„Kleine“ Vermögensverwalter – grosse Chancen!

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Interview mit Patrick Horner und Véronique Ferrando, Dynawealth Management

2023 gilt für Vermögensverwalter ein neues regulatorisches Regime, das unter anderem eine Bewilligung der FINMA umfasst. Viel ist seither die Rede vom Ende der «kleinen»  unabhängigen Vermögensverwaltern. Auch wenn die meisten dieser «kleinen» Vermögensverwalter weniger als eine Milliarde Franken an Kundengelder verwalten, sind sie für die Wahrung der Unabhängigkeit des Berufsstands und eine optimale Kundenbetreuung entscheidend. Grösse allein spielt keine Rolle, sagen Véronique Ferrando Patrick Horner von Dynawealth.

Wie werten Sie die Bezeichnung „kleine unabhängigen Vermögensverwalter“, von der häufig die Rede ist?
Patrick Horner. Ich finde diese Bezeichnung abwertend und unangemessen. Für mich gibt es keine kleinen oder grossen Vermögensverwalter, sondern nur unabhängige Vermögensverwalter, die den Erwartungen ihrer Kunden bestmöglich gerecht werden wollen und dafür ihre Unabhängigkeit brauchen. Deshalb würde ich lieber von unabhängigen Vermögensverwaltern im Boutique-Format sprechen.

Sind Sie der Ansicht, dass sich diese Vermögensverwalter-Boutiquen zusammenschliessen sollten, wie vielfach zu hören ist?
Véronique Ferrando. Ich glaube nicht, dass sich diese Vermögensverwalter zusammenschliessen müssen, allerdings könnten sie mit einem solchen Geschäftsmodell wahrscheinlich eher eine FINMA-Bewilligung erhalten. Es sprechen auch andere Gründe für Zusammenschlüsse.
Da ist natürlich die Kostenseite und die Möglichkeit erheblicher Einsparungen. Doch sollten nicht nur die rein finanziellen Aspekte berücksichtigt werden. Fakt ist, dass Zusammenschlüsse den Austausch fördern, da sie die Ausweitung von Netzwerken und Kompetenzen ermöglichen – der Nutzen für die Kunden liegt auf der Hand. Zudem bewirken sie in der Regel eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Depotbanken und Dienstleister. Zusammenschlüsse erhöhen also unsere Schlagkraft. Und auch zur Sicherung des Fortbestands der Vermögensverwalter bieten Zusammenschlüsse klare Vorteile.

Es heisst oft, Egoprobleme würden Zusammenschlüsse blockieren. Wie sehen Sie diesen heiklen Punkt?
Patrick Horner. Das Ego sollte ausgeblendet werden, wenn ein Zusammenschluss ins Auge gefasst wird. Wenn sich zwei unabhängige Vermögensverwalter an den Verhandlungstisch setzen, sollte sich keiner unabhängiger fühlen als der andere. Wenn das Gespräch offen und transparent verläuft, gibt es keinen Grund, warum Egoprobleme auftreten sollten.

Würden Sie sagen, dass Dynawealth Management eine Vermögensverwalter-Boutique ist?
Véronique Ferrando. Ja, genau so präsentieren wir Dynawealth. Wir sind eine Vermögensverwalter-Boutique und das soll auch so bleiben. Allerdings kann der Kreis grösser werden. Derzeit sind wir sechs Partner, wobei unsere Tür für neue Vermögensverwalter offen ist.

Wem gehört Dynawealth Management?
Patrick Horner. Dynawealth Management gehört keinem Hauptaktionär und somit keiner Einzelperson, sondern allen Vermögensverwaltern, die für Dynawealth arbeiten. Darauf legen wir grössten Wert, denn jeder Vermögensverwalter kann Aktionär werden und damit Zugang zu allen Informationen erhalten, ohne irgendwelche Beschränkungen. Derzeit zählt Dynawealth sieben Aktionäre, sechs Vermögensverwalter und Aquila als siebten Aktionär.

Wie kommt es, dass Aquila Aktionär von Dynawealth ist?
Véronique Ferrando. Aquila stellt als unsere Service-Plattform die notwendigen Support-Dienstleistungen für unsere Aktivitäten zur Verfügung. Aquila erbringt für Dynawealth Buchhaltungs- und IT-Dienstleistungen, da wir das PMS von Aquila nutzen, und übernimmt Rechts-, Compliance- und Risikomanagementfunktionen. Aquila dient uns ferner als Schnittstelle mit der FINMA, so dass wir bereits im April 2021 die FINMA-Bewilligung erhalten haben. Darüber fungiert Aquila bei Bedarf auch als unsere Depotbank.

Sind Sie nicht zu eng mit Aquila verbunden?
Patrick Horner. Unsere Beziehung zu Aquila ist vertraglich geregelt, und diesen Vertrag können wir jederzeit beenden. Die Qualität der Serviceleistungen und die Professionalität von Aquila sind unübertroffen, so dass kein Grund besteht, diese Konstellation zu ändern. Aquila betreut über 80 unabhängige Vermögensverwalter und kennt unsere Anforderungen deshalb bestens.

Wollen Sie Dynawealth weiterentwickeln?
Patrick Horner. Wir wollen grösser werden, doch ohne zu übertreiben, denn wir wollen uns im Universum der unabhängigen Vermögensverwalter im Boutique-Format entwickeln – diese Arbeitsweise bietet unseren Kunden viele Garantien. Wir suchen also noch zwei, drei oder vier neue Partner, die unabhängig bleiben möchten und unsere Werte teilen.

Was bieten Sie Ihren künftigen Partnern?
Patrick Horner. Wir bieten vor allem eine stabile, angenehme Arbeitsatmosphäre, die menschlichen Werten höchste Bedeutung beimisst. Ausserdem hat jeder Partner Zugang zum Kapital, d.h. zum NIW von Dynawealth Management ohne Goodwill-Zahlung. Wir bieten ferner eine vollständige Kostenkontrolle und -transparenz. Darüber hinaus nutzen wir unser Know-how und unsere Netzwerke gemeinsam.

Sie erwähnten die Werte von Dynawealth. Worum geht es genau?
Véronique Ferrando. Unsere Werte sind Unabhängigkeit, Transparenz, Zusammenhalt. Wir ergänzen uns und teilen eine positive Einstellung.

Véronique Ferrando und Patrick Horner sind beide geschäftsführende Gesellschafter von Dynawealth Management, wo sie als Portfoliomanager und Relationship-Manager tätig sind.

Véronique Ferrando ist ausserdem Chief Operating Officer bei Dynawealth Management, wo sie seit 2012 tätig ist. Zuvor arbeitete sie für Clariden Leu und der Bank Edouard Constant.

Patrick Horner ist Chief Executive Officer bei Dynawealth Management. Seine Expertise in der Vermögensverwaltung entwickelte er mit seiner 1994 erworbenen Maîtrise Fédérale Bancaire sowie seinen 34 Jahren, in welcher er im Bankwesen tätig war, davon zehn Jahre als Selbstständiger.

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