Vermögensverwaltung im Wandel der Zeit

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Interview mit Andreas Moser, Leiter UBS FIM Institutional & MFO

Herr Moser, wie hat sich die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter (UVV) in Ihren Augen in der letzten Dekade verändert?
Die Branche hat in den letzten Jahren einen grossen Wandel durchlaufen, obwohl das Kerngeschäft sich in seiner Grundlage nicht verändert hat. Ich stelle insbesondere fest, dass das Geschäft schneller (Time-to-Market), digitaler, aber auch komplexer geworden ist. Hierzu haben primär die veränderten Bedürfnisse der Kundschaft (wie Next Generation), der Wettbewerb, aber auch die regulatorischen Rahmenbedingungen beigetragen. Um den gestiegenen Anforderungen und Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, ist eine Anpassung entlang der gesamten Wertschöpfungskette für UVVs notwendig und es gilt, sich auf die strategisch relevanten und passenden Partner im eigenen Ökosystem zu konzentrieren.

Welche Veränderung in der Branchenlandschaft erwarten Sie aufgrund von FIDLEG und FINIG sowie der damit verbundenen Lizenzierungsanforderungen?
Marktanalysen des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VSV Year Book 2020) veranschaulichen transparent, wie sich die Branchenlandschaft der UVVs in der Schweiz in einer Art «logarithmischen-Normalverteilungskurve» präsentiert. Dies bedeutet wenige grosse und eine Vielzahl an kleinen und Kleinstbetrieben. Gemäss VSV sind es rund 10 Prozent der UVVs, die mehr als zehn Mitarbeitende beschäftigen, 70 Prozent beschäftigen fünf oder weniger Mitarbeitende. 48,2 Prozent aller befragten UVVs verwalten weniger als 100 Millionen Franken Kundenvermögen und 4,3 Prozent mehr als eine Milliarde Franken.
Es ist zu erwarten, dass es aufgrund der steigenden regulatorischen Minimalanforderungen und damit verbunden höheren Kosten zu einer Effizienzsteigerung kommen muss. Ob es 2022 nun zu der seit über einer Dekade prognostizierten Konsolidierungswelle kommen wird, bleibt heiss diskutiert. Ich denke, eine Vielzahl der rund 2100 Vermögensverwalter wird die regulatorische Hürde meistern und über die nächsten Monate und Jahre werden sie ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln – dies in Form von Zusammenschlüssen mit Mitbewerbern, neuen Mitarbeitenden, Asset Deals, Auslagerungen oder Partnerschaften im Bereich von Backoffice-Aufgaben, IT sowie Legal & Compliance.
Generell erwarte ich, dass die UVV-Branche infolge des Margendrucks hierzulande näher zusammenrücken, eine grössere Dialogbereitschaft entwickeln und letztlich gestärkt aus dieser Übergangsphase herauskommen wird.

Erkennen Sie am Markt Unterschiede im Marktauftritt und in der Art, wie das UVV-Geschäft betrieben wird?
Die Ansprüche und Bedürfnisse der UVV-Kunden sind sehr heterogen. Für einige reichen klassische Vermögensverwaltungslösungen, andere haben komplexere Anforderungen. Die einen wollen persönliche und individuelle Beratung, für andere stehen digitale und effiziente Lösungen im Vordergrund. Diese Bedürfnisse lassen sich nicht klassisch entlang den Trennlinien von Vermögensgrössen, Herkunft oder Typologie klassifizieren. Man sollte nicht alles für jeden sein wollen.
Dies bedeutet, dass UVVs ihr Geschäftsmodell und ihre Unternehmensstrategie klar definieren sowie den Angebots- und Dienstleistungskatalog entsprechend ihrer spezifischen Expertise(n) noch weiter schärfen müssen. In den Worten von Steve Jobs: «This is a very noisy world. So we have to be very clear what we want them to know about us».

Wie unterstützt UBS die UVVs/FIMs in all diesen Punkten?
Zentral ist, dass wir die Bedürfnisse unserer FIMs und deren Endkunden ins Zentrum all unseres Handelns stellen. Der Vorteil des UVV-Geschäfts ist, dass wir es mit Profis zu tun haben, die ihre Bedürfnisse sehr klar artikulieren. Der Schlüssel liegt darin, hinzuhören, zu verstehen und sich danach auszurichten.
Auf diesen Erkenntnissen aufbauend und um UVVs bei der Schärfung ihres Profils am Markt zu unterstützen, haben wir unser Dienstleistungsangebot gezielt erweitert. Mit einem eigenen organisatorischen Bereich (FIM Institutional & MFO) und einem dezidierten Angebotskatalog für anspruchsvolle UVVs mit Multi-Family-Office (MFO)- oder Asset Management (AM)-Ausrichtung sind wir heute in der Lage, die gemeinsamen Wachstumsambitionen noch zielgerichteter mit innovativen, umfassenden und attraktiven Lösungen zu unterstützen.
Ein reibungsloses Tagesgeschäft ist für den gemeinsamen Erfolg elementar. Die diesjährige Auszeichnung als beste UVV-Bank im Bereich «Operations and Technology» von der Allianz der Schweizer Vermögensverwalter (ASV) ehrt uns und spornt uns zugleich an.
Neu bieten wir dieses Jahr Online-Kontoeröffnungen, elektronische Unterschriften, erweiterte Funktionalitäten im Self-Service- sowie im Trading-Bereich an. Immer mehr UVVs haben über die FIX-Schnittstelle eine direkte Verbindung zwischen ihrem Portfolio-Management-System (PMS) und unserem UBS Kernbankensystem und wickeln ihre Börsentransaktionen automatisiert mit uns ab.

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