Erfolgsfaktoren bei der Zulassung von Vermögensverwaltern durch die FINMA

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Von Stefan Baumann, Partner, SwissComply

FINMA-Bewilligung zum Vermögensverwalter – Eine Übersicht der wichtigsten Erfolgsfaktoren nach 100 begleiteten Gesuchen

SwissComply hat sich mit einem Grossteil ihrer Kunden entschieden, eine Vorwärts-Strategie zu fahren und die Bewilligung so schnell und effizient wie möglich zu erhalten, um sich danach wieder auf das Tagesgeschäft zu fokussieren. Entsprechend konnten bereits über 100 Gesuche bei den verschiedenen Aufsichtsorganisationen platziert werden, wovon aktuell 25 SwissComply-Kunden die FINMA-Bewilligung zum Vermögensverwalter nach Art. 17 FINIG erhalten haben (unter den bereits bewilligten Vermögensverwaltern befinden sich erfreulicherweise auch einige One-Man/One-Woman-Shows – ein regulatorisch getriebener Zwang zu Zusammenschlüssen und einer Konsolidierung der Branche konnte bislang nicht ausgemacht werden).
Ausgehend von den vergangenen Bewilligungsprozessen ergeben sich für die Vermögensverwalter folgende Erfolgsfaktoren. 

Die Projektplanung inkl. Opportunitätskostenbetrachtung
Eine saubere Projektplanung ist für eine effiziente Bewilligung eine zwingende Voraussetzung. Hierzu gehört u.a. die Ressourcenplanung (wer ist Projektmanager/Hauptansprechperson für die Aufsichtsbehörden), die Festlegung von Projektmeilensteinen (u.a. wann soll das Gesuch eingereicht werden), die Wahl eines externen Bewilligungsexperten und die damit verbundene Opportunitätskostenbetrachtung: Die Gesamtkosten für die Bewilligung setzen sich aus den Prüfkosten der Aufsichtsorganisation und der FINMA, den Kosten des externen Beraters und der vom Vermögensverwalter verwendeten Zeit für die Bewilligung zusammen. Ein erfahrener Berater wird in der Regel die Prüfkosten und die aufgewendete Zeit des internen Personals stark reduzieren, was im Sinne einer Opportunitätskostenbetrachtung unbedingt zu beachten ist.

Die Nutzung von pragmatischen Bewilligungsvorlagen
Die im Zusammenhang mit der FINMA-Bewilligung auszuarbeitenden Dokumente, wie z.B. das Weisungswesen und das Interne Kontrollsystem (IKS) sind keine «Eintagsfliegen», sondern werden die Vermögensverwalter auch nach der Bewilligungszeit in ihren täglichen Aktivitäten an den Märkten und mit den Kunden begleiten (siehe auch «Der Blick in die Zukunft»). Entsprechend müssen die Vermögensverwalter bei der Beschaffung und Ausarbeitung einen Fokus darauflegen, dass ihr internes Regelwerk schlank und pragmatisch gefasst ist und sie in ihren Geschäftsaktivitäten nicht unnötig einschränkt.

Dies gilt auch für die Präsentation des geforderten Business Plans: der Fokus gilt der Entwicklung der Kundengelder (getrieben durch Neugelder und die Performance) und der geplanten Entwicklung der Mitarbeitenden bzw. daraus resultierenden Kosten. 

Die Kontinuität im Bewilligungsprozess
Der Aufwand für die Bewilligung steigt mit jeder Änderung der Geschäftsstrategie stark an. Die Anstellung eines neuen Kundenberaters im Zeitraum der Bewilligung wirkt sich beispielsweise auf den Business Plan, die Eigenmittelsituation und die Kundenstrukur inkl. Cross-Border-Thematik aus. Gleiches gilt für die Erweiterung der Dienstleistungen während dem Bewilligungsprozess (z.B. Aufsetzen eines Actively Managed Certificates oder eines Investment Funds). Entsprechend ist die dringliche Empfehlung, das Geschäftsmodell während dem Bewilligungsprozess stabil zu halten und nach Erhalt der Bewilligung die Expansion der Geschäftsaktivitäten voranzutreiben. 

Die Aufbereitung und Bereinigung der Kundenstruktur
Vor allem bei grösseren Vermögensverwaltern mit einer diversen, internationalen Kundschaft kann die saubere Aufbereitung der Kundenstruktur im Zusammenhang mit der Gesuchseinreichung zum Flaschenhals werden. Entsprechend soll der Fokus gleich zu Beginn auf die Aufbereitung der Kundenstruktur nach verschiedenen Kriterien (Assets, Domizil BO und Vertragspartei, Kundensegment nach FIDLEG) gerichtet werden. In diesem Zusammenhang gilt auch zu prüfen, ob gewisse Kundenbeziehungen nicht mehr zur langfristigen Ausrichtung des Vermögensverwalters passen. 

Der Blick in die Zukunft
Die Vermögensverwalter werden mit der FINMA-Bewilligung im Marktauftritt zweifelsohne gestärkt. Sie sind sowohl den gleichen Verhaltenspflichten unterstellt wie alle anderen Finanzintermediäre (FIDLEG) als auch offiziell «FINMA-Approved».
Als Kehrseite der Medaille werden sich die Vermögensverwalter künftig mit einem internen Regelwerk und einem internen Kontrollsystem (IKS) arrangieren müssen und ihre internen Kontrollmechanismen werden von der Revision im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Audits auch detailliert geprüft.
Zu beachten bei der Personalplanung ist, dass die Funktion «Compliance und Risk Management» künftig deutlich stärker gefordert ist (insbesondere im Zusammenhang mit dem IKS). Als Alternative zu einer internen Besetzung dieser Position, macht gegebenenfalls eine Auslagerung an Spezialisten Sinn.

Und zum Schluss: Die Gelassenheit in den Interaktionen mit den Aufsichtsorganisationen
Die bisherigen Interaktionen mit den Aufsichtsorganisationen und der FINMA waren jederzeit professionell und respektvoll. Jedoch werden die Vermögensverwalter nicht immer der gleichen Meinung wie die Aufsichtsbehörden sein. Ein sicherer Erfolgsgarant hinsichtlich einer effizienten, pragmatischen und vor allem nervenschonenden Bewilligung: (formelle) Änderungsvorschläge der Bewilligungsbehörden, welche keine Auswirkungen auf das Tagesgeschäft haben ohne Widerspruch übernehmen und der Fokus bei den Gesprächen mit den Bewilligungsbehörden stattdessen auf Themen richten, die für die weitere Geschäftstätigkeit wirklich wichtig sind.

 

Stefan Baumann ist Partner und Geschäftsleitungsmitglied bei SwissComply. Er ist Ökonom (lic.oec.publ.), Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) und verfügt über ein CAS in Compliance Management. Vor seinem Einstieg bei SwissComply im Jahr 2019, hat er 16 Jahre im Banken- und Beratungsumfeld gearbeitet.

 

Die SwissComply wurde 2013 gegründet und fokussiert sich ausschliesslich auf das Outsourcing der Compliance, Risk Management und Legal Funktion von Vermögensverwaltern und Verwalter von Kollektivvermögen. Gegenwärtig betreut die SwissComply AG etwas mehr als 150 Vermögensverwalter und Verwalter von Kollektivvermögen unterschiedlicher Grössen und befindet sich mit über 100 Vermögensverwaltern im Bewilligungsprozess bei der FINMA und den AOs.

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