„Immer bessere Softwarelösungen für Vermögensverwalter“

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Interview mit Massimo Ferrari, Chief Executive Officer, Assetmax
Von Andreas Schaffner – Fotos: Juerg Kaufmann

In weniger als 10 Jahren hat sich Assetmax als Anbieter von IT-Plattformen für unabhängige Vermögensverwalter einen Namen gemacht. CEO Massimo Ferrari findet, dass das Umfeld für diese Art von Serviceleistungen immer besser wird. Bei der Analyse der grossen Linien – Regulierung, digitaler Wandel, Open Banking, Ökosysteme – betont er die qualitative Verbesserung der Lösungen für Vermögensverwalter.

Wie nehmen Sie die neue Digitalisierungswelle in der Vermögensverwaltung wahr?
Massimo Ferrari: Die Vermögensverwaltung wird digital – und zwar auf allen Ebenen. Das hat Folgen: Schätzungsweise zwei Drittel unserer Kunden, die selbstständigen Vermögensverwalter, wollen einen digitalen Kanal zur direkten Kommunikation mit ihren Kunden aufsetzen. Zudem möchten sich immer mehr HWNIs in unseren Endkundenportal einloggen.

Was spielt hier eine wichtigere Rolle: Die Corona-Krise oder die neue Generation von Bankkunden?
Die Corona-Krise hat sicher viel beschleunigt. Das sehen wir nicht nur im Banking. Zudem findet in unserer Branche ein Generationenwechsel statt – das gilt sowohl bei Vermögensverwaltern als auch bei deren Kunden. Heute sind schon die Baby-Boomer auf allen sozialen Kanälen präsent und erwarten dies auch von ihren Bankern. Als dritten Treiber sehe ich regulatorischen Veränderungen, welche mehr Transparenz für die Endkunden verlangen. Auch dies beschleunigt die digitale Entwicklung.

Strategisch heisst das für Sie, dass Sie auch das Onboarding der End-Kunden anbieten werden.
Ja. Der digitale Kanal für Endkunden wird Funktionen anbieten, welche die Interaktion zwischen Vermögensverwaltern und Endkunden über den gesamten Mandatslebenszyklus hinweg unterstützt.
Endkunden werden auf das Portal zugreifen, um ihr Vermögen zu visualisieren, mit dem Vermögensverwalter zu kommunizieren, Anlagevorschläge anzunehmen oder abzulehnen und den Onboarding-Prozess zu starten.

Welche Rolle nehmen die Depotbanken in diesem Prozess ein?
Wir können davon ausgehen, dass die Endkunden in Zukunft weniger mit dem Verwahrer ihres Vermögens interagieren.
Sie werden auf das Portal des Vermögensverwalters zugreifen und weniger auf das eBanking der Depotbank. Unterlagen wie zum Beispiel Quartalsberichte erhalten sie zukünftig direkt vom Vermögensverwalter. Der Custodian und seine Marke werden mehr im Hintergrund der Beziehung stehen.

Werden daher Depotbanken an Wichtigkeit verlieren?
Ich denke nicht. Der Beruf des Vermögensverwalters wird immer komplexer. Deshalb werden Banken Vermögensverwalter bei der Erfüllung ihrer Aufgaben stark unterstützen: zum Beispiel durch die Spezialisierung auf bestimmte Regionen, Beratung oder sogar Outsourcing von Dienstleistungen und die Bereitstellung modernster digitaler Schnittstellen für IT-Systeme wie Assetmax. Auf diese Weise werden sie zu einem wichtigen und unersetzlichen Partner für Vermögensverwalter.

Welche Rolle spielt hier die Initiative Open Wealth, wo Sie als Mitgründer dabei waren?
Assetmax – zusammen mit Alphasys, SGKB, Synpulse und ZKB – ist Gründungspartner des Vereins OpenWealth und wir haben mit unserem proprietären Know-How zur Gestaltung der Schnittstellen beigetragen.
Diese Initiative hat das Potenzial, der technologische Standard-Kommunikationskanal zwischen Banken und «TPP» (Third Party Providers) zu werden. Dies dient dem Austausch von Portfoliodaten, der Ausführung von Transaktionen, dem Onboarding von Kunden und – dank der b.Link-Plattform von SIX – einem vollständig digitalen und schnellen Einrichtungsprozess.

Von der offenen Architektur im Banking spricht man schon lange – kommt jetzt der Durchbruch?
Der Verein OpenWealth hat derzeit viel Aufschwung erlebt und sogar die Aufmerksamkeit des Bundesfinanzministeriums gewonnen. Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt für die Schweiz, einen Standard einzuführen, welcher die Innovation ankurbelt und letztendlich die Qualität der Dienstleistung für die Endkunden verbessert.
Die Zürcher Kantonalbank und die St. Galler Kantonalbank werden die erste Version des OpenWealth Standards ab dem 4. Quartal 2021 unterstützen; mehrere andere Banken haben ihr Interesse bekundet, dies ebenfalls zu tun.

Was ist der Vorteil für Ihre Kunden, die Vermögensverwalter?
Es wird viel einfacher und günstiger werden, das Setup für einen spezifischen Vermögensverwalter mit einer Bank aufzusetzen. Diese Prozesse dauern aktuell immer noch viel zu lange – manchmal braucht es Wochen, um eine Schnittstelle in Betrieb zu nehmen. Darüber hinaus liefert derzeit fast jede Bank Informationen in unterschiedlicher Qualität und Detailierungsgrad. Dies wird sich ändern, wenn ein Standard wie OpenWealth und eine Lieferplattform wie b.Link verfügbar sind.

Wenn die Digitalisierung omnipräsent sein wird, wie können sich die einzelnen Vermögensverwalter voneinander unterscheiden?
Ich glaube, dass die Digitalisierung eine hervorragende Möglichkeit der Vermögensverwalter ist, ihre Stärken in den Vordergrund zu stellen und damit einen einzigartigen Mehrwert für ihre Kunden zu generieren.
Schliesslich ist die Vermögensverwaltung ein Geschäft basierend auf Vertrauen. Die Digitalisierung gibt den Beratern mehr Zeit, sich auf ihre Kunden zu konzentrieren.

Die selbständigen Vermögens-verwalter befinden sich im Umbruch. Wo stehen wir hier?
Mit FIDLEG und FINIG werden Teilnehmer und deren Tätigkeiten im Finanzmarktbereich einer Bewilligungspflicht unterstellt. Das bringt Veränderungen für jeden einzelnen Vermögensverwalter, auch in Bezug auf höhere Kosten. Gleichzeitig kommt ein Generationenwechsel hinzu: Wer sich «in der grossen Welle der 80er Jahre» selbständig gemacht hatte, denkt jetzt über eine Nachfolge-Lösung nach. Ich gehe davon aus, dass gewisse Marktteilnehmer fusionieren oder verkaufen, andere ihr Geschäft schliessen – sicher wird jedoch die Zahl unabhängiger Vermögensverwalter sinken. Ob sich die Zahl von heute 1900 auf 1300 reduziert – wie eine Studie prognostiziert – ist schwierig vorherzusagen.

Sie wirken optimistisch, auch wenn die Zahl der potenziellen Kundenabnimmt.
Ja. Trotz allem bleibt dieser Bereich ein Wachstumsmarkt, da wir unser Funktions-Portfolio laufend ergänzen und ausbauen. Es gibt noch viele Vermögensverwalter, welche sich der Digitalisierung stellen müssen.

Kommt hinzu, dass die Regulation sich stetig verändert.
Ja, zum Glück sind die meisten von der Regulierung vorgeschriebenen Prozesse und Kontrollen digitalisierbar. Die Weiterentwicklung der Software Lösungen reduziert daher in Zukunft die manuelle Arbeit der Asset Manager.

Noch vor wenigen Jahren wurden Sie als Fintech-Newcomer gehandelt. Heute ist Avaloq, Credit Suisse und die Schwyzer KB bei Ihnen beteiligt und Sie spielen als einer der grossen in diesem Markt vorne mit.
Es stimmt, dass wir uns in den letzten Jahren stark entwickelt haben. Wobei zu sagen ist, dass sowohl die Credit Suisse als auch die Schwyzer Kantonalbank lediglich mit ihren Förderungs-Fonds bei uns beteiligt sind. Einzig Avaloq ist für uns eine strategische Beteiligung, die uns ermöglicht hat, eine unserer Entwicklungen – die Multi-Custody-Technologie – auch bei weiteren Kundensegmenten zu etablieren.

Trotz diesen neuen Investoren: Sie bleiben aber unabhängig?
Ja, heute befinden sich immer noch 80 Prozent der Aktien in den Händen der Gründer.

Bisher haben wir über die Digitalisierung als Automatisierung von Arbeitsprozessen gesprochen, aber wie wird sie Vermögensverwalter bei ihren Investitionsprozessen helfen?
In diesem Bereich sind wir alle mit den Fortschritten der Finanzmathematik und -statistik vertraut. Diese führten zur Schaffung von Robo-Advisors, zur Generierung massgeschneiderter Asset Allocations, sowie ausgefeilter Anlagealgorithmen oder Risikoberechnungen.
Aber auch die Kreierung von Anlageprodukten z.B. mit der Multi-Emittenten-Plattform von Evooq oder die Auswahl und der Kauf von Finanzprodukten über Marktplätze werden durch die Digitalisierung vereinfacht.

Werden sie mit Assetmax auch Investitionsprozesse unterstützen?
Ja, über unseren Partner Evooq, welcher eine Vermögensverwaltungsplattform anbietet, die einen Marktplatz und verschiedene zusätzliche Finanzdienstleistungen umfasst.

Massimo Ferrari ist Mitgründer und CEO der 2013 gegründeten Fintech Assetmax. Erfahrung hat er sowohl im Wealth Management als auch für die entsprechenden Softwareprodukte gesammelt. Er begann seine berufliche Laufbahn als Software-Entwickler bei Ecofin, bevor er zur Zürcher Kantonalbank wechselte, wo er für das quantitative Management und schliesslich für systematische Strategien verantwortlich war. Er hat an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich einen Abschluss als Ingenieur für Elektrotechnik erworben und ist MBA des Insead in Fontainebleau.

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