Unsere Umwelt ist kostbar

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Von Ed Yau – Senior Portfolio Manager – Banque Piguet Galland

Betrachtet man die Umwelt als Vermächtnis, das an künftige Generation weitergegeben wird, dann kann der Klimawandel als Indikator oder Messlatte für die Wahrung dieses Vermächtnisses gelten. Momentan ist die Stimmung eher von Pessimismus geprägt. Es müssen engagiertere Investitionen erfolgen, um diesen Trend umkehren zu können.

Der Schauspieler Leonardo Di Caprio und der Milliardär Bill Gates haben sich ebenfalls auf die Seite der Umweltaktivisten gestellt. Sie machen darauf aufmerksam, wie nötig es ist, gegen den Klimawandel zu kämpfen. Die Uhr läuft. Die Berücksichtigung von ESG-Themen hat in den letzten zehn Jahren zwar an Bedeutung gewonnen, doch erst seit Kurzem verzeichnen Umweltkriterien für nachhaltige Anlagen eine der höchsten Zuwachsraten.

Einer der Gründe ist die Dringlichkeit und Unwiderruflichkeit des Themas. Täglich belegen neue Daten die negativen Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung und bestätigen die Notwendigkeit sofortiger Massnahmen zur Begrenzung der Folgen des Klimawandels. Einer von der EPFL 2017 in der Schweiz veröffentlichten Studie zufolge droht in den Alpen ein Rückgang der Schneefälle um 60 Prozent bis 2060, wenn der Trend der CO2-Emissionen nicht umgekehrt werden kann. Das 2015 unterzeichnete Pariser Klimaschutzabkommen hatte in dieser Hinsicht sicherlich Signalwirkung, zunächst bei institutionellen Investoren wie norwegischen oder japanischen Pensionsfonds, dann zunehmend auch in der restlichen Finanzwelt – unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Aufsichtsbehörden.

Die Tatsache, dass der Klimawandel die treuhänderischen Pflichten oder auch die Reputation von Vermögensverwaltern in der Investmentbranche beeinträchtigen kann, stellt eine wirksame Bedrohung und einen Anreiz dar, die Klimarisiken in ihren Portfolios zu senken. Gleichzeitig sind sie sicherlich auch durch den Anstieg der nachhaltig verwalteten Anlagen ermutigt worden, diesen Weg zu beschreiten.

Bisher verliefen die Diskussionen über den Klimawandel häufig in erhitzter und von Vorwürfen und Androhungen geprägter Atmosphäre. Natürlich ist es bedauerlich, dass unsere Wirtschaftsentwicklung in der Vergangenheit die Erderwärmung beschleunigt hat, und dass die potenziellen Risiken immens sind, wenn wir nicht rechtzeitig reagieren. In Europa sind vor Kurzem tausende Demonstranten tagelang auf die Strasse gegangen, um den Druck auf die Regierungen für die Ergreifung schneller Massnahmen zu erhöhen. Dies hat zwar sicherlich zu einem Umdenken geführt, aber konkrete Lösungsansätze für Verbraucher und Investoren liegen noch nicht vor.

Tatsächlich haben Anleger, die ESG-Kriterien in ihre Anlagepolitiken integrieren wollen, angesichts der Vielzahl der Ansätze inzwischen die Qual der Wahl. Eine beliebte und leicht zugängliche Strategie ist der Ausschluss bzw. Verkauf von Unternehmen mit schlechter Umweltbilanz. Derartige Ausschlüsse sollen das Portfoliorisiko senken, da diese Unternehmen sicherlich mit steigenden Kosten für ihre Geschäftstätigkeit konfrontiert werden. Doch dies ist nur ein Ansatz von vielen, wobei der Trend statt einer einfachen Minimierung der Klimarisiken eher in Richtung einer Anpassung und eines Beitrags zur Energiewende geht. Umweltbewusste Anleger, die ihren ökologischen Wirkungsanteil erhöhen wollen, müssten sich für eine aktivere Investmentstrategie entscheiden.

