„Erst die Person, dann das Portfolio“

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Interview mit Yves Charlet, Chief Operating Officer, VCT Vector Gestion

Von Elsa Floret

Yves Charlet, der neue, von Lombard Odier kommende COO von VCT Vector Gestion, möchte sich aktiv an der laufenden Konsolidierung des Marktes der unabhängigen Vermögensverwalter beteiligen. Die im Jahr 1994 gegründete Gesellschaft VCT ist in Lausanne und Nyon präsent und möchte rasch nach Genf expandieren.

Welche grossen Herausforderungen wollen Sie als COO von VCT Vector Gestion in Angriff nehmen?
Yves Charlet:
Mitte Februar haben wir unseren Bewilligungsantrag bei der FINMA eingereicht. Sobald wir die Bewilligung erhalten, müssen wir unsere organisatorische Abläufe streamlinen. Entscheidend ist, dass wir uns dabei eine hohe Flexibilität und Entscheidungsschnelligkeit bewahren, denn damit heben wir uns von den grössten Vermögensverwaltern und auch von den Banken ab. Die Formalisierung bestimmter Abläufe darf diesen Mehrwert keinesfalls neutralisieren.
VCT Vector Gestion befindet sich in einer Expansionsphase an mehreren geografischen Standorten. Wir müssen uns also anstrengen, die starke Unternehmenskultur, die uns von den Aktionären vorgegeben wurde, beizubehalten. Dies erfordert mehr Kommunikation und die Betonung bestehender Grundwerte, aber auch Offenheit für neue Ideen und Visionen.
VCT Vector Gestion will sich in dieser Phase der Veränderungen im Segment der unabhängigen Vermögensverwalter als glaubwürdige, kundennahe und qualitativ hochwertige Alternative positionieren.

Was unterscheidet VCT von anderen Vermögensverwaltern?
Unser Hauptziel ist Wachstum ohne Änderung der DNA des Unternehmens. Derzeit sind wir knapp zwanzig Personen in Nyon und Lausanne, allerdings sind wir auf verschiedenen Märkten und in mehreren Sektoren aktiv. Wir wollen keine Plattform für alternativlose Vermögensverwalter sein, für uns gilt: Erst kommt die Person, dann das Portfolio!
Unser Vergütungsmodell ist im Vergleich zum Markt attraktiv, doch das ist nicht alles. Neueinsteiger müssen sich in einer Struktur wohlfühlen. Wir arbeiten im Team, mit einer gemeinsamen Investmentstrategie, die die Vermögensverwalter an die Anforderungen ihrer Kunden anpassen können. Unser IT-System, in das ein erstklassiges PMS integriert ist, deckt alles Notwendige ab und vermeidet Überflüssiges. Dank unseres Compliance-Moduls kann unser Risikoteam die Kontrollen automatisieren.
Wir wollen dabeivor allem den Standort Nyon ausbauen und auch schnell in Genf präsent sein. Wenn ein Vermögensverwalter den Anschluss an eine neue Struktur beschliesst, sind letztlich die DNA des Unternehmens und der menschliche Kontakt ausschlaggebend. Davon bin ich überzeugt.

Sie verfügen über dreissig Jahre Erfahrung im Bankwesen, vor allem im Client Relationship-Management mit internationalen Wealth Management-Kunden und UVV. Welche Dynamik beobachten Sie am Finanzplatz?
In den letzten acht bis zehn Jahren – nach den Schocks von 2008 und der Steuerregularisierung – ist der Markt, der zuvor alle Domizile und Kundensegmente über alle Banken abgedeckt hatte, zu einer stärkeren Spezialisierung übergegangen. Die Banken hatten sich eher auf die gehobenen Kundensegmente mit höheren Volumina konzentriert. Sie haben dadurch das Länderspektrum eingeengt und gleichzeitig den erbrachten Service automatisiert.
Aufgrund dieser Entwicklung konnten die UVV ihren Marktanteil erhöhen und ausbauen, denn sie bedienten Kunden aller Kategorien aus einem breiteren geografischen Spektrum. Meines Erachtens dürfte das Sammelsurium-Modell nach den regulatorischen Änderungen aus kosteninduzierten und organisatorischen Gründen erheblich schwieriger werden. Ich glaube, dass gut organisierte und digitalisierte Unternehmen über ein gewaltiges Wachstumspotenzial verfügen. Sie müssen sich auch weiterhin auf geografische Regionen und Kundensegmente konzentrieren, in denen sie bereits gut etabliert sind.

 

Yves Charlet ist neuer COO von VCT Vector Gestion, einer im Jahr 1994 gegründeten Wealth Management-Gesellschaft mit Niederlassungen in Nyon und Lausanne. Ab 2018 war er bei Lombard Odier Head of EAM für die französischsprachige Schweiz. Davor arbeitete Yves Charlet über dreissig Jahre bei der UBS, wo er mehrere leitende Positionen bekleidete, darunter als Client Relationship Manager, Wealth Management International, und im Bereich UVV.

 

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