Thomas Hirschi, FINMA: „Bei der FINMA setzen wir auf Dialog, Transparenz und gegenseitiges Vertrauen“

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Von Fabienne Bogádi – Fotos Juerg Kaufmann

Thomas Hirschi, seit kurzem Leiter des Bereichs Asset Management,
der sich unter anderem mit der Bewilligung der unabhängigen Vermögensverwalter befasst, legt hier dar, was aus seiner Sicht den Aufsichtsberuf ausmacht, wie er ihn ausüben will und wie die neuen Vorschriften seiner Meinung nach den Finanzplatz verändern werden.

Im Januar 2020 haben Sie die Aufsichtsbehörde des internationalen Finanzzentrums Abu Dhabi Global Market (ADGM) verlassen, um die Leitung des Bereichs Asset Management bei der FINMA zu übernehmen. Gibt es kulturelle Unterschiede zwischen diesen beiden Aufsichtsbehörden? Und wenn ja, welche?
Thomas Hirschi: Abu Dhabi baut gerade einen jungen, aufstrebenden Finanzplatz auf, um sich so neben den Einnahmen aus dem Erdöl zu diversifizieren. In der Schweiz verfügen wir hingegen, gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung, über einen bedeutenden und reifen Finanzplatz, bei dem andere Herausforderungen im Vorerdgrund stehen. Es gibt aber auch viele Gemeinsamkeiten. So legt auch Abu Dhabi grossen Wert auf internationale Standards wie Basel oder IOSCO und die Aufsicht orientiert sich an den Best Practices der führenden Aufsichtsbehörden.

Sie waren den grössten Teil Ihrer beruflichen Laufbahn in der Finanzmarktaufsicht tätig. Warum reizt Sie diese Aufgabe?
Die Arbeit ist vielfältig und spannend. In meiner Karriere habe ich bereits verschiedene bedeutende Veränderungen und Ereignisse von grosser Tragweite miterlebt.
Allen voran die Finanzkrise von 2008 mit der Rettung der UBS und den entsprechenden Folgeregulierungen. Das waren natürlich sehr spannende Erfahrungen. Seither hat sich Aufsicht noch stärker professionalisiert. Weiter beschäftigten uns die strukturellen Veränderungen in der Finanzbranche sowie die Herausforderungen aufgrund des technologischen Wandels. Und nun fordert uns gerade die Corona-Krise und die Umsetzung der neuen Gesetze FIDLEG und FINIG, neben vielen anderen Themen.

Was ändert sich durch das Inkrafttreten des FINIG Anfang 2020 für Ihre Abteilung? Worin bestehen Ihre Hauptaufgaben während der Übergangsperiode bis Januar 2023, die vom Bundesrat zugestanden wurde?
Die FINMA ist neu für die Bewilligung von Vermögensverwalter und Trustees zuständig. Zudem bewilligt und überwacht sie neu auch die Aufsichtsorganisationen, welche die Vermögensverwalter und Trustees zu überwachen haben. Sie bleibt aber für die Durchsetzung des Rechts zuständig.
Wir werden über die nächsten drei Jahre rund 2›200 Bewilligungsgesuche von Vermögensverwaltern und Trustees bearbeiten. Für diese neuen Aufgaben bauen wir sukzessive Ressourcen auf. Unser Ziel ist es, ein möglichst effizientes Bewilligungsverfahren anzubieten. Dafür haben wir ein elektronisches Bewilligungssystem aufgebaut, das den Gesuchstellenden die Eingabe ihres Bewilligungsgesuchs erleichtert und einen Austausch mit den Aufsichtsorganisationen erlaubt.

Und vom Standpunkt der FINMA und der Aufsicht aus betrachtet: Was ändert sich durch das FINIG speziell für die unabhängigen Vermögensverwalter?
Die Vermögensverwalter und Trustees brauchen neu eine Bewilligung und werden prudenziell überwacht. Zudem müssen sie sich bei ihrer Tätigkeit an die regulatorischen Anforderungen aus dem FIDLEG, FINIG sowie die Geldwäschereivorschriften halten. Dies beinhaltet insbesondere neue Mindestanforderungen an ihre Organisation sowie die Gewähr der mit der Verwaltung und Geschäftsführung betrauten Personen. Konkret müssen die Gesuchsteller also Anforderungen an das Mindestkapital und die Eigenmittel erfüllen, die notwendigen Kontrollen und Weisungen implementieren und die verantwortlichen Personen über die notwendige Erfahrung und Fachkenntnisse verfügen.

In welchem Geist wird die Überwachung erfolgen? Wie sehen Sie Ihre Beziehung zu den AO, die keine staatlichen Behörden sind? Ist da ein Dialog möglich? Und in welcher Form?
Die Verantwortung und Kompetenz der Überwachung liegt klar bei den Aufsichtsorganisationen. Zentral ist für uns aber, dass die Aufsicht durch die AO nach einem hohen und einheitlichen Standard erfolgt, damit keine Arbitragemöglichkeiten entstehen. Wir haben daher den AOs Mindestanforderungen an die Aufsichtskonzepte vorgegeben und werden diese überwachen. Ein Dialog mit den AOs wird bei der Umsetzung sehr zentral und willkommen sein, um die Population effizient bewilligen und beaufsichtigen zu können. Wenn es zur intensiven Aufsicht oder Enforcementverfahren kommt, was beides in unserer Zuständigkeit liegt, ist ebenfalls ein enger Austausch mit den AOs notwendig, da letztere die Institute aus der laufenden Aufsicht gut kennen.

Wird die FINMA zwischen kleinen und grossen Vermögensverwaltern unterscheiden, d.h. Erleichterungen für die kleinen vorsehen?
Sehr einfache und kleine Strukturen sollen ebenso bestehen können, wie grosse. Die FINMA wird daher die in den Gesetzen vorgesehenen Differenzierungen konsequent umsetzen. So sind beispielsweise Einmanngesellschaften möglich oder es braucht nur in bestimmten Fällen eine Trennung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung. Auch das Risikomanagement und die Compliance muss nicht immer von den operativen Einheiten separiert sein. Zudem erwarten wir, dass kleine und einfache Strukturen mit dem standardisierten elektronischen Bewilligungsverfahren auf effiziente Art und Weise eine Bewilligung erhalten können.

Welche Konsequenzen wird die Aufsicht für die Institute, insbesondere die kleinsten von ihnen, haben? Wird sich die Landschaft der Schweizer Vermögensverwaltung Ihrer Ansicht nach verändern? Inwiefern?
Die bei uns eingegangenen Rückmeldungen zeigen, dass sehr viele Vermögensverwalter an einer Bewilligung interessiert sind. Wir sehen die Treiber eines Wandels in der Branche aber nicht primär in der neuen Regulierung. Es spielen auch andere Faktoren, wie beispielsweise der Wegfall des Bankgeheimnisses sowie die höheren Compliance-Anforderungen von den Depotbanken im grenzüberschreitenden Geschäft eine Rolle. Die neue Regulierung bietet zudem Chancen, da die neuen Mindeststandards als Qualitätssiegel die Wettbewerbsfähigkeit der unabhängigen Vermögensverwalter und Trustees steigern. Wir können aber nicht ausschliessen, dass einige trotz eines schlanken Bewilligungsprozesses die Bewilligung als eine zu hohe Hürde erachten und aus dem Markt austreten werden.

Wird es im Endeffekt eine kritische Grösse geben, die unabhängige Vermögensverwalter haben müssen?
Das wird der Markt zeigen und es ist zu früh, um hierzu eine Aussage machen zu können. Der Gesetzgeber wollte aber explizit einen Rahmen schaffen, in dem auch Einzelunternehmer und kleinere Strukturen bewilligt werden können. Allerdings entstehen aufgrund des neuen, geteilten Aufsichtssystems auch zusätzliche Kosten, die einen gewissen Druck auf die kleineren Unternehmungen ausüben. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass es vermehrt zu Partnerschaften kommt, oder dass externe, spezialisierte Dienstleister gewisse Aufgaben übernehmen (Outsourcing), was zu Effizienzsteigerungen führen kann.

Haben Sie eine Botschaft speziell für die unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter?
Die Ausgangslage ist für alle Involvierten neu. Wir wollen diesen Prozess gemeinsam mit der Branche bewältigen und dabei auch laufend Lehren ziehen und allenfalls Anpassungen machen. Daher setzten wir auf Dialog, Transparenz und gegenseitiges Vertrauen. Insbesondere haben wir auf unserer Website nützliche Informationen für den Bewilligungsprozess aufgeschaltet.
Die Übergangsfrist von drei Jahren ist grosszügig. Es ist jedoch sicher gut, sich frühzeitig mit der Frage der Bewilligung und Aufsicht zu beschäftigen. Hilfreich und vor allem kostensenkend ist selbstverständlich auch, wenn ein Bewilligungsgesuch vollständig und von hoher Qualität eingereicht wird.

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