Julien Blanc, Forums SRO-OAR-OAD „Wir müssen uns zusammenschliessen, um uns Gehör zu verschaffen“

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Interview mit Julien Blanc, Forums SRO-OAR-OAD
Von Fabienne Bogádi – Fotos Karine Bauzin

Julien Blanc tritt den Vorsitz des Forums SRO-OAR-OAD an und will die privaten Organisationen, die für die Überwachung der Finanzintermediäre zuständig sind, vereinen, um ihnen mehr Gehör im Dialog mit den Behörden zu verschaffen. Er möchte zudem erreichen, dass sich der Dachverband bereits im Vorfeld des gesetzgeberischen und regulatorischen Prozesses mit den Behörden zusammensetzt. Interview-Portrait eines Präsidenten mit allerhand Ideen.

Wie würden Sie die Rahmenbedingungen bei Ihrem Antritt des Vorstandsvorsitzes des Forum SRO-OAR-OAD beschreiben?
Julien Blanc : Das Forum entstand in den 1990er Jahren. Anfangs war es noch kein Verein, sondern nur eine einfache Struktur, die den Zusammenschluss der einzelnen schweizerischen Selbstregulierungsorganisationen (SRO) der Finanzintermediäre im Hinblick auf das Bundesgesetz zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung im Finanzsektor (GwG) anstrebte, um einen Informationsaustausch und Dialog zwischen den SROs zu pflegen. Das Forum wurde vor rund 10 Jahren in einen Verein mit Sitz in Zürich umgewandelt, wo seine Statuten verabschiedet wurden. Aus dem Forum wurde somit ein Dachverband für die SROs, die für die Kontrolle der Einhaltung der Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung verantwortlich sind. Zweigorganisationen wie die VSV und die OAR-G zählten ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern.
2014 verliessensie das Forum, da sie eigenständig werden wollten. Die OAR-G wurde erst 2019 nach der Verabschiedung des FIDLEG und des FINIG wieder Mitglied. Vor diesem Hintergrund und angesichts der momentanen Implementierung der Überwachung der Finanzintermediäre trete ich mein Amt zu einem kritischen Zeitpunkt an.

Welche ist die wichtigste Aufgabe, die Sie während Ihrer Amtszeit bewältigen müssen?
Eine der Hauptaufgaben, die ich mir als Ziel gesetzt habe, ist die Rückgewinnung der Organisationen, die das Forum zwischen 2014 und 2019 verlassen haben. Vor allem möchte ich dem Vorstand aber vorschlagen, den Kreis der betroffenen Vereine auf die von der FINMA bereits anerkannten Aufsichtsorganisationen für Finanzintermediäre und Trustees (AO) auszuweiten. Dies könnte bereits im kommenden Jahr der Fall sein, wenngleich die AO derzeit intensiv mit der Einführung der Überwachung ihrer eigenen Mitglieder beschäftigt sind. Meine Aufgabe würde ich wie folgt auf den Punkt bringen: Ich will die Akteure der Branche unter einen Hut bringen, um unseren Aktionsradius auszuweiten.

Was wollen Sie mit der Erweiterung Ihrer Mitgliederbasis erreichen?
Ich strebe eine starke Mitgliederbasis für eine echte Repräsentativität bei Konsultationen an. Zahlen sind wichtig, vor allem in der Schweiz. Um Gehör zu finden und um unsere Belange durchzusetzen, brauchen wir eine starke Basis.

Wie würden Sie den gemeinsamen Nenner der OAR und der AO beschreiben, auf dem ihre Zusammenarbeit aufbauen kann?
In den letzten Jahren hat es gewaltige Änderungen in der Finanzgesetzgebung gegeben. Die FINMA hat bereits sehr frühzeitig im Vorbereitungsprozess der neuen Gesetze ihre Vorstellungen durchgesetzt, gleichzeitig aber signalisiert, dass sie sich nicht selbst um die direkte Aufsicht über die Vermögensverwalter und Trustees kümmern will. Deshalb hat sich die Schweiz für das delegierte Regulierungs- bzw. Aufsichtssystem entschieden. Die FINMA legt harmonisierte Regeln fest und delegiert die Aufsicht an die OAR und AO. Dies ist der grösste gemeinsame Nenner zwischen den beiden Organisationen, er ergibt sich aus der Praxis zur Ausarbeitung neuer Gesetze. Wie alle anderen Finanzintermediäre sind auch die Vermögensverwalter und Trustees von der Implementierung dieser Regulierungen betroffen, die eine logische Konsequenz des GwG sind. Wir können somit einiges bewegen und für unsere Interessen eintreten. Neu für alle diese Akteure ist ferner, dass sie jetzt vollständig von einer Aufsichtsbehörde reguliert und beaufsichtigt werden, was früher nicht der Fall war.

