Präzisionsarbeit am Cornalin

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In jeder Ausgabe von Sphère präsentieren Ihnen Catherine Cornu und Stéphane Meier, zwei passionierte Weinliebhaber, grosse Schweizer Weine. In diesem Monat geht es um den Cornalin von Claudy und Shadia Clavien in Miège.

Claudy Clavien hat 1986 die Cave des Champs in Miège gegründet. Unterstützt wird er von seiner Frau Joëlle, in deren Händen die Verwaltung und die Organisation des Weinguts liegt. Inzwischen arbeitet mit Shadia auch eine seiner drei Töchter mit. Sie hat an der Haute Ecole de viticulture et d’œnologie in Changins eine dreijährige Ausbildung zur Weinbauingenieurin gemacht.

Um Wein zu machen, muss man bei der Rebe ansetzen; das wird jeder Winzer bestätigen. Claudy Clavien hat viel Zeit aufgewendet, um die optimalen Standorte für seine Rebsorten herauszufinden. Beispielsweise für den Pinot Noir, eine seiner Kultreben. Diese Reben stehen oberhalb von Sierre auf einer Höhe von fast 700 Metern, damit die Frucht und die Frische des Weins bewahrt wird.

Der Schwerpunkt liegt auf der Ausgewogenheit der Pflanzen, um zu grosse Erträge und eine übermässige Schwere zu vermeiden und die Konzentration der Beeren-Inhaltsstoffe zu optimieren. Die Reife der Früchte ist sehr wichtig, um die Frische und die Struktur zu bewahren. Das Ziel von Claudy Clavien und Shadia ist ein Weinbau, der noch mehr in Einklang mit der Natur steht. Das Weingut strebt schon bald die «Bio»-Zertifizierung an.

Die Cave des Champs vinifiziert zurzeit sechs Weissweine, und acht Rotweine. Der Wein, den wir hier vorstellen, ist ein im Edelstahltank ausgebauter Cornalin 2019.

Cornalin wird spät reif und stellt hohe Ansprüche an den Winzer. Fast wäre diese Rebsorte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz aufgegeben worden. Nachdem einige Winzer sich wieder darauf besonnen haben, beträgt die Anbaufläche im Wallis nun ungefähr 120 Hektar. Laut dem Rebenkundler José Vouillamoz müsste der Cornalin eigentlich «Rouge du Pays» heissen, denn der genetische Ursprung des Cornalin liegt im Aostatal. Bei den dortigen Weinen der Rebsorte Cornalin handelt es sich in Wirklichkeit aber um Trauben, die im Wallis «Humagne Rouge» heissen!

Der Cornalin mit seinen würzigen und Schwarzkirschnoten ist zweifellos einer der grössten Walliser Weine. Als junger, fruchtbetonter Wein ist er köstlich, aber er weist auch eine sehr gute Alterungsfähigkeit auf. Der Cornalin besitzt nicht nur ein fantastisches, dunkles Kirschrot mit violettem Schimmer, sondern auch eine aussergewöhnlich kraftvolle Frucht, viel Kraft, aber auch viel Frische.

Degustation: Dunkle, kirschrote Robe mit violettem Schimmer. In der Nase entwickelt er Aromen von Kirschkernen, Brombeere, Heidelbeere sowie Kräutern mit leicht rauchigen Rösttönen. Geradlinig und saftig im Antrunk mit ausgeprägten, eleganten Tanninen. Lang im Abgang mit sehr schöner Säurestruktur. Dieser Wein passt zu rotem Fleisch (grilliert oder an Sauce) und zu bestimmtem Geflügel wie Ente, Taube oder einem schönen Freiland-Perlhuhn.

Catherine Cornu und Stéphane Meier sind zwei grosse Liebhaber des Weins, dem sie ihre Freizeit widmen. Sie nehmen an zahlreichen Verkostungen teil und haben mit der Schweizer Mannschaft bei der von der Revue des Vins de France veranstalteten Weltmeisterschaft für Weinverkostung 2018 den 6. Platz belegt. 2011 gründeten sie «VINvitation», um ihre Weinleidenschaft mit anderen zu teilen. Über VINvitation organisieren sie Events à la carte für Privatpersonen und Unternehmen mit Themenabenden,
die nach dem Prinzip «Aufeinander abgestimmte Weine und Speisen» gestaltet werden.
Mehr informationen: www.vinvitation.ch

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