„Unsere Interessenschwerpunkte liegen an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft“

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Interview mit Trivan Mathur, Managing Partner, Anchor Group

Von Elsa Floret

In dieser neuen Rubrik stellt SPHERE Ihnen Schweizer Asset Manager mit Boutique-Strategie vor, die sich auf Private Markets und nicht-börsennotierte Vermögenswerte spezialisiert haben. Dazu gehört auch Anchor Group.

Anchor Investment Partners, eine 2016 gegründete Tochtergesellschaft der Anchor Group, konzentriert sich auf Anlagen in die digitale Transformation der Industrie. Wie sind die Aussichten für diesen Markt?
Die Perspektiven ergeben sich aus einer neuen Phase der industriellen Revolution, die seit etwa 2015 als ‚Industrie 4.0‘ bezeichnet wird. Die vierte industrielle Revolution begann mit dem massiven Einsatz technologischer Innovationen wie dem Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz, Cloud, Big Data und Robotik.
Die Digitalisierung ist die tragende Säule der industriellen Technologie und wird 2022 ein Marktvolumen von 2 Billionen US-Dollar erreichen. Die jährlichen Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologien sind in diesem Jahr um 55% gestiegen. Die Anzahl der Industrieunternehmen, die eine digitale Transformationsstrategie umgesetzt haben, hat um 42% zugenommen und dem Sektor Zuwachsraten von rund 15% beschert.

Wie sind Anlagechancen im Bereich der industriellen Digitalisierung zu bewerten und wie kann man investieren?
Angesichts eines sehr umfangreichen Anlageuniversums konzentrieren wir uns auf die Segmente, mit denen wir uns als Investoren und Marktteilnehmer auskennen. Unser Auswahlverfahren beginnt mit der Erfassung der Marktakteure, über die wir häufig rund einhundert Unternehmen pro Interessenschwerpunkt identifizieren. Diese Gesellschaften vermarkten technologische Lösungen und müssen ein attraktives Bewertungs-/Wachstumsprofil aufweisen.
Unsere Kapitalbeteiligung erfolgt 6 bis 12 Monate nach unserem operativen Engagement. Diese Strategie reduziert das Anlagerisiko und ermöglicht einen besseren Zugang zu ausserbörslichen Investitionsangeboten. 

Wie haben Sie die Anlagethemen in einem derart umfangreichen Universum gewählt?
Unsere Interessenschwerpunkte liegen an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft. Während die Digitalisierung bereits eine Überlebensfrage im Wettbewerb darstellt, werden die Kreislaufwirtschaft und somit die Nachhaltigkeit künftig eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
2015 hatten wir uns für drei Themenblöcke entschieden: Energie, intelligente Infrastruktur und Materialrecycling. In der Vergangenheit interessierte sich nur die Industrie für diese Themen, nicht die Finanzwelt. Mittlerweile erregt unsere Aktivität das Interesse eines breiteren Publikums, denn unsere Investitionen verbinden Impact mit Rendite. Ausserdem bieten sie einen Lösungsansatz für viele Krisen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind: Inflation, unterbrochene Lieferketten, Umwelt- und seit kurzem auch Energieprobleme.

Interessieren sich Anleger für den Recycling-Markt?
Bisher war Recycling ein statischer und langweiliger Sektor. Das hat sich geändert. Durch die hohen Ölpreise, den sprunghafte Anstieg der Nachfrage und das begrenzte Angebot an verfügbarem Kunststoffabfall sind bisher eher langweilige Unternehmen zu interessanten Zielen für Anleger mutiert, die High-Tech und hohes Wachstum anstreben.

Wer sind Ihre grössten Kunden?
Familien, Industriekonzerne oder auch die grossen Player gehören zu unseren strategischen Investoren. Ihr Markt befindet sich aufgrund der bevorstehenden Einführung neuer Technologien oder von Regulierungsmassnahmen in einem grundlegenden Wandel. Unsere Aufgabe als Corporate Venturer oder Buy Side Advisor besteht darin, eine Investitionsstrategie für die Digitalisierung oder das Recycling zu entwickeln und umzusetzen.
Aber wir kontaktieren auch unabhängige Vermögensverwalter und Single Family Offices für eine Beteiligung an unseren Investitionen an der Seite unserer strategischen Investoren. Für Direktinvestitionen beträgt die Mindestanlage 100’000 bis 500’000 Franken. Ab 2023 wollen wir unsere Strategie auch in Form von Fonds anbieten.

 

Vor der Gründung der Anchor Group leitete Trivan Mathur ab 1999 die Investmentabteilung von RBS Coutts International. In diesem Rahmen baute er die Direct Investment Advisory-Aktivität auf, die bei seinem Ausscheiden ein Vermögen von über 3 Milliarden US-Dollar betreute. Er begann seine berufliche Laufbahn als Portfoliomanager und Anlageberater bei Citigroup. Trivan Mathur verfügt über einen Bachelor in Industrieökonomie der London School of Economics, einen Master in Finanzwirtschaft der EMLYON Business School und einen Executive MBA des IMD Lausanne.


Bezeichnung der Gesellschaft: Anchor Group
Adresse: 14 rue Jean Calvin, 1204 Genf
Website: https://www.aii-group.com
Gründungsdatum: 2007
Top-Management: Trivan Mathur, Andriana Oikonomopoulou, Dweep Chanana,
Expertise: Private Markets, Business Development, Themenfonds,
Investments: Spezifische Private Equity-Beteiligungen, Branchenfonds

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