Förderung der Energiewende durch Investitionen in die Schiffahrt

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Interview Patric Käser, Mitgründer und Geschäftsführer, Briese Schiffahrt (Schweiz)

 Von Andreas Schaffner

Die Mehrzweckschifffahrt ist ein wichtiger Bestandteil der Vertriebskanäle, die den internationalen Handel bestimmen. Sie profitiert derzeit von günstigen Winden. Dennoch steht sie vor zahlreichen Herausforderungen, angefangen bei der massiven Überalterung der Flotte und der Notwendigkeit, in eine saubere und kohlenstofffreie Zukunft zu investieren. Briese Schiffhart bietet heute konkrete Lösungen für diese Herausforderungen.

Was hat Schifffahrt mit der Energiewende zu tun?
Patric Käser. Zunächst ein paar Zahlen: Rund 90 % oder knapp 10.7 Mrd. Tonnen der weltweit gehandelten Waren und Güter werden über die Meere transportiert, wobei dieser Transport weniger als 3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen ausmacht. Wir sprechen bei unserer Flotte aber nicht von der Personenschiffahrt als solcher und auch nicht von Tankern oder Containerschiffen. Sondern von Schwergutfrachter bzw. Mehrzweckschiffe die in der kommerziellen Schiffahrt eine Nische sind. Und genau in dieser Nische befinden wir uns mit Briese Schiffahrt. Briese Schiffahrt ist eine deutsche Reederei in Familienbesitz. Sie ist Weltmarktführerin in der Mehrzweckschifffahrt und gemeinsam mit Investoren im Besitz der weltweit grössten Mehrzweckschiffflotte von über 130 Schiffen.

Ich verstehe den Zusammenhang mit der Energiewende immer noch nicht. Können Sie das näher erläutern?
Mehrzweckschiffe sind häufig ausgestattet mit Schwerlastkränen. Sie transportieren alle Arten von Gütern. Unsere Flotte transportiert z. B.  Infrastrukturgüter, wie Brückenköpfen, Eisenbahnwaggons aber auch Windturbinen und Rotorblättern. Briese Schiffahrt transportiert schon heute jedes zweite Windrad über die Weltmeere, so tragen wir und unsere Investoren substanziell zur Energiewende bei. Ich kann Ihnen versichern: In diesem Bereich sehen wir, dass die Transportnachfrage stark zunimmt. Wir haben im Vergleich zur Containerschiffahrt auch eine deutlich tiefere Volatilität der Frachtraten zu verzeichnen. Kommt hinzu, dass die Überalterung der Schiffe ein grosses Thema ist: Das Durchschnittsalter der globalen Mehrzweckschiffsflotte beträgt 19 Jahre. Die durchschnittliche Betriebszeit eines Schiffes beträgt 25 Jahre. Zurzeit sind die Werften mit dem Neubau von Containterschiffen beschäftig. Die längst überfällige Erneuerung der Mehrzweckschiffflotte wird in ein, zwei Jahren folgen. Wer sich schon heute an Neubauten beteiligen kann, ist klar im Vorteil.

Was ist der Grund, dass derzeit zu wenige Handelsschiffe zu Verfügung stehen?
Vor der Pandemie war die Handelsschifffahrt am Tiefpunkt ihrer Krise angekommen. Die Schiffswerte- und Charterraten notierten auf historisch tiefen Niveaus. Das hat sich geändert. Durch die Lieferkettenverwerfungen seit Pandemiebeginn und den enormen Infrastrukturinvestitionen weltweit ist die Mehrzweckschifffahrt sehr gefragt. Doch seit dem Ende des letzten Schifffahrtsbooms vor über einem Jahrzehnt und der darauffolgenden Schifffahrtskrise wurden kaum noch Mehrzweckschiffe gebaut. Daher ist die weltweite Flotte massiv überaltert und ihre Erneuerung überfällig.

Welche Rolle spielt die Briese Schiffahrt (Schweiz) AG?
Wir entwickeln den Schweizer Markt, betreuen und begleiten Investoren mit ihren Schiffsbeteiligungen während der gesamten Laufzeit. Gemeinsam mit der Familie Briese können Privatinvestoren entweder direkt oder via Zertifikat (AMC) in die einzelnen Gesellschaften investieren, die die Schiffe jeweils halten. Vorausschauend auf die starke Nachfrageentwicklung hat Briese Schiffahrt bereits 2018 zehn Mehrzweckschiffe der neuesten Generation gesichert. Die neuen Briese F-500 generieren gegenüber dem Arbeitstier in der Branche, dem F-Typen, bis zu 40 % weniger CO2-Emmissionen und bietet deutlich mehr Ladekapazitäten. Dies ist angesichts der in Aussicht gestellten strengeren Umweltregulationen, entscheidend und hat auch einen kommerziellen Impakt. Sämtliche ausgelieferten Briese F-500 Neubauten wurden in der Schweiz platziert.

Welche Möglichkeiten bieten Sie Investoren in diesen Bereich an?
Zunächst: Wir richten uns mit unserem Angebot an professionelle Investoren. Das Ticket selbst ist bei Direktinvestitionen bei 200’000 Franken, im Fall eines Zertifikats bei 10’000 Franken. Wir streben einen Anlagehorizont von 5 – 7 Jahren an, mit Zielrenditen von 9 – 10 % p.a. Seit 1990 hat Briese Schiffahrt über 150 Schiffe gebaut, gekauft, betrieben und wiederverkauft, die durchschnittliche Gesamtrendite ist deutlich über 10 % p.a. Auch Private Debt, also die Kreditfinanzierung unserer Schiffsgesellschaften durch z. B. Versicherungen, Pensionskassen oder einem Family Offices, ist möglich und attraktiv.

Können Sie näher auf dies Eingehen?
Professionelle und institutionelle Schweizer Investoren sind z. B. an jedem der ausgelieferten Schiffe der Briese F-500 Neubauserie substanziell und direkt als Gesellschafter beteiligt. Dies gilt bei Direktinvestitionen. Die Schiffsbeteiligung mittels Zertifikats ist ein Novum am Schweizer Markt. Das privat platzierte strukturierte Produkt in Form eines Actively Managed Certificate (AMC) ist eine innovative Lösung. Die AMCs werden in der Schweiz von Gentwo strukturiert und durch Ventum Group Issuer PCC Ltd., Guernsey, herausgegeben. Die Zertifikate werden lokal in der Schweiz durch die Briese Schiffahrt (Schweiz) AG verwaltet.

Patric Käser ist Mitgründer und Geschäftsführer der Briese Schiffahrt (Schweiz) AG. Die Firma gehört zur Briese Gruppe, zu der unter anderem auch die Reederei Briese Schiffahrts GmbH & Co. KG mit Sitz im Ostfriesischen Leer gehört und eine der weltweit führenden Anbieter im Bereich Projekt- und Schwergutladungen gehört. Patric Käser begann seine berufliche Laufbahn beim Schweizerischen Bankverein in Basel, wo er unter anderem Schweizer Rheinschiffe finanzierte. Später war er über zwei Jahrzehnte Investment Banking in der Schweiz und im Ausland tätig.

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