Family Offices als Impulsgeber für langfristige Impact-Investoren

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Von Lucia Waldner, Head of Family Office, CC Trust Group

Das Konzept des nachhaltigen Investierens hat sich in den Köpfen und Portfolios aktiver und passiver Anleger weltweit etabliert. Eine bestimmte Gruppe von Anlegern dürfte dabei diesen boomenden Sektor mehr als die meisten anderen prägen: Family Offices, die ihre Rolle in der globalen Investorenlandschaft neu erfunden haben. Sie können nicht nur auf eine langjährige Erfahrung im Bereich des wirkungsorientierten Investierens oder Impact Investing zurückgreifen. Darüber hinaus ist gerade auch deren inhärenter Zweck eine treibende Kraft.

Einem kürzlich erschienenen Bericht1 der Credit Suisse zufolge gehören Family Offices zu den anspruchsvollsten und gleichzeitig herausforderndsten Bankkunden. Das überrascht nicht, umfassen ihre Anlagestrategien sowohl die konservative Vermögenserhaltung als auch das langfristige Kapitalwachstum. Interessanterweise sind Family Offices als hochspezialisierte und gleichzeitig auch hochentwickelte Investoren ein relativ neues Phänomen. Diese Entwicklung wurde erst möglich, nachdem erfahrene Fachleute aus dem Rechts- und Finanzdienstleistungssektor gewonnen werden konnten. Gut kapitalisiert und bei erfahrenen Fachleuten als Arbeitgeber gefragt, sind Family Offices inzwischen bestens positioniert, um selbst die komplexesten Investitionsvorhaben nicht nur voranzutreiben, sondern diese selber zu verhandeln und umzusetzen.

Gleichzeitig sind die Ansprüche von Family Offices in einem gewissen Sinn einzigartig. Dies insbesondere aufgrund der miteinander verflochtenen Ziele der Familien, ihr Vermögen zu schützen und es auf produktive Weise zu verwalten, vorzugsweise über mehrere Generationen hinweg. Darüber hinaus sind die Familien, die hinter diesen mächtigen Anlagevehikeln stehen, stark in ihren jeweiligen Gesellschaften verwurzelt und oft wichtige Arbeitgeber in ihren Regionen. Das sich daraus ergebende Verantwortungsbewusstsein wurde in der Vergangenheit durch ein aktives philanthropisches Engagement sowie durch eine Vorreiterrolle der Family Offices im Hinblick auf nachhaltiges Anlegen erfüllt.

Der Impact der nächsten Generation

Der Family-Office-Sektor ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen. Dies widerspiegelt den Anstieg des weltweiten Vermögens in den letzten Jahrzehnten, ermöglicht aufgrund einer Welle von Unternehmensverkäufen und anderen Liquiditätsereignissen auf der ganzen Welt (mit besonderem Gewicht in den USA und in Asien). So hat sich nach Angaben der Monetary Authority of Singapore die Zahl der Family Offices allein in Singapur zwischen 2017 und 20192 verfünffacht. Family Offices weltweit verwalten inzwischen schätzungsweise 4 Billionen USD. Aus dieser Warte aus nimmt der Sektor auch den Rest der Branche wahr, der seinerseits die Vermögensallokation inzwischen auch nachhaltiger und wirkungsorientierter gestaltet.

Da sie sich nicht scheuen, gegen den Strom zu schwimmen und in aufstrebenden Märkten eine Vorreiterrolle einzunehmen, hat diese jüngste Wachstumsphase Family Offices als Anlegerklasse in die Lage versetzt, sich neben anderen, bereits etablierten Akteuren Gehör zu verschaffen und als Investoren mit gutem Beispiel voranzugehen. Es wird erwartet, dass die nächste Generation von Vermögensbesitzern dabei eine besonders wichtige Rolle spielen wird. Wie Forbes3 berichtet, macht sich die kommende Generation mit ihrer altruistischen, sozial bewussten und zweckorientierten Einstellung einen Namen. Auf der bisherigen Erfolgsbilanz im Bereich des Impact Investing aufbauend kann sie zu einer einflussreichen Stimme in der Debatte um nachhaltiges Anlegen werden.

Nachhaltige Städte

Das Konzept der Nachhaltigkeit ermöglicht es den Anlegern, die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Handelns von Unternehmen in ihrem Anlageportfolio zu überwachen, während Impact Investing von dem Bestreben ausgeht, positive Veränderungen zu bewirken. Der jüngste Trend bei Family Offices, ihre Anlagen verstärkt in den Immobiliensektor zu investieren, ist ein interessantes Beispiel dafür, wie sich beide Ansätze kombinieren lassen.

Immobilien gehören traditionell zu den meisten Family-Office-Portfolios, und laut UBS4 wächst diese Anlageklasse bei Family Offices schneller, als jede andere. In der Tat macht der Bausektor für einen auf Wirkung und Nachhaltigkeit ausgerichteten Investor sehr viel Sinn: 4,2 Milliarden Menschen (oder etwa 55 Prozent der Weltbevölkerung)5 leben in Städten, während die Bauindustrie nach Angaben des World Business Council for Sustainable Development6 für 38 Prozent aller energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Nachhaltigkeitsorientierten Anlegern bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten, die von innovativen Baumaterialien bis hin zum digitalisierten Lebenszyklusmanagement von Gebäuden reichen. Auf dieser Grundlage engagieren sich Impact-Investoren in Stadterneuerungsprojekten, um die Entwicklung einer “Impact Economy” zu fördern und vernachlässigte Kulturerbestätte wiederzubeleben. Es steht viel auf dem Spiel, denn wenn eine Stadt erst einmal gebaut ist, wird es unverhältnismäßig schwieriger, ihren sozialen und ökologischen Fußabdruck zu verändern.

Family Offices sind eine besondere Art von Investoren, die in einzigartiger Weise in der Lage sind, eine wichtige Rolle im nachhaltigen Immobiliensektor zu spielen. Mit ihren unternehmerischen Freiheiten, ihrer Kapitalstärke und ihrer traditionellen Neigung zur langfristigen Kapitalallokation. Als Vordenker tragen sie bereits heute dazu bei, emissionsfreie, energieeffiziente und widerstandsfähige Wohnökosysteme zu entwickeln und so nachhaltige Städte für die kommenden Generationen zu schaffen.

1 Credit Suisse (2021): Single Family Offices. A view of today and tomorrow.
2  https://www.mas.gov.sg/development/wealth-management
3 Forbes (2021): The Google Generation Of Family Offices: How These 40 Banks Are Preparing
4 UBS (2019): The Global Family Office Report
5 The World Bank (2020): Urban Development; https://www.worldbank.org/en/topic/urbandevelopment/overview#1
6 WBCSD (2021): Construction industry needs whole life carbon understanding to hit net zero

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