Patrick Müller, Zwei Wealth „Am besten funktionieren Transparenz und Wettbewerb“

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Interview mit Patrick Müller, Zwei Wealth
Von Fabienne Bogádi – Fotos Jürg Kaufmann

CEO Patrick Müller hat eine sehr genaue Vorstellung von dem, was einen guten Finanzberater ausmacht. Er ist der Auffassung, dass für einen Kunden nicht nur ein Risikoprofil passt, sondern mehrere Anlageziele mit unterschiedlichen Risikostrukturen. Deshalb hat er mit seinen Teams ein Allokationsmodell entwickelt, das ausschliesslich auf diese Anlageziele aufgerichtet ist. Ausführungen eines kreativen CEO, der stets neue Wege beschreitet.

Auf der Website von Zwei Wealth ist zu lesen, dass Sie die Finanzdienstleistungen in der Schweiz verbessern wollen. Welche Punkte müssen Ihrer Ansicht nach hauptsächlich optimiert werden?
Patrick Müller: Dem heutigen Finanzplatz Schweiz fehlt es, wie übrigens allen Finanzplätzen weltweit, an Transparenz und Wettbewerb. Die Angebote und die Leistungen von Vermögensverwaltung sind für die meisten Anleger kaum zu überblicken, geschweige denn können sie einschätzen, welche gut sind. So fällt es leider sogar schlechten Vermögensverwaltern leicht, sich im Markt zu behaupten und das färbt auf alle negativ ab, was mit ein Grund ist, weshalb die Branche einen schlechten Ruf geniesst. Wir sind überzeugt, dass hier eine grosse Chance für den Schweizer Finanzplatz liegt. Gelingt es uns, den Kunden mit Transparenz und Wettbewerb die gesamte Vielfalt des Finanzplatzes aufzuzeigen, hat das eine grosse Strahlkraft.

Zwei Wealth besteht aus einem multidisziplinären Team, das
mehrere Bereiche abdeckt – Vermögensberatung und Asset-Allokation, aber auch auf vergleichende Analysen, Research und Schulung. Wie befruchten sich diese Aktivitäten gegenseitig?
Da treffen Sie einen sehr guten Punkt. In der Tat ist es so, dass das Anforderungsprofil für einen Berater bei Zwei sehr breit ist. Das ist aber durchaus gewollt. Denn eigentlich muss ein guter Berater von der Anlageallokation über die Auswahl von Verwaltern bis hin zu deren Kontrolle ein gutes Fachwissen haben. Denn wenn er/sie das nicht liefern kann, ist Beratung nicht denkbar.

Können Sie uns Ihr Asset-Allokationsmodell erläutern, das auf einer Kombination empirischer und wissenschaftlicher Ergebnisse beruht? Wie sieht dieser Ansatz in der Praxis aus?
Bei den herkömmlichen Modellen für die Vermögensallokation werden private Anleger klassischerweise nach Risikoprofilen unterteilt. Das ist in zweierlei Hinsicht falsch. Zum einen haben Kunden nicht ein Risikoprofil, sondern mehrere Ziele mit unterschiedlichen Risikostrukturen. Zum anderen lässt sich eine sogenannte Portfoliooptimierung für den üblichen Anlagehorizont von ein paar Jahren nicht bewerkstelligen, weil die Prognosefähigkeit über die Renditen schlicht zu fehlerhaft ist. Entsprechend haben wir in unserem Beratungsansatz ein Allokationsmodell entwickelt, das komplett zielbasiert ist. So werden für jeden Kunden die Ziele unterschieden und die dafür passende Portfoliostruktur definiert. Ein Kunde hat vielleicht drei Ziele. Er/sie will den eigenen Lebensstandard sicherstellen, den Kindern ein Startkapital zur Verfügung stellen und selber unternehmerische Tätigkeiten fördern und partizipieren. Die dazu passenden Portfolios sind komplett unterschiedlich und haben mit Risikoprofilen heutigen Standards nichts gemein.

Sie haben ein neues Ökosystem für die Vermögensverwaltung geschaffen. Was unterscheidet dieses System von anderen, traditionelleren Systemen?
Das Ecosystem von Zwei Wealth ist das einzige offene und transparente System – notabene weltweit. Was heute unter dem technischen Begriff Open Banking diskutiert wird, haben wir bereits viel breiter in die Realität umgesetzt. Denn offen bedeutet, dass der Kunde Banken, Vermögensverwalter, Dienstleister und Berater in einem System zusammenfassen und frei kombinieren und vergleichen kann. Banken und Vermögensverwalter bieten heute aber nur geschlossene Systeme an – man muss das kaufen, was diese anbieten, auch wenn es bessere oder günstigere Angebote woanders gibt. Solche offenen Ökosysteme kennen wir alle bereits heute von anderen Branchen. In der Finanzwelt versuchen aber noch immer alle, sich möglichst abzuschotten.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Ausschreibungsplattform zu entwickeln? Wie funktioniert sie und welchem Zweck dient sie?
Die Ausschreibungsplattform ist der Inbegriff der Zwei-Idee : Transparenz und Wettbewerb. Insofern lag die Idee für die Ausschreibungsplattform auf der Hand. Wir wollten als Berater für die Kunden einfach das jeweils beste Angebot finden. Dazu funktioniert nichts besser als Transparenz und Wettbewerb. Das funktioniert in der Realität so, dass die Berater bei Zwei mit dem Kunden die Anforderungen für ein Portfolio definieren. Dieser Anforderungskatalog (Request for Proposal – RfP) wird dann auf der Ausschreibungsplattform für alle Anbieter zugänglich aufgeschaltet. Nun können alle Banken und Vermögensverwalter ihre Angebote gemäss einer Vorlage einreichen. Die Angebote werden dann nach einer eigens entwickelten Methodik analysiert und mit dem Kunden besprochen. Die Besten erhalten dann die Möglichkeit, sich persönlich dem Kunden vorzustellen. Wichtig dabei ist, dass das alles komplett kostenlos für die Banken und Vermögensverwalter ist, sodass wirklich alle mitmachen können. Zwei wird nur vom Kunden bezahlt. Fast so wichtig wie die Zusage eines Kunden ist für die Vermögensverwalter aber auch, dass sie am Schluss eine Tabelle erhalten, in der sie sehen, wie gut sie im Quervergleich waren. So können diese lernen und sich verbessern.

Ist eigenes, unabhängiges Research für Zwei Wealth wichtig? Falls ja, aus welchem Grund?
Unabhängiges Research bezieht sich bei Zwei vor allem auf die Analyse von Banken und Vermögensverwaltern. Wir verfügen heute wohl über den grössten Datensatz und Analysen über Vermögensverwaltungslösungen in der Schweiz. Darin enthalten sind Angaben zu über 400 Banken und Vermögensverwaltern und gegen 5’000 unterschiedliche Portfolioarten. Das ermöglicht uns Analysen für Kunden zu tun, die jemand anderes schlicht nicht machen könnte. Sogar Banken und Verwalter kommen zu uns, wenn sie wissen wollen, wie gut sie sind.

Wie kann Mehrwert für Kunden generiert werden? Geht es nur um die Portfolioperformance oder zählen noch andere Faktoren?
Das ist in der Tat die zentrale Frage. Denn Fakt ist, dass sich der Wert einer Dienstleistung im Rahmen der Vermögensbetreuung nicht nur an Rendite messen lässt. Der Wert für die Kunden liegt vielmehr darin, dass sich dieser darauf verlassen kann, dass die Vermögensanlagen im Sinne des Kunden erfolgen. In erster Linie bedeutet dies, dass die individuellen Ziele im Fokus stehen und alles Notwendige für deren Erreichung getan wird. Der Kunde, die Kundin erwartet, dass seine/ihre Interessen bestens vertreten werden. Und dazu ist es ein absolutes Muss, dass harte Fakten wie Renditen und Kosten verglichen und transparent gemacht werden. Denn nur Transparenz schafft nachhaltiges Vertrauen.

Wie kann man angesichts der Corona-Krise, angeschlagener Finanzmärkte und historisch niedriger Zinsen noch Rendite
für Kunden erzielen?
In der Tat war die Corona-Krise ein guter Test für den Zwei-Ansatz. Und der Test verlief sehr gut. Denn erstens hat jeder Kunde im Zwei System ein Anlagereglement mit einer umfassenden Liquiditätsplanung. So kam bei den Kunden erst gar nie Hektik auf, im Gegenteil. Zweitens ist es besonders in einer Krise wichtig auf eine unabhängige Meinung zählen zu dürfen. Weil wir ja selber kein Geld verwalten und mit keiner Bank verbandelt sind, konnten wir die erzielten Resultate unabhängig einschätzen. Das gibt viel mehr Sicherheit, als wenn Ihnen Ihr Vermögensverwalter oder Ihre Bank sagen, alles sei in Ordnung, denn schliesslich können die nichts anderes sagen, ohne sich selber zu schaden.

Sie interessieren sich leidenschaftlich für Weltgeschichte. Gewinnen Sie als Wealth Management-Experte dadurch neue Erkenntnisse?
Geschichte hat mich schon immer fasziniert und war ursprünglich auch mein geplanter Studiengang. Es gibt einen sehr schönen Satz über Geschichte, der meine Passion erklärt : « Ein Verständnis über Geschichte kann nicht helfen, die Zukunft besser vorherzusagen, aber es hilft, mehr Optionen für die Zukunft zu denken. » Genau das Gleiche gilt für die Verwaltung von Vermögen. Wir müssen die Optionen denken können, denn die Zukunft können wir nicht vorhersagen.

Auf der Website von Zwei Wealth ist zu lesen, dass Ihr Unternehmen Wert auf „Freude an der Arbeit“ legt. Wie erreicht man dieses Ziel? Wie unterschiedet sich Ihr Unternehmen vor allem in puncto Ergebnisse von anderen, die ihre Mitarbeiter kontrollieren und unter Druck setzen, um sie zu Leistung anzutreiben?
Freude ist die Grundlage für gute Arbeit. Leider ist diese in der Finanzindustrie nicht mehr automatisch gewährleistet und ich behaupte, der Kunde merkt das. Bei Zwei legen wir höchsten Wert darauf, dass sich alle selbstbestimmt einbringen können und maximale Freiheitsgrade gelten. Schon seit unserer Gründung vor fünf Jahren gilt zum Beispiel, jeder/jede bestimmt den eigenen Tagesablauf selber. Wer von zuhause arbeiten will, arbeitet von zuhause. Das geht natürlich nur dann, wenn eine entsprechende Unternehmenskultur herrscht und jeder/jede als Mitunternehmerin denkt.

Ihre kreative Strategie und Ihre Grundwerte sind in der Finanzwelt einzigartig. Ist diese Originalität Ihr Markenzeichen? Inwiefern heben Sie sich von Ihren Wettbewerbern ab?
Eigentlich sind unser Ansatz und sind unsere Werte lediglich so, wie heute die meisten modernen Dienstleistungsunternehmen funktionieren. Dass dies in der Finanzbranche als innovativ erscheint, zeigt lediglich, wie viel Aufholbedarf hier besteht.

 

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