Vermögensverwaltung – 7 Megatrends für 2023

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Von Pierre-Alexandre Rousselot, Chief Executive Officer, KeeSystem S.A.

In der neuen FIDLEG/FINIG-Ära werden wichtige Trends die Vermögensverwaltungsbranche prägen. Pierre-Alexandre Rousselot liefert hier eine Übersicht: Sieben Megatrends und ebenso viele calls to action für UVV!

1. Die wachsende Beliebtheit von ESG-Anlagen

Anlagen, die ESG-Kriterien berücksichtigen, werden immer beliebter, da Anleger bei Anlageentscheidungen ihre persönlichen Werte einbringen möchten. Im Jahr 2023 wird sich dieser Trend verstärken, da mehr und mehr Anleger nach Anlagemöglichkeiten in Unternehmen suchen, die positive Auswirkungen auf den Planeten erzielen. Vermögensverwalter mit einem breiten Spektrum von ESG-Anlagen sind gut aufgestellt, um neue Kunden zu gewinnen und sie auch zu binden. Einem Bericht von Bloomberg Intelligence zufolge werden ESG-Anlagen weltweit bis 2025 voraussichtlich auf über 53 Milliarden US-Dollar steigen und damit etwa ein Drittel des gesamten verwalteten Vermögensvolumens, d.h. 140,5 Milliarden US-Dollar, ausmachen. Einer von fünf Vermögensverwaltern gab ferner an, dass die Strategie seiner Kunden für nachhaltige Anlagen in erster Linie darin besteht, das ESG-Rating ihres bestehenden Portfolios zu optimieren.

2. Die Finanzplanung der Millennials unterscheidet sich von der ihrer Eltern.

Die Anleger der jüngeren Generation sind in ihrer Entscheidungsfindung autonomer geworden und informieren sich eingehend, bevor sie sich für einen Finanzberater entscheiden. Diese neue Mentalität beeinflusst auch ihre Anlageentscheidungen, denn sie legen den Schwerpunkt auf Produkte, die auf ökologische und soziale Themen wie ESG ausgerichtet sind. Dieser Trend zwingt die Verwaltungsgesellschaften, die Punkte Angebot, Kundenerfahrung und Beratungsansatz zu überdenken, wenn sie die Millennials als Anleger gewinnen wollen.

3. Digitales Onboarding: eine Priorität für Vermögensverwaltungsgesellschaften

Als digitales Onboarding wird ein automatisierter Prozess bezeichnet, mit dem Unternehmen ihre Nutzer effizient, einfach, sicher und zuverlässig mittels digitaler Geräte einbinden können. Für Kunden wird die Anfangsphase der Informationsbeschaffung durch die gesicherte digitale Übermittlung der erforderlichen Dokumente vereinfacht und die Onboarding-Erfahrung verbessert. Es hat sich gezeigt, dass 68% der Kunden nach der COVID-19-Pandemie mit einer 100%igen digitalen Integration rechnen. Verwaltungsgesellschaften können durch das digitale Onboarding die Einrichtung neuer Kundenkonten automatisieren und die administrative Kommunikation mit Kunden reduzieren. Ausserdem kann man auf den Ausdruck von Papierdokumenten verzichten, wodurch ihre physische Aufbewahrung überflüssig wird.

4. Die Reporting-Erfahrung

In einem sehr wettbewerbsintensiven Markt für Anlagen kann ein hochwertiges Reporting zur Kundenbindung und Gewinnung neuer Mandate beitragen. Anleger suchen immer häufiger Vermögensverwalter, die eine digitale Reporting-Erfahrung über ein Kundenportal anbieten. Kunden können Performance- und Risikoindikatoren in Echtzeit anzeigen und detaillierte Informationen zu einzelnen Wertpapieren abrufen. Mit regelmässigen statischen Berichten können sich Vermögensverwalter heute nicht mehr von der Masse abheben. Umfragen haben ergeben, dass für 70% der Kunden das Mass an Personalisierung ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl eines Beraters ist.

5. Auf dem Vormarsch: das Family Office-Modell

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der hochvermögenden Personen von 102’000 im Jahr 2010 auf 200’900 im Jahr 2020 praktisch verdoppelt. Im gleichen Zeitraum ist ihr Vermögen um 76% gestiegen. Diese strukturelle Entwicklung bringt neue Kunden. Ihr Bedarf an besonders komplexer und exklusiver Finanzberatung hat zur Entwicklung einer neuen Generation von Family Offices geführt. Der Erfolg dieses Modells ist vor allem durch die Erwartungen an eine hochgradige Personalisierung bedingt, die über die „einfache“ Portfolioverwaltung hinausgeht. Family Offices können die Werte und Visionen von Anlegern berücksichtigen, die Expertise, eine ganzheitliche Sicht auf die Vermögensverwaltung und ein besonders breites Serviceangebot suchen.

6. Die Erfolgs-Story alternativer Anlagen

Alternative Anlagen wie Private Equity, Private Debt, Immobilien und Hedgefonds haben in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet. Dieser Trend wird sich unserer Ansicht nach auch 2023 fortsetzen, da immer mehr Anleger Diversifikationslösungen für ihr Portfolio suchen und potenziell höhere Renditen erzielen wollen. Vermögensverwalter mit einem breiten Spektrum alternativer Anlageoptionen sind gut aufgestellt, um neue Kunden zu gewinnen und diese an sich zu binden.

7. Effizienteres Risikomanagement

In Zeiten starker Marktschwankungen sind die Erwartungen der Anleger an das Risikomanagement hoch. Daher müssen Vermögensverwalter über robuste Prozesse verfügen und erstklassige Risikoberichte anbieten. Darüber hinaus müssen sie eine Vielzahl von Analysen bereitstellen können wie z.B. Sensitivität der Portfolios, Szenarien, Stresstests, Risikobeiträge, Liquiditätsanalysen sowie Performancebeiträge und -zuweisungen. Starke Regelwerke für das Risikomanagement, die tägliche automatisierte Überwachung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen und des Risikoprofils der Fonds sowie Warnmeldungen bei Verstössen beinhalten, sind zur Wahrung der Integrität der Fonds ebenfalls von kritischer Bedeutung.

 

Pierre-Alexandre Rousselot ist Gründer von KeeSystem, einem Fintech, das sich auf die Digitalisierung in der Vermögensverwaltung spezialisiert hat. Nach seinem Informatikstudium spezialisierte er sich auf die Software-Entwicklung  mit dem Ansatz “digital but human”. 2009 KeeSystem gründete er und entwickelte KeeSense, eine umfassende und anpassbare Portfoliomanagementlösung, die es Vermögensverwaltern, Family Offices und Privatbanken ermöglicht, alle ihre strategischen Funktionen zu verwalten, ohne dabei ihre Authentizität und Identität zu verlieren. KeeSystem ist heute in Genf, Monaco und Luxemburg vertreten.

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