Fouad Bajjali, IG Bank: „Die Institutionellen Kunden sind eine Priorität unserer Expansion“

413
0
Share:

Von Jérôme Sicard – Fotos Karine Bauzin

Angesichts mittlerweile 17 Büros in der ganzen Welt setzt IG sein Wachstum seit Mitte der 2000er Jahre kontinuierlich fort. Seit nunmehr fünf Jahren leitet Fouad Bajjali die Schweizer Tochtergesellschaft, deren besonderes Merkmal ihre Banklizenz ist. Hier beschreibt er das Modell und die Entwicklungsschwerpunkte.

Welche Kennzahlen veranschaulichen Ihrer Meinung nach am besten die Position der IG Bank in der Schweiz?
Fouad Bajjali: Da wir an der London Stock Exchange notiert werden, darf ich die Höhe unserer Erträge in der Schweiz leider nicht offenlegen. 2014 erhielten wir die Banklizenz von der Finma und sind seitdem in der Schweiz vertreten. Inzwischen sind wir mit zwei Niederlassungen präsent – eine in Genf und eine zweite in Zürich, die vor zwei Jahren eröffnet wurde. Der Schweizer Markt wird von unseren insgesamt 19 Mitarbeitern betreut, davon sind drei in Zürich tätig.

Welche Kennzahlen beschreiben die IG weltweit?
In unserem letzten Geschäftsjahr, das Ende Mai 2019 abgeschlossen wurde, erzielten wir einen Umsatz von 476 Millionen Pfund. Wir betreuen derzeit 178.000 Kunden und beschäftigen 1.900 Mitarbeiter rund um den Globus. Unsere Börsenkapitalisierung beträgt rund 2,2 Milliarden Pfund.

In welcher Hinsicht unterscheidet sich die IG Bank von anderen Auslandstochtergesellschaften der IG?
Unser Angebotsprofil ist exakt gleich, doch die Besonderheit in der Schweiz besteht darin, dass unser Ertrag pro Nutzer erheblich höher ist als der Durchschnitt der Gruppe von 3.500 Pfund. Unsere Kundenbasis ist wohlhabender. Zu unseren Kunden gehören High Net Worth Individuals, die deutlich höhere Volumina handeln als in anderen Ländern.
Auch betreuen wir mehr institutionelle Kunden. Dieses Segment umfasst Family Offices, Hedge-Fonds, Banken und unabhängige Vermögensverwalter. Auf sie entfallen hier in der Schweiz 30% unserer Erträge – das ist deutlich mehr als in den anderen Tochtergesellschaften der Gruppe. Allerdings ist es nicht weiter verwunderlich, denn seit der Eröffnung unserer Niederlassung in Genf im Jahr 2014 haben wir den Schwerpunkt auf institutionelle Kunden gelegt, die eine Priorität unserer Expansion sind.

Welche anderen Unterschiede weisen Sie abgesehen von Ihrer Ertragsstruktur im Vergleich zur restlichen Gruppe auf?
Der Hauptunterschied ist die Banklizenz von der Finma. Wir sind die einzige Tochtergesellschaft der IG-Gruppe mit Banklizenz. Deshalb dürfen wir als IG Bank firmieren, während die anderen Tochtergesellschaften die Marke ‚IG‘ verwenden. Dank dieser Banklizenz unterliegen wir einem Rechtsrahmen, der für unsere Kunden, ob High Net Worth Individuals oder institutionelle Kunden, einen hohen Stellenwert besitzt.
Ausserdem sind wir mehr als nur eine Online-Bank, denn wir bieten gewaltige Mittel auf, um echte Kundennähe zu erreichen. Hierzu veranstalten wir sowohl in Genf als auch in Zürich zahlreiche Events für unsere Kunden. Wir sind erst ein paar Jahre auf dem Schweizer Markt präsent und stellen ausschliesslich Mitarbeiter mit einschlägiger Erfahrung ein. Zudem werden unsere Kunden in der Sprache ihrer Wahl betreut, sei es Französisch, Deutsch oder Italienisch, je nachdem, wo sie sich befinden.

Bieten Sie institutionellen Kunden besondere Serviceleistungen an?
Bei IG bin ich ferner weltweit für den Bereich institutionelle Kunden zuständig, so dass wir in der Schweiz mit Angeboten arbeiten, die von der IG Group auch in anderen Ländern angeboten werden. Im Gegensatz zu unserem überwiegend auf CFDs beruhenden Angebot für andere Länder und trotz etlicher Gemeinsamkeiten der Angebote legen wir in der Schweiz grossen Wert auf die Nähe zu unseren Kunden.

