„Performance Watcher ist in erster Linie ein Vertrauenspakt“

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Interview mit Nicholas Hochstadter, Performance Watcher
Von Hans Linge – Fotos: Karine Bauzin

Die Ergebnisse eines Vermögensverwalters messen und gleichzeitig die Risiken berücksichtigen – dafür hat Nicholas Hochstadter Performance Watcher gegründet. Im Laufe der Zeit haben Vermögensverwalter das Tool auch genutzt, um engere, transparentere Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen. Und das liegt momentan voll im Trend.

Könnten Sie die Aktivität von Performance Watcher für alle, die die vorherigen Abschnitte verpasst haben, nochmals kurz erläutern?
Nicholas Hochstadter: Performance Watcher ist eine Plattform, auf der man die Qualität der Renditen realer Portfolios ermitteln und die Ergebnisse mit denen anderer Portfolios mit demselben Verwaltungsprofil vergleichen kann. Auf unserer Plattform haben wir bisher völlig anonym mehrere tausend Portfolios erfasst, ihre Renditen zusammengeführt und damit sehr repräsentative Indizes erstellt. Die Portfolios wurden je nach Risikoprofil der Portfolios in drei Kategorien eingestuft – niedriges Risiko, mittleres Risiko und hohes Risiko – entsprechend ihrer Anlageziele.
Das sind die wesentlichen Kennzeichen. Darüber hinaus bietet Performance Watcher online oder auf dem Smartphone verschiedene Funktionen für die Kontrolle der Portfolioverwaltung. Dazu gehören Warnsysteme und Reportingvorlagen zur Generierung besonders aussagekräftiger Informationen.

Wie kamen Sie auf die Idee, diese Plattform zu gründen?
Das Vermögen meiner Familie wird von unserem eigenen Family Office verwaltet. Im Rahmen dieser Verwaltung werden unsere Vermögenswerte grundsätzlich auf mehrere Portfolios verteilt, für die verschiedene Vermögensverwalter zuständig sind. Vor fünfzehn Jahren wollten wir uns ein präziseres Bild über die erzielte Performance verschaffen. Wir wollten ein einfaches Tool, mit dem wir die Verwaltung kontrollieren und überprüfen können, ob die erzielten Renditen den zuvor festgelegten Risikobudgets entsprechen. Da ich zuvor ähnliche Projekte in Banken geleitet habe, wollte ich meine eigene digitale Lösung entwickeln. Meine Familie und einige nahestehende Personen haben diese partizipative Plattform für ihr Vermögen als erste genutzt.

Was ist für Sie heute das wichtigste Merkmal des Performance Watcher-Angebots?
Performance Watcher steht für Transparenz. Es handelt sich nämlich um eine Art Vertrauenspakt zwischen dem Vermögensverwalter und seinem Kunden. Performance Watcher sieht sich als Vitrine für Portfoliomanager, die sich für höchste Servicequalität, Performancestreben, Risikokontrolle und Zuverlässigkeit entschieden haben. Die Tatsache, dass sie den Vergleich mit ihren Wettbewerbern nicht scheuen, können sie in einen Vorteil gegenüber ihren Kunden ummünzen. Sie stellen keine künftige Performance in Aussicht, sondern zeigen, dass sie ihr Möglichstes tun, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
Performance Watcher eignet sich somit nicht nur zur Bewertung der Verwaltung, sondern auch zur Intensivierung der Kundenbeziehungen. Hier liegt für mich der Hauptvorteil. Auf der Performance Watcher-Plattform nutzen Vermögensverwalter und ihre Kunden gemeinsam einfache, konkrete und messbare Informationen, die für beide Seiten verständlich sind und eine objektive Diskussion über die Qualität der Verwaltung erlauben. Denn es gibt nicht mehr viel Interpretationsspielraum.

Wo stehen Sie heute im Hinblick auf Grösse und Nutzerzahlen?
Wir haben 37 Milliarden Franken an bewertetem Vermögen überschritten und nähern uns bequem der 50-Milliarden-Marke. 14.000 Konten sind bei uns momentan auf der Plattform registriert. Um Ihnen eine Vorstellung von unserem Wachstum zu geben, ein paar Zahlen: 2015 zählten wir gut 1.200 Konten und ein Vermögensvolumen von rund 5 Milliarden.
Das kann man gut und gerne als exponentielles Wachstum bezeichnen.

Als Sie Performance Watcher vor 15 Jahren gründeten, war die Vokabel ‚Fintech‘ noch kaum bekannt. Wie erklären Sie sich, dass Performance Watcher so lange gebraucht hat, um in Fahrt zu kommen?
Zunächst mussten wir einige technische Aspekte bewältigen. Wir mussten erst einmal unter Beweis stellen, dass Kontodaten von Kunden von der Depotbank in ein externes Netz übertragen werden können – und zwar völlig anonym und absolut sicher.
Wichtiger war jedoch meiner Ansicht nach der Mentalitätswandel, der erst später einsetzte. Banken oder Vermögensverwalter hatten nicht unbedingt die Zeit oder Lust, für mehr Transparenz zu sorgen, da die Kunden dies nicht von ihnen verlangten! Es bestand also keine zwingende Notwendigkeit, sich in Frage zu stellen.
Inzwischen sind dagegen neue Konsumverhaltensweisen auf dem Vormarsch. Heute informieren sich Kunden geradezu reflexartig in Vergleichsportalen im Internet oder schauen sich die Bewertungen anderer Konsumenten an, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Daher sind sie mit Konzept und Zweck von Performance Watcher inzwischen bestens vertraut. Zudem sind sie angesichts der relativ erratischen Finanzmärkte mittlerweile doppelt vorsichtig.

Auf welche Weise nutzen Vermögens-verwalter Performance Watcher?
Im Grossen und Ganzen auf zwei Arten: Erstens wollen sie sehen, wie sie im Vergleich zu ihrer Peer Group abschneiden. Zweitens wollen sie zahlreiche Portfolios verwalten und kontrollieren, insbesondere deren Risikoprofil. Allerdings verwenden Vermögensverwalter Performance Watcher zunehmend auch für die Demonstration ihrer Effizienz gegenüber Kunden und erbringen gleichzeitig den Beweis, dass sie genauso gut oder sogar besser abschneiden als die Konkurrenz. Dies war vor allem in diesem Jahr angesichts der Covid-19-Krise und ihrer Auswirkungen auf die Märkte ein Thema. Mithilfe von Performance Watcher konnten viele Vermögensverwalter ihren Kunden zeigen, dass ihre Performance zwar negativ ist, dass sie aber mit ihrer Peer Group gleichauf liegen.
Ich gehe davon aus, dass die Vermögensverwalter Performance Watcher zunehmend als ein Marketing-Instrument einsetzen, um ihre Dienstleistungen bei ihren jetzigen wie auch ihren potenziellen Kunden in das beste Licht stellen zu können. Performance Watcher will sich als Qualitätslabel oder Norm etablieren, wie beispielsweise „Intel Inside“ bei PC-Herstellern. Für Verbraucher und Öffentlichkeit ist das ein schlagender Vorteil.

Wie ist der aktuelle Stand bei Ihren Entwicklungen?
Wir müssen mit grundlegenden technischen Entwicklungen Schritt halten und die Plattform kontinuierlich aktualisieren und ihre Sicherheit, Attraktivität und Benutzerfreundlichkeit weiter optimieren. Im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit wenden wir uns zunehmend an die Entwickler von PMS-Software, damit sich Performance Watcher besser in die Wertschöpfungskette integrieren lässt.
Neben diesen technischen Entwicklungen werden wir an unserer Kommunikation in der Öffentlichkeit arbeiten. Wir werden weiter eng mit den Vermögensverwaltern zusammenarbeiten, uns gleichzeitig aber auch direkt an ihre Kunden und an die Akteure wenden, die sie repräsentieren, also an Family Offices und Treuhänder.
Bisher konnten wir noch keine direkten Partnerschaften mit allen in der Schweiz tätigen Banken aufbauen, denn noch fehlen UBS und Crédit Suisse. Allerdings bieten wir deren Kunden die Überwachung ihrer Strategy Funds für die Kategorien ‚niedriges, mittleres und hohes Risiko‘ an. Auf Performance Watcher findet jeder Abonnent, was er sucht.

Wo liegt heute Ihr Wachstumspotenzial?
Eindeutig auf dieser B2C-Schiene. Wir brauchten aber eine B2B-Strategie, um die Maschinerie in Gang zu setzen, eine kritische Grösse zu erreichen und so an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Beides haben wir nunmehr erreicht. In letzter Zeit haben wir zudem festgestellt, dass die Begünstigten, die Treuhänder und die Family Offices, an uns herantreten, um Mitglied der Community zu werden. Sie wollen Garantien für die Verwaltung ihrer Konten und belastbare Informationen. Wir können ihnen heute mehr Transparenz in bezug auf Performance und Risikokontrolle bieten.
Darüber hinaus wollen wir die Kontaktaufnahme zwischen Kunden und Vermögensverwaltern erleichtern. Hierzu haben wir jetzt einen anonymen Messaging-Dienst eingerichtet, jedenfalls bis die Vermögensverwaltungsspezialisten ihre Anonymität freiwillig aufheben. Diese Funktion ermöglicht Kunden die Kontaktaufnahme mit einem Vermögensverwalter, dessen Ergebnisse ihnen bei einem Vergleich aufgefallen sind – zunächst anonym und bei beidseitigem Interesse schliesslich auch persönlich. Wir wählen die kontaktbereiten Vermögensverwalter sorgfältig aus – ein kostenloser Service von uns –, weil wir so unsere Unabhängigkeit bewahren und Interessenskonflikte vermeiden können, Zudem bieten wir Vermögensverwaltern die Möglichkeit, durch diese Transparenz neue Kunden zu gewinnen.
Das sind die Entwicklungsachsen, die auf unseren Grundwerten beruhen und die wir uns für Performance Watcher vorstellen. Für die Wealth-Management-Branche eröffnen sich derzeit phantastische Perspektiven.

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