Was motiviert Sie persönlich und aus professioneller Sicht für dieses Amt?
Mich motiviert eben diese Suche nach dem gemeinsamen Nenner, der uns mehr Einfluss verleihen würde. Das ist keine Ambition, sondern ein Gedanke, den ich gerne konkretisieren würde. Wir müssen ein Gleichgewicht finden und die Organisationen müssen mit einer Stimme sprechen, denn derzeit sind Regeln für die FINMA noch keine Verhandlungssache. Darüber hinaus müssen wir die Politik stärker für unsere Ziele einbinden. In den vergangenen fünf Jahren galt das Forum aufgrund des Prinzips der delegierten Aufsicht als Partner des Gesetzgebers. In den nächsten Jahren müssen wir die Kontakte mit den Behörden, d.h. mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD), der FINMA, dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) und der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) intensivieren. Wir laden deren Vertreter zwar regelmässig zu unseren Versammlungen ein, aber es geht nicht mehr um den Ideenaustausch und gute Praxislösungen, sondern um Grundsatzdiskussionen. Durch diese Annäherung könnten wir das notwendige Vertrauen aufbauen, damit diese Behörden uns künftig in ihre Überlegungen einbeziehen. Im regulatorischen und legislativen Verfahren werden wir zur Teilnahme an den Konsultationen eingeladen, was positiv zu werten ist, doch wir würden gerne von Anfang an in die Suche nach geeigneten Lösungen eingebunden werden. Ausserdem möchten wir, dass das Forum sämtliche Regulierungen thematisiert, nicht – wie derzeit – nur das GwG.

Welche Grundsätze und Grundwerte beherzigen Sie bei Ihrer künftigen Tätigkeit?
Paradoxerweise würde ich gerne zum Schutz einer freien Wirtschaft beitragen, mit möglichst ausgewogenen und gerechten Regeln, die für alle gleichermassen gelten. Liberalismus ohne Regeln ist eine Utopie, so viel wissen wir heute, doch wir dürfen nicht zulassen, dass uns ein bürokratisches oder technokratisches System mit Verwaltungsaufwand erstickt, der hohe Kosten verursacht. Beispiele dafür sehen wir jeden Tag. So bat mich vor Kurzem eine Bank, den «Kontrollinhaber», für eine Gesellschaft mit nur einem Aktionär, zu benennen. Im Übrigen bestens kennt. Die Bürokratie ist inzwischen sehr kompliziert, auch im privaten Sektor. Die Aufsichtsbehörden täten gut daran, mehr Praxisnähe zu üben. Meine eigentliche Aufgabe als Präsident des Forums ist die Teilnahme an der Ausarbeitung verständlicher Regeln, die auf gesundem Menschenverstand basieren, damit die betroffenen Akteure das System auch verstehen und nachvollziehen können, warum sie Auflagen erfüllen und ihren Kunden bestimmte Fragen stellen müssen.

Ist die Wahrung der Vielfalt des Finanzplatzes für Sie ein Thema?
Ja, absolut, sie ist unser Fundament. Wir müssen alles tun, um sie zu schützen. Wir stehen am Anfang einer ganz neuen Welt. Banken bieten nicht mehr die gleichen kundennahen Serviceleistungen wie früher, rollen keinen roten Teppich mehr für ihre Kunden aus – es sei denn, der Kunde ist sehr vermögend. Nur Vermögensverwaltungsgesellschaften tun dies noch. Die Boutiquen-Player dürfen nicht von der Bildfläche verschwinden, denn sie sind für den Schutz der Interessen von Premium-Investoren unverzichtbar. Konsolidierungsbewegungen und Geschäftsaufgaben – vor allem bei den unabhängigen Vermögensverwaltern – sind jedoch unausweichlich. Das Modell der Zukunft wird aus spezialisierten KMUs bestehen, die sich diesem Wandel stellen und ihn als Chance sehen.

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