Serge Pavoncello, Präsident des VSV „Ein durchdachtes Angebot von Vermögensverwaltern für Vermögensverwalter“

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Interview mit Serge Pavoncello, Präsident des VSV

Mit dem Start der AOOS, seiner Aufsichtsorganisation, gedenkt der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) seine Tätigkeiten in vier Stoss-richtungen zu entfalten: die Rechtsberatung, die Aus- und Fortbildung, die Interessenvertretung seiner Mitglieder, sowie die Solutions. In diesem Interview zeichnet Serge Pavoncello die grossen Linien dieses Dinestleistungsangebotes nach und ruft nebenbei den Daseinszweck des VSV in Erinnerung.

Wie wählt man sich seine Aufsichtsorganisation aus?
Serge Pavoncello: Genau gleich wie bei der gesetzlichen Krankengrundversicherung, werden auch die AO’s im gleichen Rechtsrahmen und damit nach den gleichen Regeln handeln. Aber genau wie bei der Krankenversicherung wird es auch hier trotzdem Unterschiede geben. Diese siedeln sich bei der Anwendung der Regularien, wie auch bei den zwangsläufig entstehenden Kosten an. Bei ihrer Wahl werden die Mitglieder auch die Effizienz und die Kompetenz der AO’s zu berücksichtigen haben.
Im Moment ist ein Preisvergleich noch schwierig. Hüten sollte man sich vor Lockpreisen, die jedoch zusätzliche Kosten und z.T. sogar Nachberechnungen für das Abrechnungsjahr verbergen. Tatsache ist, dass die Finanzplanung der meisten AO’s heikel ist, denn sie müssen mit dem sukzessiven Wechsel ihrer SRO-Mitglieder über mehr als 2 Jahre jonglieren. Auf die AOOS trifft dies nicht zu, denn diese wird von Beginn weg dank der Übertragung sämtlicher Mitglieder ihre volle Funktions-fähigkeit haben. Dadurch ist die Finanzplanung der AOOS vereinfacht und vor allem weitaus zuverlässiger. Das Risiko einer Kostenanpassung bei laufendem Betrieb ist somit klein.
Was die Effizienz und die Kompetenz betrifft, so möchte ich betonen, dass die SRO des VSV die einzige ist, die ausschliesslich Vermögensverwalter betreut und seit über 20 Jahren die Einhaltung der Standessregeln und des GwG, sowie die Geschäftsabschlüsse kontrolliert. Damit hat sie hinsichtlich Know-How einen gewissen Vorsprung. Aber es gilt klarzustellen, dass der VSV nicht im Wettbewerb zu den AO’s steht, da er ein reiner Branchenverband ist und somit neutral bleiben wird.

Wie stellen sich die Beziehungen zwischen der AOOS und dem VSV dar?

Wie bereits gesagt, ist der VSV keine AO. Der neue Rechtsrahmen untersagt den AO’s eine Reihe von Aktivitäten, die in den Tätigkeitsbereich eines Branchen-verbands fallen. Der VSV ist der gesamtschweizerische Berufsverband der Ver-mögensverwalter und nimmt jetzt sämtliche Finanzakteure, die von den neuen Normen erfasst werden, als Mitglieder auf; dies unabhängig von ihrem Aufsichts-regime SRO, AO, etc.
Unsere Dienstleistungen wurden so konzipiert, dass einerseits die regulatorischen Anforderungen wie zum Beispiel der geforderte Anschluss an eine Ombudsstelle, oder die Aus- und Fortbildung erfüllt werden, andererseits auch die Bedürfnisse der Mitglieder an Rechtsberatung und Interessenvertretung.

Sind fünf AOs nicht ein wenig übertrieben?

Mit so vielen AO’s haben wir auf keinen Fall gerechnet. Während des gesamten Gesetzgebungsverfahrens war nur von 2 oder 3 AO’s die Rede. Die gleiche Diskrepanz stelle ich bei den Ombuds- und sogar den Registrierungsstellen fest. Es ist schwer vorstellbar, dass es auf lange Zeit Platz für all diese Akteure geben wird. Ich stelle fest, dass die AOOS einen Marktanteil von rund 40% hat und somit gut positioniert sein wird.

Wie wird sich Ihrer Auffassung nach die Regulierung nach dem Start der AO’s weiterentwickeln?

Für die kommenden Jahre ist der Rahmen vorgegeben. Wir haben vom Parlament erreicht, dass verschiedene Schutzmechanismen gegen die Überregulierung bestehen. Nun müssen wir darauf achten, dass der Gesetzesauftrag nicht durch eine Überregulierung seitens der AO’s und der FINMA überschritten wird. Dies ist eine der wesentlichen Aufgabe des VSV.
Des Weiteren werden wir darauf achten, dass die neue Bewilligung, die den Vermögensverwaltern erteilt werden wird, ihnen die entsprechende Anerkennung und Glaubwürdigkeit verleiht, die sie beinhaltet; nicht nur gegenüber den Kunden, sondern auch in den Beziehungen zu den anderen Akteuren des Finanzplatzes.

Was erwarten Sie aus der Sicht eines unabhängigen Vermögensverwalters heute von der FINMA?

Als Berufsverband sehen wir die FINMA als Partner, mit dem wir über die Ent-wicklung des Berufsstands, wie auch über den regulatorischen Rahmen und dessen praktische Anwendung diskutieren.
Wir zählen auch auf ihre Unterstützung, damit der Finanzplatz in der Lage ist, gemeinsame Standards zu definieren und zur Harmonisierung der Prozesse bei-getragen werden kann.

Welches sind ihre Ziele für den VSV?

Der VSV ist als reiner Branchenverband entstanden und hat sich in der Folge auch zu einer SRO weiterentwickelt, hat aber dabei seinen Charakter als Berufsverband beibehalten. Heute streben wir die strikte Trennung dieser beiden Funktionen an und das ist eine gute Sache. Der Verband ist von den Kontrolltätigkeiten entbunden und kann sich nunmehr ausschliesslich der Betreuung seiner Mitglieder widmen. Diese kommen aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse und Kompetenzen in den Genuss von einer unabhängigen und neutralen Stellungnahme und Beratung.
Man sollte nicht vergessen, dass der Vorstand des Verbands mit unabhängigen Vermögensverwaltern bestellt worden ist; die ausser dem Budget keine anderen ökonomischen Zwänge haben. Die Mitgleider des Vorstands stammen aus den drei Regionen der Schweiz und sind sowohl hinsichtlich der Bandbreite der Aktivitäten als auch hinsichtlich der Unternehmensgrösse höchst repräsentativ für unseren Berufsstand.
Nach dern Arbeiten rund um die Trennung der AO vom Verband haben wir die Dienstleistungen definiert, die der VSV als Berufsverband seinen Mitgliedern liefern wird. Das Team wurde aufgestockt, um diese verschiedenen Services zu erbringen und widmet sich heute mit grosser Begeisterung ausschliesslich diesem Tätigkeitsbereich.

Was ist die Aufgabe des Verbands?

Wie bereits gesagt, sind unsere Ziele die Unterstützung der Mitglieder durch Informationen und Beratung auf Gebieten ausserhalb der eigentlichen Vermögens-verwaltung, um ihnen den Berufsalltag zu erleichtern. Wir werden uns vergewissern, dass sie rasch Zugang zu den für ihre Tätigkeiten notwendigen Daten und Infor-mationen erlangen, indem wir unsere Expertise auf verschiedenen Gebieten zur Verfügung stellen.
Neben Rechtsberatung und Informationen haben wir für alle unsere Mitglieder unsere eigene Weiterbildungsplattform und eine eigene Ombudsstelle aufgesetzt.

Wie wird das Angebot des VSV strukturiert werden?
Die Aktivitäten des Verbands gliedern sich anhand der vier unterschiedlichen, aber miteinander verknüpften Stossrichtungen, die wir unsere „vier Säulen“ genannt haben.
Die erste Säule umfasst die Unterstützung und die Rechtsberatung. Ziel des Verbands ist es, seinen Mitgliedern eine unabhängige und neutrale Beratung zu geben, die ihren Rechtsberatungsbedarf im Wesentlichen abdecken soll. Dieses umfasst an erster Stelle ein Package an Dokumenten, die mit ihrer Tätigkeit verbunden sind, wie Verträge, Formulare für Kunden- und Risikoprofile, organisatorische Dokumente je nach Unternehmensgrösse, etc. … wie auch die bereits bestehenden Handbücher für das Cross-Border.
Danach haben wir die Aus- und Fortbildung. Wir haben in der Tat eine Weiterbildungsplattform mit einem in der Schweiz einzigartigen Konzept implementiert. Mit ihrer Hilfe können die Vermögensverwalter und die qualifizierten Geschäftsführer nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, sondern sich auch ihre berufliche Qualifikation bestätigen lassen.
Wir haben verschiedene Aus- und Fortbildungsangebote ausgewählt und haben diese in das Programm von unserem Veranstaltungszyklus integriert.
Wir haben ein Scientific Committee mit angesehenen Experten im Bereich der Finanzindustrie der das Ganze betreut. Diese Experten sind aktiv in die Auswahl der Themen engagiert und bringen sich persönlich in unseren Webinaren und unserem Jahreskongress ein.
Dieses Konzept stellt die Verbindung zwischen der akademischen und der Berufswelt dar, die eher operativen Prinzipien folgt. Wir kümmern uns genauso intensiv um juristische Themen, wie um das Controlling und Risikomanagement, sowie steuerlichen Aspekten, ohne aber das weite Feld der Makroökonomie aus den Augen zu verlieren.
Die dritte Säule ist diejenige der Vertretung des gesamten Berufsstandes.
Wir werden uns noch gezielter engagieren und so haben wir unsere Arbeiten und unsere Kontakte mit den Depotbanken bereits vertieft und werden diesen eingeschlagenen Weg fortsetzen. Diese Beziehung zwischen den Vermögens-verwaltern und den Banken ist ein zentrales Element unserer Tätigkeit; das neue Gesetz gibt uns die Möglichkeit, diese Beziehung auszubauen und rationaler bzw. effizienter zu gestalten.
Es sei daran erinnert, dass wir in dieser Rolle der Interessensvertretung des Berufsstands bereits einige schöne Erfolge erzielt haben, deren grösster dieses neue Gesetz ist, das den unabhängigen Vermögensverwaltern eine juristische Existenz verleiht, wovon sie zuvor nicht profitieren konnten.
Wir werden diese Arbeiten fortsetzen und unsere Bemühungen auf die Beziehungen mit allen Finanzakteuren, mit welchen unsere Mitglieder in Verbindung stehen, insbesondere auch auf die FINMA und die AO’s richten.
Zudem werden wir die Solutions für unsere Mitglieder entwickeln.
Wir wollen die Vermögensverwalter bei der Auswahl von Produkten und Lösungen begleiten, die ihnen in peripheren Bereichen ihrer Geschäftstätigkeit unterbreitet werden. Dies betrifft z.B. Portfoliomanagementsysteme, Tools zur Risikomessung, CRM-Systeme, etc. Viele Service Provider sprechen uns an und stellen uns ihr Angebot vor; wir wollen auf diese Anfragen eingehen und die Organisation der Kontakte in einem koordinierten Ablauf übernehmen. Wir möchten auf diese Weise eine Art Vorzimmer für die Vermögensverwalter sein, die so gemäss ihren Bedürfnissen und Entscheiden zu Produkten und Lösungen finden.

Welche Art von Beziehungen wollen Sie inskünftig zu den unabhängigen Vermögensverwaltern aufbauen?

Wir haben die Ambition, sie mit unseren Seminaren, Vorträgen, Webinaren, unserer neuen Website und unserer Newsletter ganzheitlich zu unterstützen. Wir wollen ihnen alle erforderlichen Informationen und die Rechtsberatung geben, die sie benötigten und je nach Fall die direkten Kontakte begünstigen.

Auf welches wirtschaftlilche Beitragsmodell wollen Sie den VSV stützen?

Wir werden an unserem Modell mit dem Jahresbeitrag für den Vermögensverwalter festhalten. Der Jahresbeitrag in Höhe von 2’000 Franken ist im Verhältnis zum ganzen Angebot welches wir bieten eher bescheiden. Zur Finanzierung des Verbands haben wir auch ein Modell mit Partnerschaften mit Akteuren aus der Finanzindustrie etabliert, das diesen ermöglicht, sich an der Finanzierung des Verbands zu beteiligen und gleichzeitig von seinen Leistungen profitieren zu können. Auch dies ist ein Novum und hat einen guten Zuspruch erfahren.
Letztendlich ist all dies nur logisch, denn dieses Angebot ist das direkte Ergebnis eines Reflektionsprozesses von Vermögensverwaltern für Vermögensverwalter. Die Frage, die wir uns gestellt haben ist, was wir von einem Verband erwarten: die Antwort liegt in den Entwicklungsschritten, die der VSV derzeit in Angriff nimmt.

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