Pius Zgraggen, OLZ „Der Schritt von OLZ in die Westschweiz folgt einer natürlichen Entwicklung“

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Interview mit Pius Zgraggen, OLZ
Von Eugénie Rousak – Fotos Jürg Kaufmann

Der Berner Vermögensverwalter OLZ ist seit kurzem auch in der Westschweiz vertreten. Die neue Niederlassung in Lausanne ergänzt die bestehenden Geschäftsstellen in Bern und Zürich. OLZ stellt mit «Smart Invest» das Risiko in den Vordergrund, und nicht primär die Rendite. Die OLZ-Anlagestrategie basiert auf dem Minimum-Varianz-Ansatz, bei dem die Risikoparameter so modelliert werden, dass sie die Volatilität der Portfolios reduzieren und somit die Risikodiversifikation verbessern. Das Resultat sind stabile Portfolios, die langfristig eine bessere Rendite mit weniger Risiko abwerfen.

Im Juli 2020 hat OLZ eine Niederlassung in Lausanne eröffnet. Welche Ziele verfolgen Sie in der Westschweiz?

Pius Zgraggen: Wir haben in der Westschweiz langjährige Kunden, die bereits ein breites Spektrum an OLZ-Strategien halten, insbesondere die Investment-Stiftung Prisma Invest Foundation mit Sitz in Morges, die OLZ 2010 mit der Verwaltung ihres Schweizer Aktiengefässes beauftragt hat. Daher war die Eröffnung einer Geschäftsstelle nur logisch. Wir möchten den institutionellen Investoren in der Westschweiz die Vorteile von Minimum-Varianz-Strategien bei Aktien und Obligationen näherbringen. Dafür, und um die Marke OLZ zu entwickeln, müssen wir vor Ort präsent sein. Deshalb haben wir Delphine Multone zur Geschäftsstellenleiterin Lausanne ernannt.

Bieten Sie Asset- und Wealth Management-Dienstleistungen sowie Ihre Fonds in allen Niederlassungen an?

In der Schweiz und in Liechtenstein bieten wir die ganze Palette unserer Dienstleistungen und Produkte an. In Hongkong sind wir ein reines Fintech-Unternehmen und bieten individuell optimierte Strategien für Banken, Broker, Versicherungsgesellschaften, Family Offices und Stiftungen. Die Vermögensverwaltung wird von unseren dortigen Kundinnen und Kunden selbst wahrgenommen, aufgrund unserer Empfehlungen.

Warum haben Sie bei der Gründung von OLZ auf die Minimum-Varianz-Strategie gesetzt?

Während unserer Uni-Jahre haben wir uns intensiv mit Unternehmensbewertung befasst und festgestellt, dass die systematische Identifikation von unter- oder überbewerten Aktien bei liquiden, handelbaren Titeln kaum möglich ist. Somit fällt die „Stock-Picking“ Variante  weg, was auch der Random-Walk-Theorie entspricht, die besagt, dass Renditeprognosen auch mit leistungsfähigsten Tools und mathematischen Methoden nicht möglich sind. Deshalb haben wir uns intensiv mit der Portfoliotheorie von Markowitz beschäftigt. Markowitz hat aufgezeigt, dass es ein einziges Portfolio gibt auf der sog. Effizienzlinie, das zur Ermittlung der Gewichtung seiner Assets sich nicht an der erwarteten Rendite orientiert, sondern am Risiko: das Minimum-Varianz-Portfolio. Es ist kein Garant für eine hohe Rendite, ermöglicht aber den Aufbau eines Portfolios mit einem im Durchschnitt signifikant geringeren Risiko.

Worin besteht dieser Ansatz konkret?

Unsere Aktien Welt Strategie weist zum Beispiel ein Risiko auf, das durchschnittlich 25% bis 35% niedriger ist, als das des MSCI Welt Index. Mit diesem Ansatz kann der Aktienanteil in einem Portfolio bei gleichem Risikoniveau erhöht werden. Statt 30% des Portfolios in Aktien zu investieren, ist es möglich, die Aktiengewichtung bei gleichem Risiko auf 38% zu erhöhen. Bei einem Aktienanteil von 38% im Portfolio ist die Aktien-Risikoprämie entsprechend höher, und somit auch die Rendite – ohne dass man dafür mehr Risiko eingehen muss.

Erklärt dies den Nachteil von Index-Strategien?

