«Octogone wird sehr schnell viel mehr als ein Brückenkopf sein»

137
0
Share:

Interview mit Ivan Peruffo, Octogone

Ivan Peruffo, der lange Zeit bei Pictet für die externen Vermögensverwalter auf dem Westschweizer Markt zuständig war, wechselt die Seiten. Er übernimmt die Leitung von Octogone, einer der grössten unabhängigen Vermögensverwalter der Schweiz, der im Frühjahr von dem amerikanischen Konzern Focus Financial Partners übernommen wurde.

Was hat Sie dazu veranlasst, sich Octogone anzuschliessen?
Der Wechsel zu Octogone ist vor allem eine einmalige Chance, die ich angeboten bekam, nachdem ich fast 20 Jahre lang unabhängige Vermögensverwalter betreut habe, wobei Octogone, einer meiner wichtigsten Kunden war.
Ausserdem ist er für mich der perfekte Schritt, um mit 50 Jahren, nach einer langjährigen Tätigkeit in einem Segment des Bankensektors, das ich sehr schätze, eine anspruchsvolle neue Herausforderung anzunehmen. Der Wechsel auf die Kundenseite und die Möglichkeit, an zentraler Stelle mitzuentscheiden, waren weitere Gründe für mich, diesen Wechsel zu vollziehen.

Welche Aspekte motivieren Sie am meisten?
Es gibt zwei Aspekte, die mich ungemein motivieren. Erstens schliesse ich mich einer Organisation an, die einen soliden Erfolgsausweis und einen guten Ruf besitzt und über kompetente, gut organisierte Teams verfügt. Zweitens kenne ich die Teams zum Grossteil schon persönlich und freue mich entsprechend auf die Zusammenarbeit, bei der wir unsere jeweiligen Kompetenzschwerpunkte bündeln werden, um ehrgeizige Ziele zu erreichen. Unser Umfeld befindet sich nämlich mitten im Wandel und die Anforderungen steigen. Diese Herausforderung annehmen zu können, dazu noch mit einem Partner wie Focus, ist eine einmalige Chance.

Lassen Sie mich diesen Punkt aufgreifen: Inwieweit sollen Sie mit Octogone als Brückenkopf für die Entwicklung von Focus in der Schweiz fungieren?
Nach einer erfolgreichen Entwicklung in den USA ist Focus in diesem Sommer in den Schweizer Markt eingestiegen. Wie Sie wissen, ist Focus eine Partnerschaft, aus  87 unabhängigen Unternehmen in den USA, Australien, Kanada und England mit einem verwalteten Gesamtvermögen von über 350 Milliarden US-Dollar. Der Schwerpunkt des Konzerns liegt ganz klar auf Wachstum, und die Schweiz ist für ihn ein neuer Markt voller attraktiver Gelegenheiten für unabhängige Vermögensverwalter.
Sein Geschäftsmodell ist originell und ziemlich neu für die Schweiz. Es verdient es, dass man sich länger damit beschäftigt, um das grosse Potenzial zu entdecken, das es einem Vermögensverwalter in Sachen Lösungen bieten kann. Octogone bleibt ein unabhängiges, partnergeführtes Unternehmen, schliesst sich aber einem strategischen Partner an, der über eine Menge Ressourcen verfügt, unter anderem auch über Kapital, um mehr Wachstum zu generieren. Ich bin überzeugt, dass Octogone sehr schnell viel mehr als ein Brückenkopf sein wird.

Bei Pictet konnten Sie viele Erfahrungen sammeln. Von welchen werden Sie bei der Leitung von Octogone am meisten profitieren?
Vor allem die Leitungs- und Führungskompetenzen, die ich bei Pictet erwerben konnte, werden sicherlich sehr nützlich sein, wenn man sich ansieht, wie gross für die Octogone-Gruppe die zukünftigen Herausforderungen liegen. Hinzu kommen zweifellos bestimmte Pictet-Unternehmenswerte, die mir schon immer am Herzen lagen, wie beispielsweise exzellente Leistung, Unabhängigkeit, Unternehmensgeist und eine langfristige Vision. Nach diesen Werten werde ich mich auch weiterhin richten. Ferner verfüge ich, nachdem ich fast 20 Jahre lang für UVV zuständige Abteilungen geleitet habe, nicht nur über ein Netzwerk, sondern auch über einen Gesamtüberblick über deren Herausforderungen und Bedürfnisse.

Welche Chancen bieten sich Octogone auf dem Vermögensverwaltungsmarkt aktuell?
Chancen gibt es reichlich. Ein Unternehmen wie Octogone kann seine Entwicklung dank seiner Grösse und Erfahrung durch internes Wachstum und die Gewinnung von Talenten vorantreiben. Mit Focus profitieren wir von der umfassenden Unterstützung und Erfahrung eines bewährten Konsolidierers, der mit aussergewöhnlichen Ressourcen ausgestattet ist.
In diesem Umfeld, das sich mitten im Wandel befindet, stellt Octogone eine attraktive Gelegenheit für Vermögenswalter dar, die sich einem starken Partner anschliessen wollen. Das ist unsere Positionierung für die Zukunft, wobei wir hohe Ziele verfolgen, und zwar nicht nur in Bezug auf das Wachstum, sondern auch auf die organisatorische und technologische Effizienz. Dazu sind hohe Investitionen vorgesehen.

Wie wird aus Ihrer Sicht die Konsolidierungswelle im Bereich der Schweizer UVV weitergehen?
Die von vielen Unternehmen ungeduldig erwartete Konsolidierung ist zaghaft angelaufen, könnte sich aber in den nächsten Monaten etwas beschleunigen, weil am Jahresende die Frist für die Abgabe des Bewilligungsgesuchs bei der FINMA endet. Diese Frage kommt immer wieder auf, und interessanterweise sind die Akteure der Branche geteilter Meinung. Manche erwarten eine schnelle und umfassende Konsolidierung; andere glauben trotz der neuen Auflagen der FINMA immer noch nicht daran.
Ich persönlich bin der Meinung, dass es abgesehen von den Unternehmen, die noch in diesem Jahr eine Lösung wollen, keine schnelle Konsolidierung des Marktes geben wird. Denn der Markt besteht hauptsächlich aus Käufern, und aus meiner Sicht gibt es kaum Unternehmen mit mehr als fünf Mitarbeitern oder einem Kapital von mehr als 100 Millionen CHF, die eine Annäherung oder den Verkauf ihres Geschäfts ins Auge gefasst haben. Allerdings dürfte der Anstieg der Prüfungs-, Konformitäts- und Compliance-Kosten sowie der Margendruck in den kommenden Jahren mehr als die Hälfte der UVV veranlassen, über Partnerschaften, Fusionen, die Teilnahme an einer Plattform oder sogar den Verkauf ihres Geschäfts nachzudenken.

Ivan Peruffo kam im Oktober 2022 als CEO der Gruppe zu Octogone. Er bringt Erfahrung aus dem Bankensektor und insbesondere aus dem Bereich der unabhängigen Vermögensverwalter mit. Zuvor war Peruffo bei Pictet Asset Services unter anderem für den Bereich unabhängige Vermögensverwalter verantwortlich. Von 2001 bis 2008 war er bei SG Private Banking (Schweiz) tätig, wo er die Abteilung für Vermögensverwalter aufbaute und leitete, nachdem er zuvor für das Kundenregister und die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich war. Peruffo begann seine Karriere bei Ernst & Young, wo er fünf Jahre lang als Auditor für den Bankensektor tätig war. Er hat einen Master in Ökonometrie und einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften von der Universität Genf.

Share: