht ihnen Preismacht und die Fähigkeit, hohe Renditen und attraktive Wachstumsprofile zu generieren. Darüber hinaus sollten Investoren Unternehmen mit geringem Disruptionsrisiko favorisieren – und zwar in einer Post-Corona-Welt, in der das Tempo der Disruption von Geschäftsmodellen zugenommen hat.

Den Anlagefokus auf Resilienz ausrichten
Ein Unsicherheitsfaktor für diese Prognose bleibt die weltweite Arbeitslosenquote. Zwar haben die Massnahmen der Regierungen gegen die Massenarbeitslosigkeit die Quoten niedrig gehalten. Doch nun besteht die Gefahr, dass es mit dem Ende der Kurzarbeit zu einer grundlegenden Verschlechterung der Arbeitsmarkttrends und einem stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen wird. Eine allmähliche Erholung ist zu erwarten, doch es verbleiben die potenziell ungünstigen Auswirkungen jeder negativen Rückkopplung von den sich abschwächenden Arbeitsmärkten auf das Verbrauchervertrauen und damit auf die Endnachfrage. Dies ist die grosse Gefahr für die gesamte Erholung und ein erhebliches Prognoserisiko – und es ist der Grund, warum Anleger sich für ein auf Widerstandsfähigkeit ausgerichtetes Portfolio entscheiden sollten.

 

 

Share: