“Im digitalen Bereich geht es darum, Komfort und Sicherheit bestmöglich zu vereinen”

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Interview mit Anna Waibel, Prime Partners

Anna Waibel ist neu als Chief Operating Officer bei Prime Partners tätig. Die Verwaltungsgesellschaft gewinnt damit eine anerkannte Spezialistin für die Umgestaltung und Optimierung von Prozessen, die sich zudem mit den Herausforderungen der Digitalisierung auskennt.

Welchen Umfang hat die Funktion eines COO, die Sie nun bei Prime Partners innehaben?
Ich bin für die Überwachung des operativen Geschäfts innerhalb des Unternehmens zuständig. Dies umfasst das Backoffice, die zentrale Datei, die IT sowie die Optimierung und Harmonisierung der Prozesse. Ausserdem kümmere ich mich um die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und auf unserer Website sowie um die Schulungen für alle Mitarbeiter.

Welche Prioritäten sollten die Vermögensverwalter im Fidleg/Finig-Zeitalter auf operativer Ebene setzen?
Da der mit der Regulierung verbundene Verwaltungsaufwand immer grösser wird, ist eine Optimierung und Automatisierung der Prozesse anzustreben. Es ist zum Beispiel möglich, verschiedene Anwendungen über APIs miteinander “sprechen” zu lassen, so dass unsere Mitarbeiter nur einen Klick benötigen, um verschiedene Aufgaben zu erledigen. Das spart viel Zeit, senkt die Kosten und eliminiert teilweise menschliche Fehler. Wir behalten auch die Entwicklung der Fintechs in der Schweiz im Auge, um zu sehen, ob einige von ihnen uns helfen können, den Verwaltungsaufwand zu verringern oder unsere Dienstleistungen zu verbessern.

Inwiefern wird Ihnen Ihre Erfahrung bei der WeCan Group bei Prime Partners von Nutzen sein?
Meine Erfahrung bei Wecan hat mir die Augen für die verschiedenen Sicherheitsstufen geöffnet, die wir für unsere Daten in der digitalen Welt einrichten können. Ihre Lösung, die auf der Blockchain basiert, hat ein sehr hohes Sicherheitsniveau, setzt aber voraus, dass jeder mitspielt und seine Daten dort einstellt. Ich denke, dass ich dadurch eine sehr pragmatische Sicht auf die verschiedenen Lösungen, die es auf dem Markt gibt, bekommen habe.
Darüber hinaus hatte ich das Glück, viele Vermögensverwalter in der ganzen Schweiz zu treffen und festzustellen, dass es viele verschiedene Arten gibt, diesen Beruf anzugehen, mit ebenso vielen Praktiken wie Charakteren. Das hilft mir, die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu wissen, dass es nicht nur einen Weg gibt und auch keine Patentlösung. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, und diese Vielfalt ist eine unserer grössten Stärken. Sie ermöglicht es uns, unsere verschiedenen Kundengruppen und deren Erwartungen bestmöglich zu erfüllen.

Wenn Sie von Digitalisierung sprechen, an welche grossen Baustellen denken Sie dabei?
Ich denke natürlich an all die traditionellen Prozesse, die wir immer noch pflegen. Von der papierlosen Welt sind wir noch weit entfernt, aber ich würde es gerne schaffen, den Einsatz von Papier auf eine vernünftige Basis zu reduzieren. Sowohl im digitalen Bereich, als auch im Finanzwesen, gilt es, ein feines Gleichgewicht zwischen zwei Begriffen herzustellen: Im Finanzwesen geht es darum, “Rendite und Risiko” zu optimieren, und im digitalen Bereich darum, “Komfort und Sicherheit” bestmöglich zu vereinen. Die gewählten Tools müssen für den Nutzer einfach sein, ihm das Leben erleichtern und gleichzeitig ein sehr hohes Sicherheitsniveau für das Unternehmen einhalten.

Welche digitalen “Must-haves” sollten unabhängige Vermögensverwalter in ihre Konfiguration aufnehmen?
Zunächst benötigen sie eine IT-Lösung, ein “PMS/CRM”, das ihren Bedürfnissen entspricht und die Erstellung von Warnmeldungen für die Verwalter ermöglicht, die sich z. B. auf die Erneuerung von Kundendokumentationen oder Performanceabweichungen in den Portfolios beziehen. Ich würde auch empfehlen, in Bezug auf die Cybersicherheit nicht passiv zu sein, indem man regelmässig interne Schulungen und Überprüfungen der Sicherheitssysteme einführt. Hier angefangen bei den Systemen, die sich mit Kundendaten befassen. Dies sind Arbeiten, die meiner Meinung nach nur durch spezialisierte Unternehmen durchgeführt werden können. Jeder soll sich also auf seine Tätigkeiten beschäftigen können.

Anna Waibel ist bei Prime Partners als Chief Operating Officer tätig. Sie ist auf die Transformation und Optimierung von Prozessen im Finanzsektor spezialisiert. Zuvor arbeitete sie als Projektmanagerin für Swissnex in Singapur, danach acht Jahre lang für Union Bancaire Privée. Anschliessend wechselte sie zur Wecan Group wo sie die Geschäftsentwicklung für Banken und unabhängige Vermögensverwalter leitete. Anna Waibel ist Absolventin des Geneva Graduate Institute, wo sie einen Master in Internationalen Beziehungen erwarb.

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