„Zugang zu einem möglichst breiten Spektrum an Impact-Strategien“

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Interview mit Katia Coudray, Asteria Investment Managers
Von Fabienne Bogadi – Fotos: Karine Bauzin

Asteria IM hat eine Partnerschaft mit dem Schweizer Private Equity-Manager Obviam abgeschlossen und anschliessend seine beiden ersten UCITS-Fonds aufgelegt: Asteria Funds – Planet Impact Global Equities und Asteria Funds – Climate Bonds. Diese Dynamik spiegelt den enormen Bedeutungszuwachs wider, den Impact-Strategien erfahren. Erläuterungen einer enthusiastischen Fondsmanagerin, die in die Welt von morgen investiert.

Asteria konzentriert sich ausschliesslich auf das Management von Impact-Investments. Wo liegt der Unterschied zwischen Impact und ESG?
Katia Coudray: Impact-Investments sind eine Form des Engagements in Bezug auf Anlagen. Dieses Engagement geht über blosse Performanceziele und über ESG-Kriterien hinaus, um die konkreten sozialen und ökologischen Auswirkungen von Unternehmen zu analysieren. Selbstverständlich sind ESG-Aspekte wichtig, doch sie greifen im Vorfeld. Zwar ermöglichen sie die Überwachung des Verhaltens eines Unternehmens anhand der drei ESG-Kriterien, doch geben sie keinen Aufschluss über den konkreten Impact ihrer Geschäftstätigkeit. Bestimmte Unternehmen, beispielsweise aus dem Textilsektor, weisen ein sehr positives ESG-Rating, aber einen negativen Impact aufgrund der Abwasserproblematik und der Billiglöhne auf. Ein weiteres Beispiel sind die Erdölkonzerne, die zwar gute ESG-Ratings erhalten, aber aufgrund der Förderung fossiler Energieträger, die für die Erderwärmung verantwortlich sind, eine negative Umweltbilanz aufweisen. Anders als bei Impact-Investments gelten für Anlagen gemäss den ESG-Kriterien kaum Einschränkungen, denn Anleger können praktisch in alle Wirtschaftssektoren – selbst die umweltschädlichsten – und ihr Vermögen folglich in Unternehmen mit negativem Impact investieren. Lassen Sie mich dies veranschaulichen: Von den 3000 börsennotierten Unternehmen weltweit leisten lediglich 250 einen positiven Beitrag zum Klimaschutz.

Im vergangenen Dezember ist Asteria IM eine Partnerschaft mit Obviam eingegangen. Inwiefern ist dieser Zusammenschluss für Sie sinnvoll?
Durch diese Partnerschaft wird Asteria ein globaler Akteur und kann sämtliche Anlageklassen mit positivem Impact abdecken: Private Debt, börsennotierte Assets und jetzt, dank Obviam, auch Private Equity. Obviam verfügt über 15 Jahre Erfahrung in diesem Bereich und bringt somit sein wertvolles Know-how ein. Wir besassen keine Expertise für diesen Bereich und bei null anzufangen wäre kompliziert gewesen. Deshalb mussten wir externes Know-how hinzuziehen. Obviam kann zudem auf eine langjährige Erfahrung in der Entwicklungsfinanzierung verweisen, da das Unternehmen das Portfolio des Swiss Investment Fund for Emerging Markets (SIFEM), der Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft des Bundes, verwaltet.

Was wollen Sie mit Ihrem Schwerpunkt auf Impact-Strategien erreichen?
Wir möchten Impact-Investments fördern und einem breiten Anlegerpublikum zugänglich machen, um den Finanzierungsbedarf, der für die Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO besteht, zu reduzieren. Konkret verwenden wir das Kapital, um den dringenden Handlungsbedarf bei der Klimawende und der gesellschaftlichen Verantwortung zu finanzieren, gleichzeitig aber auch eine Performance zu erwirtschaften, die mit traditionellen Anlagen mithalten kann. Wie das geht? Wir bieten Anlagelösungen an, die marktgerechte Renditen und zusätzlich einen positiven Impact erzielen. Denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung müssen Anleger bei Impact-Investments nicht auf Rendite verzichten – ganz im Gegenteil, alle Elemente greifen ineinander. Mit einer Impact-Strategie können Investoren über ihre Vermögensanlage einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten und gleichzeitig ein Anlageergebnis erzielen, das mit den Referenzindizes vergleichbar ist. Das Prinzip besteht darin, das Sparkapital in die Unternehmen zu leiten, die Gutes tun. Dadurch kommt eine weniger auf Bestrafung, sondern auf Belohnung beruhende positive Dynamik in Gang.

Wie bringen Sie positiven Impact, Nachhaltigkeit und Performance konkret miteinander in Einklang?
Die Impact-Strategie beruht hauptsächlich auf der Menge der erfassten Daten, die die Grundlage unseres internen Researchs bilden. Da jedes Unternehmen den Filter der drei genannten Themen durchläuft, verdreifacht sich die Arbeit der Datenerfassung. Wenn man zudem in ein börsennotiertes Unternehmen investiert, muss der positive Beitrag jeder Aktivität separat berechnet werden. Das ist eine Herkulesaufgabe. Um dieses Volumen stemmen zu können, setzen wir modernste Technologien und Big Data ein. Sie helfen uns beim Aufbau systematischer Portfolios, die Impact und Performance optimieren, und zwar mit einem Risikobudget, das den Rahmen der traditionellen bzw. klassischen Referenzindizes nicht sprengt.

Und wie legen Sie anschliessend Ihr Anlageuniversum fest?
Unser Anlageuniversum umfasst Unternehmen mit positivem Impact-Rating und einem ESG-Profil, das unsere Kriterien erfüllt, und zudem über solide finanzielle Perspektiven verfügt. Unsere finanzielle Analyse der Unternehmen beruht auf einem Modell mit über achtzig Faktoren wie z.B. Wachstum, operative Marge, Bilanz und Verschuldungsgrad. Unsere Analyse soll möglichst ausführlich sein und Verzerrungen vermeiden, beispielsweise durch Gesellschaften, die ausschliesslich zur Kategorie der Wachstumsunternehmen gehören. Im Rahmen der Verwaltung verwenden wir Algorithmen, die in der Lage sind, ein optimales Portfolio aufzubauen, den Impact und die Performance zu maximieren und gleichzeitig das Risikobudget nicht zu überschreiten, das dem Referenzindex entspricht. Wir überwachen das Risiko unserer Portfolios mit einem beschränkten Tracking Error, um nennenswerte Abweichungen vom Index zu vermeiden. Wir passen unsere Portfolios regelmässig an, mindestens einmal pro Monat.

Wer sind Ihre Kunden?
Wir arbeiten hauptsächlich mit dem B2B-Segment. Unsere Kunden sind Versicherungen, Banken und Vertriebsnetze für Privatanleger, hauptsächlich aber Pensionskassen, deren Strategie ausdrücklich eine Risikomanagementkomponente umfasst. Diese Institutionen waren noch vor einigen Jahren recht zurückhaltend, doch sie haben inzwischen erkannt, dass den jüngeren Versicherungsnehmern das Wohl unseres Planeten am Herzen liegt. Darüber hinaus bieten wir mehrere Strategien für Privatanleger an. Wir wollen ihnen den Zugang zu einem möglichst breiten Spektrum an Impact-Strategien bieten.

Warum muss sich die Finanzbranche – abgesehen von Image-Aspekten – am Umweltschutz oder an der Einhaltung der SGD der Vereinten Nationen beteiligen?
Wir steuern auf einen Paradigmenwechsel zu, der die Integration sozialer und ökologischer Werte erfordert. Das ist daher keine Modeerscheinung, sondern eine Verpflichtung. Natürlich geht es um die Zukunft des Planeten – immer mehr Normen verfolgen aber ebenfalls dieses Ziel. So hat die Schweiz beispielsweise das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und unterstützt die Erreichung der SGD der UNO aktiv. Das Anlageuniversum ist somit in Bewegung und Asteria trägt sein Scherflein dazu bei. Wir wollen dies durch positive Verstärkung erreichen und Lösungen anbieten, die einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Strategie hat etwas Militantes. Dies füllt unsere Arbeit mit Sinn – das ist für mich das Tüpfelchen auf dem i.

Sie haben gerade Ihre beiden ersten UCITS-Fonds aufgelegt: Asteria Funds – Planet Impact Global Equities und Asteria Funds – Climate Bonds. Durch welche Merkmale zeichnen sie sich aus?
Der Planet Impact Global Equities konzentriert sich auf Unternehmen, die die vier ökologischen Themen besetzen, d.h. CO2-Reduzierung, Beseitigung von Schadstoffen und Abfall, intelligente Steuerung von Wasserverteilungsnetzen (smart water) und Lösungen für saubere und effiziente Energien (smart energy). Sie zielen direkt auf die Erreichung der SDG der UNO ab. Unser Portfolio umfasst hauptsächlich Unternehmen, die sich dem Schutz des Planeten widmen. Die Impact-Performance liegt bereits bei über 60 und den Referenzindex haben wir schon um 3% übertroffen. Dieser Fonds stösst auf reges Interesse der Pensionskassen, was zeigt, dass ein Bedarf besteht. Der Climate Bonds ist zu 80% in grüne Anleihen – einen stark wachsenden Markt – und zu 20% in Anleihen von Unternehmen investiert, die den Themenkatalog ‚Klimaschutz‘ abdecken und durch unser internes Research identifiziert wurden. Zudem haben wir uns für sehr wettbewerbsfähige Verwaltungskosten entschieden, vor allem für Privatanleger, die mit 1000 Franken einsteigen können und weniger als 1% Verwaltungskosten zahlen. Wir wollen, dass unsere Strategien für alle Anlegergruppen zugänglich sind.

2019 war Katia Coudray Mitgründerin von Asteria Investment Managers, eines Asset Managers, der sich ausschliesslich auf nachhaltige Anlagen spezialisiert hat und zur Reyl-Gruppe gehört. Sie ist seit 2019 die CEO von Asteria. Davor war sie als Leiterin der Asset- Management- und Investmentsparte bei der Syz-Gruppe tätig. Vor ihrem Wechsel zu Syz war sie elf Jahre lang bei der Union Bancaire Privée Mitglied der Asset-Management- und der Generaldirektion. Sie hat die Matura an einem Wirtschaftsgymnasium erworben, ist CIIA-Finanzanalystin des CFPI und hat an der ACAD ein Verwaltungsratszertifikat erworben. Daneben hat sie an einem Advanced-Management-Programm an der IMD Business School in Lausanne teilgenommen.

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