„Potenzial für die Weltspitze“

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Interview mit Simon Ehammer, Zehnkämpfer, Swiss Athletics – Von Nicolas Georgiadis

In jeder Ausgabe bitten wir eine Persönlichkeit, mit uns über den Begriff «Leistung» (oder «Performance») zu sprechen. In diesem Monat hat Simon Ehammer das Wort. Der Schweizer Zehnkämpfer gehört zu den weltgrössten Hoffnungsträgern dieser Sportart. Er wurde Europameister der Altersklasse U-20 und erzielte 2020 eine Bestleistung von 8231 Punkten, die weltweit zweitbeste Leistung des Jahres.

Woran denken Sie bei dem Wort Leistung?
Simon Ehammer: Für mich ist Leistung eine Kombination aus mehreren Elementen. Das Gefühl, wenn man eine persönliche Bestleistung knackt, wenn man mitten im Wettkampf weiss, dass das gerade erzielte Ergebnis ein Weltrekord ist. Leistung führt also zu intensiven Emotionen, weil ein Traum Wirklichkeit wird. Neben der körperlichen Anstrengung erbringen Zehnkämpfer auch eine geistige Leistung, denn sie müssen ständig die erreichten Punkte zusammenzählen! Bevor ich eine Disziplin angehen, lasse ich den Sprung, den Wurf oder den Lauf vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen, um mich mental auf die Leistung vorzubereiten und sie zu verbessern.

Was ist Ihre bislang grösste Leistung?
Eine einzige Leistung herauszupicken, wäre sehr schwierig. Kann ich drei nennen? Zunächst einmal meine Goldmedaille an den U20-Europameisterschaften 2019 in Borås in Schweden. Dann meine persönliche Bestleistung von 8231 Punkten im letzten Sommer an den Schweizer Meisterschaften im Mehrkampf in Langenthal. Und schliesslich meine erste internationale Medaille im finnischen Tampere, an der Leichtathletik-WM der Junioren 2018. Ich war wirklich überrascht, als ich sah, dass ich auf einem so hohen Niveau mithalten kann und das Potenzial habe, mich in der Weltspitze zu plazieren. Obwohl es «nur» Bronze war, hat mir diese Medaille viel Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten gegeben! Und neben dem rein Sportlichen war für mich die Wahl zum Leichtathleten des Jahres eine sehr grosse Ehre, zumal ich erst eine Saison zur Elitekategorie gehöre. Ich war gerührt, als ich sah, wie viele Mens-chen sich für den Zehnkampf interessieren und mich gewählt haben!

Was mussten Sie alles tun, um diese Leistung abzurufen?
Mein Trainer, mein Team und ich geben jeden Tag unser Bestes, um unsere Ziele zu erreichen und und unser Niveau zu verbessern. Vorher haben wir uns auf die Europameisterschaften vorbereitet, jetzt haben wir die Olympischen Spiele im Visier. Das motiviert mich gerade am meisten, um so viel Zeit und Energie in den Sport zu investieren. Normalerweise trainiere ich ungefähr drei bis fünf Stunden pro Tag, aber am Wochenende können auch 30 Stunden zusammenkommen. Mein erstes Training ist gegen 10 Uhr; ich beginne meistens mit Gymnastik oder einer Disziplin wie Weitsprung oder Hochsprung. Am Nachmittag folgen zwei weitere Einheiten, und abschliessend gehe ich zur Entspannung joggen.

Welche Performer inspirieren Sie am meisten, egal auf welchem Gebiet?
In der Leichtathletik: Trey Hardee, ein amerikanischer Zehnkämpfer, der die Silbermedaille an den Olympischen Spielen in London gewann. Als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich noch klein; das war eine sehr prägende Erfahrung. Allgemein fallen mir Michael Jordan und Arnold Schwarzenegger ein, denn sie wissen, was es bedeutet, im Leben mehr als eine Sache zu machen und dabei der Beste zu sein. Diese Entschlossenheit dient mir jeden Tag als Vorbild, um mich für die Olympischen Spiele in Tokio zu motivieren!

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