Welche sind für Sie die wichtigsten Stationen der Entwicklung der IG Bank in der Schweiz?
Für mich war die Eröffnung der Niederlassung in Zürich – drei Jahre nach der in Genf – wirklich ein entscheidender Moment, denn sie repräsentiert unsere totale Immersion in den Schweizer Markt. Ausserdem hat diese Eröffnung gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Meilensteine sind – auch wenn diese Kategorie hier vielleicht nicht wirklich greift – für uns alle Begegnungen mit unseren Kunden. Dazu veranstalten wir zahlreiche Events mit unterschiedlichen Themen für sie.

Zum Beispiel?
Unser Angebot beruht ausschliesslich auf Derivaten, CFDs, so genannten Differenzkontrakten. Dabei handelt sich nun wirklich nicht um Plain Vanilla-Produkte. Deshalb müssen wir unseren Kunden sehr viele Informations-, Schulungs- und Beratungsarbeit leisten, damit sie fundierte Entscheidungen für ihr Trading treffen können.
Ich sollte daran erinnern, dass ein Grossteil unserer Privatkunden auf eigene Rechnung handelt. Wir bieten ihnen daher sehr regelmässig Seminare mit Wirtschaftsexperten, Analysten und auf Behavioral Finance spezialisierten Psychologen an, damit sie ihre Sachkenntnis perfektionieren können. Ein Schwerpunkt liegt auf der technischen Analyse. Letztes Jahr hatten wir John Bollinger eingeladen, den Erfinder der berühmten Bollinger-Bänder. Im Saal waren über 300 Zuhörer anwesend.

Wie wollen Sie Ihre Entwicklung in den kommenden Jahren vorantreiben?
Da wir erst seit relativ kurzer Zeit in der Schweiz präsent sind, können wir mit unserem derzeitigen CFD-Angebot noch solides Wachstumspotenzial heben. Sobald die Marke IG gut eingeführt, unser Bekanntheitsgrad grösser und unser Image etabliert ist, werden wir unser Angebotsspektrum erweitern. Ich denke da beispielsweise an zugänglichere Produkte wie Aktien, oder auch komplexere Produkte wie Turbos. Gerade haben wir in Europa ein Angebot aufgelegt, das an allen Wochentagen rund um die Uhr verfügbar ist. Dieses Angebot ist in der Schweiz noch nicht zugänglich, was aber nur eine Frage der Zeit ist, denn es eignet sich ideal für diesen Markt. Institutionellen Kunden bieten wir seit diesem Jahr mit IG Prime ein ganz neues Produkt an, mit dem wir unsere Präsenz bei institutionellen Investoren stärken wollen.

Was genau ist unter IG Prime zu verstehen?
Ausgehend von dem Modell für unseren Hauptmarkt Grossbritannien bieten wir Prime Brokerage-Dienste, Wertpapierleihgeschäfte, Finanzierungen und sämtliche Dienstleistungen für unsere Family Office- und Hedge-Fonds-Kunden an. Für die Gruppe ist die Entwicklung von IG Prime eine erklärte strategische Achse. IG Prime wurde zeitgleich in Grossbritannien, der Schweiz, Singapur, Dubai und Australien eingeführt. Dieses Produkt wird ein gewaltiger Wachstumshebel für IG sein.

Wie soll die IG Bank vom Schweizer Markt wahrgenommen werden?
Mein Ziel ist, dass Personen, die aktiv traden, zuerst an die IG Bank denken, wenn sie einen Auftrag erteilen. Ich möchte erreichen, dass sie in uns einen äusserst verlässlichen Dienstleister und eine Gegenpartei für Transaktionen sehen, der sie vollkommen vertrauen können. Zum einen aufgrund unseres sehr breiten Angebotsspektrums, zum anderen wegen unserer leistungsfähigen Technologieplattform, auf der dieses Angebot konkretisiert wird. Mit diesen Punkten wollen wir die Marke ‚IG Bank‘ und unsere Legitimität etablieren.

Die IG-Gruppe besteht seit bald fünfzig Jahren. Welches waren ihre Meilensteine?
Da gibt es einige. Um nicht zu weit auszuholen beginne ich mit dem Jahr 1998, als wir als erster Akteur eine Online-Trading-Plattform angeboten haben. Dann das Jahr 2003, als wir unsere Smartphone-App gestartet haben. Das ist schon fast 20 Jahre her. Und schliesslich 2015 mit der Entwicklung unserer Trading-App für die Apple Watch. In technologischer Hinsicht waren wir schon immer einen Schritt voraus. Und genau dieser Vorsprung hat uns im Lauf der Zeit ein solides Wachstum ermöglicht. Die Expansion von IG im Ausland begann hauptsächlich Mitte der 2000er Jahre. Inzwischen sind wir weltweit mit 17 Niederlassungen präsent und sicherlich deutlich grösser als die meisten denken.

Share: