Über den Bewilligungsprozess zu surfen

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Kenneth Ukoh, Verantwortlich für die Bewilligung von Vermögensverwaltern & Trustees,  FINMA

Vermögensverwalter und Trustees müssen ihr Gesuch bis spätestens Ende 2022 bei der FINMA einreichen. Erste Bewilligungen wurden bereits erteilt. Ein Grossteil der 2500 angekündigten Gesuche wird jedoch erst im nächsten Jahr erwartet. Hierauf bereiten sich die FINMA, die Aufsichtsorganisationen und die Branche intensiv vor. Für eine erfolgreiche Transition in das neue Aufsichtsregime sind zur Halbzeit der Übergangsfrist nochmals die wichtigsten Aspekte zum Bewilligungsprozess hervorzuheben. Genau dies tut Kenneth Ukoh in diesem Artikel.

Vermögensverwalter und Trustees benötigen seit dem 1. Januar 2020 mit Inkrafttreten des Finanzinstitutsgesetzes eine Bewilligung der FINMA. Rund 2500 Institute haben angekündigt, dass sie bis zum Ende der Übergangsfrist 2022 ein Gesuch bei der FINMA einreichen werden. Sie stellen eine bedeutende zukünftige Aufsichtspopulation im Finanzsystem der Schweiz dar, die von fünf Aufsichtsorganisationen beaufsichtigt wird.
Bis heute, also zur Halbzeit der Übergangsfrist, hat die FINMA etwas mehr als hundert Gesuche erhalten und über die Hälfte davon bewilligen können. Es zeichnet sich aber ab, dass die Gesuche später als angekündigt eingereicht werden und sich das Volumen an Gesuchen im nächsten Jahr stark erhöhen wird. Damit dürfte die Bearbeitung eines Grossteils der Gesuche bis weit ins Jahr 2023 andauern. Es ist daher mit einem Anstieg der Verfahrensdauer zu rechnen.

Qualität der Gesuche entscheidend
Vor diesem Hintergrund wird es entscheidend sein, dass die Institute qualitativ hochstehende Gesuche einreichen, die zu keinen oder nur wenigen Rückfragen der Aufsichtsorganisationen und der FINMA führen. Die Gesuchstellenden haben es somit zu einem gewissen Grad selbst in der Hand, die Dauer und die Kosten eines Verfahrens zu beeinflussen. Ihnen obliegt grundsätzlich auch die Pflicht, die Fristen einzuhalten. Zu einer sorgfältigen Vorbereitung des Gesuchs gehört insbesondere der frühzeitige Anschluss an eine Aufsichtsorganisation. Diese benötigen ihrerseits Zeit, die Gesuche für die allfällige Aufnahme zu prüfen. Erst mit ihrer Aufnahmebestätigung kann das Bewilligungsgesuch bei der FINMA vollständig eingereicht werden. Wer zudem sein Gesuch frühzeitig einreicht, kann damit auch eine längere Bearbeitungsdauer vermeiden und bereits vor anderen Mitbewerbern mit der FINMA-Bewilligung im Markt auftreten. Wer hingegen die Frist verpasst, ist unerlaubt tätig und riskiert somit, dass die FINMA eingreifen muss. Die gewährte Übergangsfrist wurde grosszügig auf drei Jahre ausgelegt. Entsprechend ist auch keine Verlängerung vorgesehen.

Sicherstellen eines «Level-Playing Field»
Damit die Bewilligungsprozesse erfolgreich abgewickelt werden können, braucht es eine offene und konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligter. Für die zweite Halbzeit der Übergangsfrist gilt es nun die nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Die FINMA ist bestrebt, neben effizienten Prozessen für die Bewältigung der «Gesuchswelle» auch klar und offen über die Erwartungen zu kommunizieren und ein «Level-Playing-Field» sicherzustellen. Die Gesuche werden entlang eines klaren, risikoorientieren Bewilligungsansatzes fair und differenziert behandelt. Einfache und kleine Strukturen behandelt die FINMA rasch und standardisiert, während sie komplexe und risikobehaftete Modelle vertiefter prüft. Dies bedeutet nicht, dass ein Geschäftsmodell mit mehr Risiken per se nicht bewilligungsfähig ist, sondern dass unter Umständen höhere Anforderungen an die Angemessenheit der Organisation erfüllt werden müssen.

Das Geschäftsverhalten im Fokus
Das Geschäftsverhalten und damit der Kundenschutz liegen im Fokus der Gesuchprüfung. Die FINMA legt somit ein besonderes Augenmerk auf die Angemessenheit der Finanzdienstleistungen (Suitability), den Umgang mit Risiken aus dem grenzüberschreitenden Geschäft (Cross-Border), die Einhaltung der Sorgfaltspflichten betreffend Geldwäscherei und die Einhaltung der Marktverhaltensregeln. Je nach Geschäftsmodell und Umfang sowie Art der Risiken erwartet die FINMA entsprechende Fachkenntnisse sowie Anpassungen in der Organisation.
Der Gesetzgeber hat im Finanzinstitutsgesetz vorgesehen, dass selbst Kleinst- und Einzelunternehmen eine Bewilligung erlangen können. Aber auch diese müssen sich so organisieren, dass sie ihre Risiken angemessen bewirtschaften können oder ihre Strukturen anpassen, beispielsweise mit zusätzlichem Personal oder mit Auslagerungen an professionelle Anbieter. Denn das Gesetz verlangt auch bei kleinen Unternehmen eine Trennung der Risikokontrolle von den operativen Einheiten, wenn das Geschäftsmodell erhöhte Risiken aufweist. In bestimmten Fällen kann die FINMA einen von der Geschäfts führung mehrheitlich unabhängigen Verwaltungsrat verlangen. Die FINMA wird diese Vorschriften lösungsorientiert und risikobasiert umsetzen. Das bedeutet zwar, dass auch kleine Unternehmen z.B. über ein Weisungswesen und einen Geschäftsplan verfügen müssen. Die Erwartungen sind jedoch deutlich geringer in Bezug auf Umfang und Detaillierungsgrad der einzureichenden Dokumente als bei grösseren oder komplexeren Instituten.
Da viele Vorgaben neu sind, ist es somit für die Marktteilnehmenden von entscheidender Bedeutung, dass sie sich entsprechend frühzeitig über die Bewilligungsvoraussetzungen informieren und vorausschauend ihre Gesuchseinreichung planen. Die FINMA hat hierfür an verschiedenen Veranstaltungen im Detail darüber informiert, welche Konstellationen sie als risikoerhöhend betrachtet. Zudem hat sie auf ihrer Website die Informationen zu dieser Frage sowie zum Bewilligungsprozess weiter ausgebaut.

Herausforderungen und Gütesiegel
Die Bewilligungspflicht stellt Herausforderung und Chance zugleich dar. Es ist unbestritten, dass mit den Bewilligungsanforderungen und der neuen Aufsicht zusätzliche Kosten auf die Branche zukommen, die sich bereits aufgrund des dynamischen und anspruchsvollen Marktumfelds herausgefordert sieht. Viele werden diese Hürde mit der entsprechenden Vorbereitung ohne Weiteres überspringen. Einige werden ihre Strukturen und allenfalls ihr Geschäftsmodell anpassen müssen. Und manche werden aus dem Markt ausscheiden. Daher wird sich voraussichtlich ab 2023 die Landkarte der Schweizer Vermögensverwaltungsbranche auch neu vermessen lassen.
Gleichzeitig schafft die FINMA-Bewilligung einen Mindeststandard als Gütesiegel, der das Ansehen, die Wettbewerbsfähigkeit und internationale Anerkennung des Berufsstands steigern wird. Der Vermögensverwaltungsstandort Schweiz dürfte für Kunden damit weiter an Attraktivität gewinnen. Die Branche hat bereits in der Vergangenheit Phasen des Wachstums und schwierigere Zeiten durchlebt. Sie hat aber immer ihren wichtigen Platz im Schweizer Finanzsystem behalten. Es ist davon auszugehen, dass auch die Herausforderungen der neuen Aufsichtswelt die unabhängigen Vermögensverwalter und Trustees insgesamt stärken werden.

Kenneth Ukoh ist seit 1. Januar 2020 Leiter des Teams «Vermögensverwalter und Trustee» des Geschäftsbereichs Asset Management der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA.
In dieser Funktion leitet er das Kompetenzzentrum für alle Fragestellungen rund um diese neue Aufsichtspopulation nach FINIG und ist für die operative Umsetzung sowie fachliche Führung der Bewilligungsverfahren im Zusammenhang mit Vermögensverwaltern und Trustees zuständig.

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