Equities – Biopharma an vorderster Front

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Von Mina Marmor – Sectoral Asset Management

Die Corona-Epidemie hat die Biopharma-Unternehmen und ihren Kampf um einen Impfstoff ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Die derzeit attraktiven Bewertungen bieten Anlagechancen. Ein schneller Überblick von Mina Marmor.

Biotechnologie-Werte waren nicht immun gegen die Volatilität, die seit Beginn der Covid19-Pandemie an den globalen Märkten herrscht. Im 2. Quartal 2020 erholte sich der Nasdaq-Biotech-Index deutlich und befindet sich weiterhin im positiven Bereich (YTD). Mehrere Faktoren sprechen für erfreuliche Perspektiven auf dem Sektor: Arzneimittelentwicklung, geringere politische Risiken und Fundamentaldaten. Wir sehen besonders attraktive Anlagechancen bei Unternehmen mit innovativen, differenzierten Programmen. Die unerwartet aktiven Kapitalmärkte und die gute Performance der jüngsten Börsengänge verdienen ebenfalls unsere Aufmerksamkeit.

Die Branche dürfte bei der Suche nach Wegen aus der Pandemie an der Spitze bleiben, da mehrere Impfstoffe und Arzneimittel nun vielversprechende Wirkung zeigen. Remdésivir von Gilead wurde bereits zugelassen. Mehrere Vakzine könnten vor Ende 2020 auf dem Markt sein. Das würde die Rückkehr zur „Normalität“ einläuten. Die Regierungen der USA und anderer Länder haben Milliarden von US-Dollar hierfür bereitgestellt und sind Partner der Branche geworden. Diese Situation hat die entscheidende Bedeutung der biopharmazeutischen Innovation deutlich gemacht und ein günstigeres Licht auf die Branche geworfen, nachdem sie Jahre lang wegen der Arzneimittelpreise in der Kritik stand. Die Besorgnisse über diese Risiken sind abgeflaut. In der Krise wurden andere Prioritäten gesetzt und die zentristischen Ziele der US-Demokraten haben dazu beigetragen.

Die Aufmerksamkeit, die biotechnische Innovationen derzeit geniessen, veranlasst die Investoren zum Nachdenken über andere Merkmale des Sektors. Angesichts der Eindämmungsmassnahmen gegen Covid-19 ist er gut gerüstet, wobei der Einfluss auf die Nachfrage nach verschreibungspflichtigen Medikamenten begrenzt bleibt. Bei einem KGV von 17x für die nächsten 12 Monate und erheblichem Wachstumspotenzial sind die Aktienbewertungen attraktiv. Die Branche profitiert von einem günstigen regulatorischen Umfeld und laufenden Initiativen zur beschleunigten Zulassung neuer Medikamente. Die F&E-Produktivität lässt sich an der Zahl neuer Arzneimittel ablesen: Im Jahr 2020 wurden bisher 35 Wirkstoffe zugelassen, 2019 waren es 48. Fusionen und Übernahmen bleiben ein Treiber: Seit 2015 erfolgten Übernahmen von über 500 Milliarden US-Dollar bei einem durchschnittlichen Aufschlag von über 65 Prozent. Die Konsolidierungswelle dürfte sich fortsetzen, da die grossen Biopharma-Unternehmen über kapitalkräftige Bilanzen verfügen, jedoch Wachstumsrückgänge ausgleichen müssen (Wettbewerb oder Patentabläufe bei reiferen Produkten). Die Übernahmeprämien, die sich in einigen Fällen durch konkurrierende Angebote noch erhöhten, erklären sich aus den Effizienzsteigerungen bei der Eingliederung neuer Produkte in eine bestehende kommerzielle Infrastruktur.

Die Unternehmen, die am stärksten zur Innovation beitragen, sind in der Regel Mid Caps oder Small Caps, die Behandlungen für Krankheiten mit hohem ungedecktem Bedarf entwickeln. Enorme Arbeit wird bei Krebs sowie bei seltenen Krankheiten geleistet, obwohl die Innovation in der Branche nicht darauf beschränkt ist. Krebs und seltene Krankheiten haben einige Gemeinsamkeiten: Sie können genetisch definiert werden, z.B. durch genomisches Profiling von Mutationen oder von erblich bedingten genetischen Ursachen vieler verwaister Krankheiten. Die Therapien bekämpfen oft den spezifischen genetischen Treiber und können von kleineren, zielgerichteteren Studien mit signifikantem klinischem Nutzen profitieren: geringeres Risiko, niedrigere Kosten und schnellere Zulassungen (neben einigen zusätzlichen unterstützenden regulatorischen Initiativen). Therapien für die Onkologie und für seltene Krankheiten haben ausser den günstigen Entwicklungsbedingungen oft auch gute kommerzielle Aussichten, da die Patienten identifiziert sind, in Spezialzentren behandelt werden und eine Therapie dringend erforderlich ist. Dies beschleunigt die Akzeptanz des Medikaments. Ein Beispiel ist Kalydeco, das erste Medikament gegen Mukoviszidose von Vertex Pharmaceutical: Wenige Quartale nach der Markteinführung hatte es eine Durchdringung von etwa 90 Prozent der möglichen Patienten.

Die Kapitalmarktaktivitäten auf dem Sektor sind seit dem zweiten Quartal robust. Zentalis, ein Onkologie-Unternehmen, war das erste seiner Art, das die Kapitalmärkte nach Beginn der Pandemie getestet hat. Kurz gesagt, es lief gut, denn Zentalis war einer von über einem Dutzend Biotechs, deren Wert zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Handels mehr als verdoppelt haben. Bis zum 15. August gab es nach unserer Zählung 48 Biotech-IPO, gegenüber 49 in 2019. Viele interessante Börsengänge von hoher Qualität sind zu erwarten. Diese Themen werden auch in Zukunft dynamische, spannende Anlagechancen bieten.

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