Den positiven Auswirkungen passiver Nachhaltigkeitsanlagen auf die Umwelt sind aufgrund ihres Aufbaus Grenzen gesetzt, denn die Erfassung des CO2-Fussabdrucks eines Portfolios ist naturgemäss immer unvollständig. Sie zeigt lediglich den aktuellen Stand der CO2-Emissionen der Unternehmen im Portfolio, während dessen Beitrag zum Übergang zu einer kohlenstof farmen Wirtschaft vernachlässigt wird. Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmen aus dem Mediensektor und vergleichen wir es mit einem Industrieunternehmen, das Solarzellen herstellt: Das Medienunternehmen erzeugt aufgrund der Art seiner Geschäftstätigkeit natürlich weniger CO2-Emissionen. Gleichzeitig ist es leicht nachvollziehbar, warum es keinen so hohen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstosses leistet wie der Solarzellenhersteller. Ein simpler Ausschluss kann dazu führen, dass Portfolios hauptsächlich aus Unternehmen mit guter CO2-Bilanz bestehen, die gleichzeitig aber auch nur einen geringen positiven Beitrag zur Energiewende leisten.
Dieses Beispiel veranschaulicht das Konzept der Emissionsvermeidung, das oft auf Unternehmen zutrifft, die technologische Lösungen für die Energiewende entwickeln. Manche Anleger berücksichtigen ausschliesslich die direkten Emissionen eines Unternehmens beziehungsweise die Emissionen, die durch seinen Energieverbrauch entstehen. Dies ist gefährlich, denn es entsteht die Illusion von Auswirkungen eines Portfolios, dessen CO2-Fussabdruck schlechter ist als der seines Referenzindex, und in dem die Vorteile von Kriterien wie „vermiedenen“ Emissionen und der auf der Analyse des gesamten Lebenszyklus eines Produkts beruhenden Beiträgen vom Fondsmanager vernachlässigt werden.

Im Kampf gegen die Klimaerwärmung müssen mithilfe kapitalistischer Macht neue Klimatechnologien entwickelt, gefördert und unterstützt werden. Manche Investoren glauben noch immer, dass sie einen Teil der Performance einer nachhaltigen Anlage zugunsten eines positiven Wirkungsanteils für die Umwelt opfern müssen. Doch es wurde nachgewiesen, dass sich Performance und Nachhaltigkeit nicht gegenseitig ausschliessen, und dass dieses falsche Konzept nicht nur der wirtschaftlichen Logik widerspricht, sondern auch durch das erwartete strukturelle Wachstum dieses Themas widerlegt wird.

Einer Definition zufolge ist Nachhaltigkeit eine „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Sofern Wähler, Verbraucher und Millennials nicht mit den Folgen einer Klimaerwärmung von durchschnittlich 4 oder sogar 5 Grad leben wollen, sind im Kampf gegen den Klimawandel gewaltige Anstrengungen und ein enormer Kapitalaufwand erforderlich.

Anleger, die an Generationengerechtigkeit und Erhalt der Ressourcen interessiert sind, müssen sich ernsthaft mit diesen Möglichkeiten beschäftigen. Die Weitergabe eines Vermächtnisses an die nächste Generation ist ohne Zweifel wichtig, doch wir können unsererseits zu einer besseren Umwelt durch die richtige Allokation des Kapitals beitragen. ⊕


Ed Yau, Experte für die asiatischen Märkte, kam als Senior Fund Manager zur Bank Piguet Galland. Er managt den Asienfonds (ohne Japan), das vor zwei Jahren aufgelegte Zertifikat „Asian Prosperity“ und das Zertifikat „Climate Action“. Von 2013 bis 2018 war er Research-Direktor bei Ellis Munro Asset Management in Singapur. Zuvor hatte er in Singapur die Niederlassung der SIA-Gruppe geleitet, wo er für das Wertpapierportfolio und die Anlagestrategien für Asien verantwortlich zeichnete.

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