«Metaverse – Einblicke & Ausblicke»

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Von Matthias Plattner, Head Channels & Innovation, Bank Julius Baer & Co. Ltd.

Metaverse – ein neues Zauberwort erobert die Welt der Anleger. Doch was steckt dahinter und wie sind die Entwicklungen zu bewerten? Finanzintermediäre können sich heute schon auf diese dritte Dimension des Internets vorbereiten.

Zunächst ist klar, dass wir uns erst ganz am Anfang dieser Entwicklung befinden. Gleichwohl werden schon heute hunderte von Milliarden US-Dollar in diesem Bereich investiert. Das geht von der Umbenennung des Facebook-Mutterhauses in Meta hin über die Entwicklung und den Verkauf von 3-D-Brillen über zur Entwicklung von digitalen Assets, sogenannte Non-Fungible Tokens (NFT), mit Hilfe derer eigentumsähnliche Rechte dereinst verwaltet werden.

Metaverse wird oft auch als ein Teil des Web 3.0 beschrieben. Die dritte technologische Generation des Internets also. Im Web 1.0 bestand das Internet mit rein statischen Homepages, später wurden soziale Medien entwickelt, das Netz wurde mit dem Web 2.0 bunter, vielfältiger und zu einem Schwergewicht, was das wirtschaftliche Potenzial betrifft. Nun steht die nächste Entwicklung vor der Tür. Dabei geht es um Erfahrung, statt um Information, von zentral zu dezentral. Plattform-Businessmodelle stehen im Vordergrund und virtuelle Wirtschaftsräume. Und all das vereint das Metaverse in einer dritten Dimension.

Was also in der Welt der Computerspiele schon länger begonnen hat, soll nun standardisiert einer breiteren Allgemeinheit zu Verfügung gestellt. Technologisch ist das Metaverse ein Set von verbundenen digitalen 3D Welten, zwischen welchen sich Avatare frei bewegen können. Diese virtuelle (wirtschafts-) Räume sind langlebig, laufen in Echtzeit ab und werden durch die Nutzer “regiert”. Das Metaverse nutzt verschiedene bekannte Technologien und Protokolle, im Speziellen auch Blockchain-Protokolle.

Das tönt noch für viele sehr futuristisch oder einfach nach einem Spiel. Ein einfaches Beispiel zeigt, um was es relativ bald gehen könnte: Microsoft-Gründer Bill Gates hat in seinem Blog Ende 2021 davon geschrieben, dass wir in „zwei bis drei Jahren“ wohl unsere elektronischen Konferenzen nicht mehr wie heute von Angesicht zu Angesicht oder über den Computer zweidimensional abhalten, sondern dass wir uns in der dritten Dimension begegnen werden.

Der Schritt zum Avatar, dem beliebig einsetzbaren Gegenpart in der elektronischen Welt, ist da nicht mehr weit. Schicken wir also Avatare zu langweiligen Sitzungen? Wer weiss. Geht es nach den Prognosen von Experten werden wir also in den nächsten Jahren in dieser neuen Dimension arbeiten, spielen, uns mit anderen Menschen treffen können – und investieren. Das geht vom digitalen Kunstwerke, über virtuellen Landkauf bis hin zum Designer-Accessoire für den oder die Avatar.

Technologisch, insbesondere auch auf der Hardware-Seite, sind bis dahin noch einige Schritte zu beschreiten. Um diese dritte Dimension einigermassen realistisch zu «bauen», braucht es Hochleistungscomputer. Und viel Strom, die diese Prozessoren betreiben. Ausserdem muss regulatorisch noch viel entwickelt werden, wie z.B die Anerkennung der elektronischen Unterschrift eines Avatares, Eigentumsrechte oder Streitschlichtungs-Mechanismen. Und es gilt Sicherheitsfragen zu klären, die Technologie skaliert nicht im benötigten mass und es gibt auch politische Fragen zu klären. Wer regiert denn diese neue Welt?

Gleichwohl ist es ratsam, sich als Finanzintermediär schon heute mit dieser neuen Umgebung vertraut zu machen. Der eigenen Experimentierfreudigkeit sind hier im wortwörtlichen Sinn keine Grenzen gesetzt. Das geht hin von persönlichen Erfahrungserlebnissen in der dritten Dimension, über Online-Einführungen in die Theorie, bis hin zu ersten Gehversuchen mit Anlageprodukten. Dabei gilt äusserste Vorsicht, wählen Sie einen vertrauenswürdigen Partner.

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