Philippe Bens, Caceis Suisse: «Die Digitalisierung ist ein wesentliches Element unseres Angebots»

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Von Jérôme Sicard – Photos : Karine Bauzin

Die Schweizer Tochtergesellschaft des Spezialisten für Asset Servicing CACEIS hat sich mit der digitalswitzerland-Plattform zusammengeschlossen, deren Ziel die eine rasche Umstellung der Schweiz auf das digitale Zeitalter ist. Für ihren Leiter Philippe Bens steht fest, dass die Gruppe mit der Marktentwicklung Schritt halten muss und digitale Technologien für ihre Expansion unabdingbar sind.

Welche Gründe hat CACEIS bewogen, dem Netzwerk digitalswitzerland beizutreten?
Die Mitwirkung an einer Initiative, die die grössten Akteure der schweizerischen Wirtschaft ebenso wie die höchsten eidgenössischen Bundesinstanzen zusammenbringt, erschien uns sehr interessant. In digitalswitzerland sind alle Sektoren vertreten. Damit bietet sich die Gelegenheit, Führungskräften aus Konzernen wie Roche, Novartis, Nestlé und verschiedenen anderen zu begegnen!

Welche Vorteile versprechen Sie sich auf längere Sicht aus Ihrem Beitritt?
In Sachen Marketing verschafft uns der Beitritt zu digitalswitzerland sofort eine grössere Sichtbarkeit. Zudem können wir hierdurch die Entwicklung unserer digitalen Strategie in der Schweiz optimal zur Geltung bringen – das ist ein zentrales Element unseres Angebots. Ausserdem profitieren wir hierdurch von der kontinuierlichen Beobachtung regulatorischer ebenso wie technologischer Entwicklungen. Dies ist immer notwendig, um uns im Verhältnis zum Markt zu positionieren.

Abgesehen von Crédit Suisse, UBS, Pictet, Julius Baer, BNP Paribas und CACEIS treten letztendlich nur sehr wenige Banken bei digitalswitzerland in Erscheinung. Denken Sie nicht, dass der Bankensektor in der Schweiz ein eigenes digitalswitzerland verdient?
Ja, das ist durchaus möglich. Doch der Bankensektor in der Schweiz ist stark fragmentiert. Die einzelnen Institute positionieren sich dabei in ganz unterschiedlichen Bereichen wie z. B. im Retail Banking, Investment Banking, Wealth Management oder Asset Management. Natürlich sind sie aber auch jeweils mit ganz verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Man bräuchte fast schon ein digitalswitzerland für jedes einzelne Segment!

Haben Sie den Eindruck, dass der Finanzsektor in Sachen Digitalisierung im Hintertreffen liegt?
Diesen Eindruck habe ich offen gesagt nicht. Nach meiner Ansicht ist es beispielsweise den Retail-Banken gelungen, sehr gute Lösungen für ihre Kunden zu implementieren. Ich würde vielmehr sagen, dass die Schweiz eine Vorreiterrolle spielt. Man muss sich nur einmal ansehen, wie leicht FinTechs mit Unterstützung der Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden in die Bankenlandschaft integriert wurden. So hat sich die FINMA bereits zur «Sandbox»-Regelung geäussert. Auch die Inkubatoren der EPFL und der ETZ oder Akzeleratoren wie F10, Fusion und Kickstart sind ebenfalls sehr aktiv. Wenn ich die Partnerschaft zwischen Vontobel und Taurus zur Entwicklung der sicheren Speicherung von digitalen Vermögenswerten betrachte, kann ich nur sagen, dass wir die Improvisationsphase hinter uns gelassen haben und allmählich wirkliche Lösungen umgesetzt werden.

Wie sehen Sie augenblicklich die Veränderungen im Asset Servicing durch die Digitalisierung?
Die Digitalisierung ist für uns ebenso wie für andere Sektoren mit sehr disruptiven Effekten verbunden. Sie wirkt sich auf mehrere Glieder in der Wertschöpfungskette aus. Die grössten Veränderungen finden aber vor allem im Bereich der Kundenbeziehungen statt. Innovationen, die nicht digital sind, gibt es nicht mehr. Unter den Begriff «Digitalisierung» fallen dabei auch Big Data, künstliche Intelligenz, Blockchain oder Roboter.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung nach Ihrer Ansicht auf das Asset Management?
Das ist ein echter Gewaltmarsch im Eiltempo, denn die regulatorischen Vorgaben zwingen Asset Manager inzwischen zu Fortschritten, ohne dass sie ihr Schicksal selbst bestimmen können. Ob es nun um die Verwaltung ihrer Daten z. B. im Reporting oder um ihre kaufmännische Umsetzung geht, sie entscheiden nicht wirklich selbst über ihre Spezifikationen. Das fällt mehr in den Zuständigkeitsbereich der Aufsichtsbehörde.

Kommen wir auf einen Punkt zurück, den Sie vorhin erwähnten: die digitale Strategie von CACEIS – wie sieht es hiermit aus?
Seit bald zwei Jahren arbeiten wir Schritt für Schritt an der Umgestaltung der gesamten Kette, indem wir die Ressourcen der Digitalisierung nutzen. Dies gilt vor allem für den Bereich Daten. Für uns bei CACEIS hat dies vordringliche Bedeutung, denn es geht darum, die Kundenerfahrung weiter zu verbessern und für noch mehr Klarheit, Reibungslosigkeit und Kontrolle über die Daten zu sorgen.

Welche Formen kann das konkret annehmen?
Wir haben zum Beispiel das Reporting-Tool für unsere Kunden anhand einer Big-Data-Architektur überarbeitet, um den Zugang zu zahlreichen Daten, die aus ihren Transaktionen entstehen, zu vereinfachen. Die ergonomische Gestaltung wurde optimiert, wir haben eine Version für Tablets entwickelt sowie ein bereichsübergreifendes Dashboard geschaffen. Letztendlich erhalten unsere Kunden so einen besseren Überblick über ihre Portfolios und ihre Transaktionen.
Das Interessanteste ist aber die Art und Weise, wie wir bei der Weiterentwicklung dieses Tools vorgegangen sind. Wir haben uns hierbei nämlich das Crowdsourcing zunutze gemacht. Wir haben ein Innovation Lab geschaffen und unsere Kunden aufgefordert, uns ihre Wünsche und Erwartungen an das Reporting mitzuteilen. Auf diese Weise waren sie in die Entwicklung der Plattform eingebunden!

Was haben Sie neben dem Reporting sonst noch auf den Weg gebracht?
Wir haben das gesamte ESG-Angebot digitalisiert, denn Asset Manager sind hierbei inzwischen zu einem spezifischen Reporting verpflichtet. Über unser Portal können sie diese Aufgabe heute ganz leicht abwickeln, weil wir alle Abläufe automatisiert haben.
Des Weiteren haben wir die Plattform Peres für Manager in den Bereichen Private Equity, Infrastruktur, Private Debt und Immobilien, die die administrative und finanzielle Verwaltung ihrer Fonds auslagern wollen, ins Leben gerufen. Mit Peres können sie rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche sämtliche Daten ihrer Portfolios und ihrer Anlegerregister von einem PC, Tablet oder Smartphone aus quasi in Echtzeit verfolgen.

In welchen Bereichen ist CACEIS nach Ihrer Einschätzung heute am weitesten fortgeschritten?
Nach meiner Meinung haben wir mit den Reporting-Lösungen, die wir für unsere Kunden entwickelt haben, einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben das gesamte Potenzial der Digitalisierung und vor allem der künstlichen Intelligenz effektiv genutzt, um eine sehr viel intuitivere Arbeitsumgebung zu schaffen. Die von uns eingerichteten Funktionalitäten analysieren das Verhalten unserer Kunden und antizipieren die Anfragen, die dann folgen. Wir bewegen uns überhaupt nicht mehr in einer Logik, die auf dem Prinzip Server, Verzeichnis, Unterverzeichnis, Unterunterverzeichnis usw. beruht. Und die Menüleiste ist nicht mehr der einzige mögliche Weg, wie sie dies lange Zeit war. Jetzt schlägt das Tool verschiedene Aufgaben und verschiedene Wege vor, je nachdem, welche Anfragen die Benutzer eingeben.

Und in welchen Bereichen besteht nach Ihrer Meinung vielleicht noch Nachholbedarf?
Ich glaube ganz ehrlich nicht, dass wir irgendwo Nachholbedarf haben. Es ist vielmehr offensichtlich, dass wir den Weg der Innovation weiter verfolgen und für unsere Kunden weiter neuartige Lösungen finden müssen. Die Ermittlung ihrer Bedürfnisse mit Hilfe des Crowdsourcings werden wir ganz sicher fortsetzen. Beim Reporting war die Resonanz aufseiten unserer Kunden hervorragend. Dass wir unsere Kunden frühzeitig in unsere Aktivitäten eingebunden haben, ist bei ihnen auf positives Echo gestossen. Für uns war es auf jeden Fall sehr angenehm, mit unseren Kunden Beziehungen aufzubauen, die stärker von partnerschaftlichem Denken geprägt sind.

Philippe Bens verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Asset Servicing. 1994 hat er die Leitung der Geschäftstätigkeiten der Depotund Verwahrungsbank Indosuez Luxemburg übernommen, bevor er Senior Project Manager bei Fastnet Luxemburg wurde, wo er mit dem Kommunikationsfluss der Kunden betraut wurde. 2002 wurde er zum Direktor der Geschäftsentwicklung für die Schweiz, die Benelux-Länder, Skandinavien und den Mittleren Osten ernannt. 2008 ging er nach Nyon, um die Leitung von CACEIS in der Schweiz zu übernehmen. Mit der Gründung der CACEIS Bank Switzerland Branch im Jahre 2015 wurde Philippe zum Senior Country Officer und Head of Regional Coverage für alle Aktivitäten von CACEIS in der Schweiz befördert.

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