Die Index-Strategie ist sehr einfach. Wer beispielsweise den MSCI World Index wählt, braucht sich keine Gedanken über die Umsetzung und die Gewichtung der einzelnen Titel zu machen. Er kauft den Index und fertig. Der Nachteil ist: Wer den MSCI World Index im Portfolio hält, legt in 66% US-Aktien an und hält ein Portfolio, bei dem die 10 grössten Aktien 17% des Portfolios ausmachen. Der Index ist nicht per se eine gute noch schlechte Entscheidung. Man muss jedoch sicherstellen, dass er die Anlageziele von Privatanlegern oder institutionellen Investoren erfüllt. Das Anlageziel mit einer möglichst guten Diversifikation zu erreichen, ist mit einer Indexanlage sicher nicht erfüllt.

Sie setzen auf einen individuellen Ansatz. Wie sieht er konkret aus?

Kunden mit einem grösseren Anlagevolumen und spezifischen Anforderungen bieten wir einen individuellen Ansatz. Dazu müssen wir ihre Präferenzen und Anlagebeschränkungen kennen in Bezug auf einzelne Wertpapiere, Branchen oder geografischen Anlagezonen. Wir müssen wissen, wie sie positioniert sind und wo sie ihr Exposure verändern wollen. Diese Informationen geben wir in unsere Algorithmen ein. Unser Modell ermittelt dann die optimale Asset-Allokation. Diese kundenspezifische Vorgehensweise unterscheidet uns von anderen Asset Managern der Branche. Darüber hinaus legen wir sehr viel Wert auf Transparenz und eine gute Beratung. Unserer Kundinnen und Kunden – ob institutionelle Investorin oder Privatanleger – wollen verstehen, wie sich unser Ansatz in unterschiedlichen Marktkonstellationen verhält, unter welchen Marktbedingungen wir den Index übertreffen oder eben schlechter abschneiden. Wir analysieren die Risikomerkmale ihrer Portfolios und erläutern, wie sie ihre Anlageziele erreichen können.

Zusätzlich zu dieser kundenspezifischen Verwaltung bietet OLZ eine Palette von Aktien- und Obligationenfonds sowie Mischstrategien an. Warum?

Ursprünglich hatten wir nicht vor, Fonds aufzulegen. Wir haben schnell gemerkt, dass das Bedürfnis besteht, auch kleinerer Beträge in unsere Anlagelösungen zu investieren. Nicht alle Kundinnen und Kunden können schliesslich 30 bis 40 Millionen in ein optimiertes massgeschneidertes Portfolio anlegen. Für die meisten Privatkundinnen und –kunden und institutionellen Investoren ist es wegen der Stempelgebühren und aus Gründen des Risikomanagements kostengünstiger, in einen Fonds statt in einzelne Aktien zu investieren.

Kann die Minimum-Varianz-Strategie auch in Krisenzeiten wie jetzt eingesetzt werden?

Die Coronakrise hat, wie die Finanzkrise, mehrere Phasen durchlaufen. Unser Ansatz hat nicht in allen Phasen gleich gut abgeschnitten, aber immer wie erwartet. Im Gegensatz zur Finanzkrise war der Kurseinbruch ab dem 20. Februar kurz und zog sich nur über 23 Handelstage hin. In der Finanzkrise lagen Höchst und Tief dagegen rund 400 Tage auseinander. Somit war der Renditevorsprung unserer Aktien Welt Strategie geringer als in der Finanzkrise. In der Erholungsphase, mit wieder sinkendem Risiko, lagen wir dann aber, wie erwartet, hinter dem Index. Die Minimum-Varianz-Strategie verspricht nicht in jeder Marktphase eine Out-Performance, sie gewährleistet jedoch stets ein unterdurchschnittliches Risiko. In dieser Krise hat die Volatilitätsreduktion im Durchschnitt rund 37% im Vergleich zum MSCI Welt Index betragen.

Hat die Covid-19-Krise dazu geführt, dass Sie die Parameter des Algorithmus verändert haben?

Die Covid-19-Krise hat auch unser Leben stark verändert. Die jetzige Krise verläuft anders als die letzten Wirtschafts- oder Schuldenkrisen. Diese Informationen sind in den bisherigen Datenreihen noch nicht enthalten. Da unsere Algorithmen über die Zeit „lernen“ sind diese Informationen wertvoll. Dazu brauchen wir aber nicht das Modell zu verändern. Unser Streben nach der besten Methode zur Risikominimierung ist denn auch ein kontinuierlicher Vorgang.

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