Equities – Frauen stehen höher im Kurs

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Von Christina Carlsten – Banque Piguet Galland

Der Stellenwert von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, ihre Vertretung in Leitungsfunktionen oder die Lohnparität stellen auf längere Sicht sowohl für Unternehmen als auch die Gesamtwirtschaft hervorragende Wachstumstreiber dar. Viele Unternehmen, darunter auch Diageo, Michelin oder LVMH, haben dies bereits verstanden.

Während es im Gesundheits- und Bildungsbereich schon grosse Fortschritte in Sachen Parität gegeben hat, geht die Diskussion über die Rolle der Frauen in Wirtschaft und Politik weiter.

Frauen sind heute am Arbeitsmarkt weitaus weniger präsent als Männer, und es bestehen nach wie vor grosse Lohnunterschiede. Laut einer Studie von McKinsey stellen Frauen 50% der weltweiten Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter dar, aber nur 39% der weltweiten Arbeitnehmerschaft, und generieren nur 37% des BIP. Nach Angaben des IWF liegt dieser Beitrag nicht nur weit unter dem Potenzial, das sie haben, sondern bremst auch das Wachstum.

McKinsey geht davon aus, dass mehr Gleichberechtigung eine Steigerung des weltweiten BIP um 11% bis 26% bis zum Jahr 2025 ermöglicht. 26%, die Obergrenze dieser Schätzung, entspricht dem Umfang des BIP der USA und Chinas zusammen. Unter diesem Aspekt wäre es also schade, wenn man das beträchtliche Potenzial der Frauen nicht nutzen würde. Wenn mehr Frauen in Beschäftigung gebracht würden, könnte man auch dem Arbeitskräftemangel begegnen, der aufgrund der demografischen Entwicklung bevorsteht. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass immer mehr Frauen ein Hochschulstudium absolvieren. An den Hochschulen sind die Studentinnen inzwischen in der Mehrheit.

Es ist zwar schwierig, die kausalen Beziehungen nachzuweisen, aber verschiedene wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass eine hohe Korrelation zwischen einem Wettbewerbsvorteil durch eine proaktive Gleichstellungspolitik und der finanziellen Performance eines Unternehmens besteht. Diese Studien zeigen, dass die Vergabe von Schlüsselposten innerhalb der Leitung den Umsatz in die Höhe treibt und zu einer besseren betrieblichen Leistung und einer höheren Rentabilität der Unternehmen führt. Denn Männer und Frauen tendieren zu unterschiedlichen Herangehensweisen an das Risiko und die berufliche Zusammenarbeit, und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis führt zu mehr Innovation und Kreativität sowie effizienteren Entscheidungsprozessen. Dies alles bedeutet unter dem Strich höhere Ausschüttungen an die Aktionäre.

Beispiel: Diageo entwickelt sich seit fünf Jahren deutlich besser als sein Referenzindex. Ein Plus von 48% für Diageo, minus 1% für den FTSE100. Dieses Unternehmen wurde von Equileap gerade erst als weltweit führend in Sachen Gleichstellung eingestuft, nachdem es seit 2018 elf Plätze gutgemacht hat. Der Frauenanteil in seinem Verwaltungsrat beträgt zurzeit 44% und bis 2025 soll auch die Geschäftsführung zu 40% aus Frauen bestehen. Ausserdem ist das Unternehmen Unterzeichner der Grundsätze der Vereinten Nationen zur Stärkung der Frauen in Unternehmen.

LVMH, dessen Kursentwicklung rasant war, verfolgt den gleichen Ansatz. Der Frauenanteil in den Leitungsteams dieses Unternehmens beträgt heute 42% gegenüber 23% im Jahr 2007. Das Unternehmen Michelin, das in einem eher von Männern geprägten Bereich tätig ist, hat seinen Sektor in den letzten fünf Jahren um 16% übertroffen. In der Überzeugung, dass eine hohe Repräsentanz von Frauen einen erheblichen Vorteil darstellt, hat der Konzern in diesem Bereich grosse Fortschritte erzielt, denn innerhalb von zehn Jahren ist der Frauenanteil innerhalb des Managements von 2% auf 20% gestiegen und für 2020 wird die 30%-Marke angepeilt. Ausserdem ist es dem Michelin-Konzern in Frankreich gelungen, die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern zu verwirklichen. Was den Finanzsektor anbelangt, bringt laut Christine Lagarde, der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, ein höherer Frauenanteil in den Leitungsfunktionen von Banken und Bankenaufsichtsbehörden diesem Sektor mehr Stabilität, weil Frauen eine andere Sensitivität für Risiken besitzen. In der Praxis bedeutet dies einen höheren Eigenkapitalanteil und weniger notleidende Kredite.

Die Anlage in Unternehmen, die einen hohen Frauenanteil in ihrer Leitung aufweisen, ist daher eine Strategie, die sich auszahlt. Ferner ist die Nachfrage nach nachhaltigen, gesellschaftlich verantwortungsbewussten Anlagen in den letzten drei Jahren sprunghaft angestiegen und dieser strukturelle Trend dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Eine höhere Repräsentanz von Frauen innerhalb der Unternehmen ist daher voll und ganz angebracht.

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