Equities – Im Zeitalter der Geldverzerrungen

343
0
Share:

Von Pascal Hügli, Schlossberg & Co

Angesichts der Rekordverschuldung der westlichen Länder, der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken und der extrem niedrigen Zinsen erzeugt das erneute Anlegerinteresse für riskante Investments ein ungewisses Umfeld. Angesichts dessen, was Pascal Hügli als „Mutter aller Blasen“ bezeichnet, setzt er auf den Einsatz von Algorithmen, und sei es nur für eine rationalere Interpretation der Märkte.

Der Kampf gegen Corona geht weiter. Dank Impfstoff und schneller Impfung-Raten hofft man die Lage bald in den Griff zu bekommen. Auch die Wirtschaft wird weiterhin unterstützt. Noch immer sprechen Politiker hierfür Milliarden und Billionen, was in der Konsequenz die Verschuldung westlicher Staaten weiter in die Höhe treiben wird.

Allen voran in den USA hat Präsident Biden kürzlich ein weiteres Stimulus-Paket von 1,9 Billionen US-Dollar auf den Weg gebracht auch wenn die US-Staatsverschuldung bereits 133 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung entspricht. Für die Gesamtheit aller OECD-Staaten liegt der Schuldenstand gemessen am BIP bei über 120 Prozent nur leicht darunter. Das ist höher als nach dem 2. Weltkrieg.

Diese riesigen Schuldentürme werden längst nicht mehr durch Steuern beglichen. Bezahlt wird mit neu geschaffenem Geld. 2020 hat die US-Notenbank 55 Prozent aller US-Staatspapiere aufgekauft. Die Europäische Zentralbank dürfte dieses Jahr sage und schreibe 98 Prozent aller noch ausstehenden Anleiheemissionen europäischer Staaten monetarisieren.
Diese Gelddruckerei zeitigt ihre nicht-beachsichtigen Konsequenzen – insbesondere für die Finanzmärkte und Sparer. Die Monetarisierung von Staatsschulden hat die Zinsen in den entwickelten Staaten auf null gedrückt. In der Schweiz sind sie sogar ins Negative gefallen.

In der Konsequenz müssen die Anleger, um weiterhin die in ihren Vorsorgezielen ausgewiesene Rendite erreichen zu können, auf risikoreichere Finanzanlagen ausweichen. Dass die Aktienmärkte in den letzten Jahren von Allzeithoch zu Allzeithoch galoppiert sind, ist direkte Konsequenz dieser Geldverzerrungen. Denn je stärker die Zinsen auf den vermeintlich risikolosen Staatspapieren sinken, desto stärker steigen die Bewertungen von Aktien, Immobilien und allen anderen Vermögenswerten.

Im Vergleich zum Dotcom-Boom befinden wir uns heute in einer Allesblase. Ausdruck davon sind auch Kryptoassets, eine Entwicklung die auch von der Schuldenmonetarisierung durch die Zentralbanken getrieben ist. Das jüngste Beispiel: Die öffentlich gelistete US-Firma MicroStrategy hat kürzlich Ramschanleihen ausgeben, um damit Bitcoin zu kaufen. Ein kleiner Prozentanteil dieser Ramschpapiere ist Teil des SPDR Bloomberg Barclays High Yield Bond ETF, der von US-Notenbank im Zuge ihrer Stützungskäufe gekauft worden ist. Selbst Krypto finanziert das Fed also mit.

Dass die astronomischen Bewertungen von Aktien und anderen Vermögenswerten durch die billige Zentralbankenliquidität getrieben ist, zeigt folgende Tatsache: Werden Aktienindizes zum Beispiel um die Bilanzausweitung der grossen Zentralbanken korrigiert, fällt die Kursentwicklung des S&P 500 ziemlich ernüchternd aus.

Wie also lässt es sich in Zeiten der Allesblase noch vernünftig investieren? Ein vielversprechender Lösungsansatz sind regelbasierte Algorithmen, die dabei helfen, emotionale (Über-)reaktionen zu vermeiden. Gerade dies ist äusserst wichtig, verleiten die von Verzerrungen durchtränkten Finanzmärkte heute doch schnell einmal zu emotionalen Schnellschüssen.

Durch die Verwendung von selbstlernenden, cleveren Algorithmen verhilft man dem Anleger dazu, dessen Zeit im Markt zu maximieren. So kann er grösstmöglich von der anhaltenden durch Schuldenmonetarisierung getriebenen Vermögenspreisinflation profitieren. Da die Algorithmen aber gekonnt auf Zinsschocks und Volatilitätsverwerfungen reagieren und diese korrekt antizipieren, können die Gelder zum Vorteil des Investors kurzfristig umgeschichtet oder abgesichert werden.

Algorithmen dieser Art haben ihr Können und ihre Effektivität schon mehrmals unter Beweis stellen können. Einen Einbruch des Aktienmarktes wie wir ihn im März 2020 bei Ausbruch der Corona-Pandemie erlebt haben, kann durch derartige Algorithmen erkannt werden. Die Gelder der Kunden werden dann rechtzeitig abgesichert und werden durch den Kursabsturz wenig in Mitleidenschaft gezogen. Mögliche Gewinne durch steigende Zinsen, so wie wir sie in der ersten Hälfte dieses Jahres erlebt haben, können durch ausgereifte Algorithmen ebenfalls realisiert werden, da frühzeitig von Wachstums- auf Wertaktien umgestellt werden kann.

 

Pascal Hügli ist Chief Research bei Schlossberg&Co, einem Schweizer Investment-Manager. Seine Forschungsarbeit umfasst die Finanzmärkte, das makroökonomische Umfeld und die Entwicklung digitaler Assets. Er ist auch Dozent für Digital Finance und Kryptoassets an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich sowie Co-Autor von „Ignorieren auf eigene Gefahr: die neue dezentrale Welt von Bitcoin und Blockchain“. Er erwarb einen Bachelor of Arts für Politische Ökonomie und Philosophie an der Universtität Zürich.

Share: