Umstellungen bei den Selbstregulierungsorganisationen

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Von Eugénie Rousak

Nachdem die neue Regulierung in Kraft getreten ist, haben unabhängige Vermögens-verwalter und Trustees noch zweieinhalb Jahre, um ihre Selbstregulierungsorganisationen (SRO) zu verlassen und sich einer der Aufsichtsorganisationen anzuschliessen, die im Moment entstehen. Für die SRO ist dies kein Selbstzweck. Sie werden jedoch ihre Arbeitsweise umstellen und ihre Dienstleistungen anpassen müssen. Kurz gesagt: Man sollte sich auf weitere Veränderungen einstellen.

Die schweizerische Regulierungsbehörde hat gemäss ihrem Zeitplan mit der Bewilligung der ersten Aufsichtsorganisationen begonnen. Anfang Juli erhielten der Organisme de Surveillance des Instituts Financiers (OSIF) und die Organisation de Surveillance Financière (OSFIN) ihre Zulassungen. Drei weitere Bewerber, der Organisme de Surveillance pour Intermédiaires Financiers & Trustees (SO-FIT), FINcontrol Suisse und die AOOS, warteten Mitte August noch auf eine Antwort. Wenn Ihnen die Namen bekannt vorkommen, hat das den Grund, dass sie alle von bestehenden SRO stammen. OSFIN hat Verbindungen zu OAD-FCT und Polyreg, FINcontrol Suisse zu VQF, OSIF zu ARIF, SO-FIT zu OAR-G und AOOS zu ASG. Das ist keine Überraschung. Für eine Bewilligung als AO mussten die Bewerber bestimmte Kriterien nachweisen, darunter die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit und ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Deshalb bringt der Status der SRO ein hohes Mass an Sicherheit.

Ausserdem hatten die SRO zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder sie gründen parallel eine AO oder sie wandeln sich endgültig in eine AO um. Am Ende entschieden sich praktisch alle für die erste Möglichkeit. Auf diese Weise bleiben sämtliche Mitglieder unter einem Dach, auch nach der Übergangsphase. Da die Anzahl der Unternehmen auf dem gleichen Stand gehalten wird, ist in gewisser Weise gewährleistet, dass die Rentabilität erhalten bleibt, auch wenn absehbar ist, dass durch die Trennung in zwei Bereiche mit jeweils eigenen Teams zusätzliche Kosten entstehen.

So haben alle SRO bereits ihre neuen Organisationsmodelle festgelegt, ihre Büroräume angepasst und neue Mitarbeiter eingestellt. Am Stichtag, dem 1. Januar 2023, müssen alle Umstellungen abgeschlossen sein. „Die wichtigste Aufgabe der ARIF wird darin bestehen, sich während der Übergangsphase dem OSIF zur Verfügung zu stellen, um ihn in der Startphase zu unterstützen“, erläutert Norberto Birchler, Direktor und Mitglied des Vorstandes der ARIF. «Laut unserer Planung wird ein Teil der Vorstandsmitglieder der ARIF im Verwaltungsrat des OSIF sitzen, während die ARIF-Mitarbeiter zwei verschiedene Funktionen haben. Je nachdem, mit welchen Dossiers sie beschäftigt sind, nutzen sie eine von zwei grundverschiedenen Benutzeroberflächen und Telefonnummern. Allerdings wird die Leitung des OSIF vollkommen unabhängig von der Leitung der ARIF sein.“

Die SRO werden unabhängig von der Rentabilität ihren Weg fortsetzen. Während sie die unabhängigen Vermögensverwalter und Trustees als Mitglieder verlieren, kommen andere hinzu, die auch in drei Jahren noch dabei sein werden. Im Übrigen ist es nicht ausgeschlossen, dass es, wie zum Beispiel beim VQF, mehr neue Mitglieder als Abgänge gibt. Zu den neuen gehören Treuhänder, Wechselstuben, Rohstoffhändler, Übermittler von Kredit- und Leasinggeldern, Versicherungsmakler, Anwalts- und Notarkanzleien, Investmentgesellschaften sowie die gesamte Kryptowährungskette. Ein sehr breites Spektrum! „Da diese Tätigkeiten nicht vom FINIG geregelt werden, bleiben die Finanzintermediäre in Sachen GwG unter der Aufsicht der SRO“, so Denise Pezzatti, die Direktorin von PolyReg. „Daher wird unsere SRO diese Mitglieder weiterhin beaufsichtigen, was für sie de facto langfristige Stabilität bedeutet. Laut Artikel 2 Absatz 3 GwG unterliegen die Finanzintermediäre der Aufsicht durch eine SRO. Finanzinstitute, die dem FINIG unterliegen, werden wiederum von der FINMA überwacht, die die Aufsicht an eine AO delegiert.“

Ferner ändert sich die Positionierung der SRO im Hinblick auf die Einhaltung der Pflichten aus dem GwG durch ihre Mitglieder nicht. Sie werden sie auch weiterhin weiterbilden, beaufsichtigen und gegebenenfalls sanktionieren.

Allerdings stellt die Änderung der Mitgliederstruktur für die SRO eine Gelegenheit dar, ihre Tätigkeiten zu überdenken und ihr Gesamtangebot neu zu formulieren. „Der VQF nimmt den Beginn des Übergangs der Vermögensverwalter und Trustees zu FINcontrol zum Anlass, um stärker auf die anderen Tätigkeiten seiner Mitglieder einzugehen und ihnen speziellere, besser auf ihr Profil abgestimmte Dienstleistungen anzubieten“, präzisiert Simon Wälti, der CEO des VQF.

„Unser Ziel ist, die übrigen Mitglieder in die Gespräche über die Strategie des VQF und die Methode, wie am besten auf ihre Bedürfnisse und Probleme eingegangen werden kann, einzubeziehen.“
Diese Umstrukturierungs- und Neuorganisationsphase ist ausserdem ein geeigneter Zeitpunkt, um sich neuen Bereichen oder neuen Dienstleistungen für die Marktakteure hinzuwenden, die bisher vernachlässigt wurden. So hat die ARIF beispielsweise den Antrag gestellt, als Register der Kundenberater zu fungieren.

Der VSV ist wiederum ein Sonderfall, denn seine Rolle als SRO ist nicht mehr zu rechtfertigen. Im Gegensatz zu den anderen Selbstregulierungsorganisationen nahm der VSV ausschliesslich Vermögensverwalter auf. Das bedeutet, dass alle seine Mitglieder sich einer Aufsichtsorganisation anschliessen müssen, denn sie fallen ausnahmslos unter die neue Regulierung. Um einen möglichst einfachen und schnellen Übergang zu gewährleisten, hat der VSV seine Zulassung als SRO zurückgegeben und alle Mitglieder in die AOOS, seine neu gegründete AO, übertragen. Diese Lösung mag radikal erscheinen, aber sie hat den grossen Vorteil, dass die Kosten begrenzt bleiben und die Mitgliederverwaltung vereinfacht wird. Die AO kann also vom ersten Tag an durchstarten, denn sie wird eine ausreichende kritische Masse besitzen.

„Wenn diese „Doppelfunktion“ wegfällt, können wir die Dienstleistungen unseres Verbandes ausbauen, und dies umso einfacher, weil die einzelnen Rollen von der FINMA eindeutig festgelegt wurden. Die AO dürfen ihre Mitglieder weder beraten, noch unterstützen oder Weiterbildungen anbieten“, so VSV-Geschäftsführer Patrick Dorner. „Somit kann der VSV als reiner Berufs- und Branchenverband die Interessen seiner Mitglieder noch bessere vertreten, sogar gegenüber ihrer AO oder der FINMA. Darüber hinaus kann er sie besser bei ihren Geschäftsbeziehungen mit Banken unterstützen, Kollektivverträge aushandeln und den Legal Support zum Teil übernehmen.

Wir werden ausserdem auf die Anforderungen von Vermögensverwaltern abgestimmte Weiterbildungsprograme anbieten, wobei das Grundprogramm bereits zum Zeitpunkt der Stellung des Antrags bei der FINMA realisiert wurde, genau wie die verlangten fünf Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung. Ferner können wir als Berufs- und Branchenverband unseren Mitgliedern eine Exklusivbe­handlung, anbieten: Die Übernahme der Kosten der Mitgliedschaft in der Ombudsstelle OFS Ombud Finanzen Schweiz. Diese Mitgliedschaft ist nun für alle Finanzdienstleister obligatorisch.“

Auch nach dem Wegfall der SRO und dem neuen Status als AO wird der Verband seinen unabhängigen Vermögensverwaltern seine Dienstleistungen anbieten. AOOS und ASG werden natürlich vollkommen unabhängig voneinander sein, und man muss nicht unbedingt Mitglied in beiden sein.

Durch die Einführung des FINIG und des FIDLEG haben die SRO eine gewisse Zahl von unabhängigen Vermögensverwaltern und Trustees an die AO verloren, die aber bereits ersetzt wurden. „Mit ungefähr 1900 Unternehmen liegen wir weit unter der Prognose von ungefähr 2600 Bewerbern. Ausserdem werden manche die Zulassung schliesslich doch nicht beantragen. Unser Markt ist also kleiner als vorausgesagt; daher kann sich das Geschäftsmodell ändern. Da 800 unabhängige Vermögensverwalter zur AOOS gegangen sind, bleiben noch 1100 für die vier anderen AO. Angesichts dessen ist die Frage berechtigt, ob es sinnvoll ist, wenn fünf Aufsichtsorganisationen nebeneinander existieren“, so Patrick Dorner abschliessend. Angesichts der Zersplitterung der SRO-Mitglieder stellt sich auch die Frage der Konsolidierung dieses Sektors. Oder hat die FINMA womöglich vor, die Kontrollen in Sachen GwG für andere Kategorien von Akteuren zu öffnen? Im Moment erscheint nichts unmöglich.

 

 

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