Wachstumsbranche biobasierte Chemikalien

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Von Alina Donets, Lombard Odier Investment Managers

Chemikalien sind zwar nützlich, aber auch schädlich und ressourcenintensiv. Biomaterialien sind Teil der grünen Chemieindustrie und stellen eine unschädliche und ressourceneffiziente Alternative mit enormem Potenzial dar.

In der Bio-Kreislaufwirtschaft werden biologische Ressourcen so weit wie möglich erneuert, nachhaltig bewirtschaftet, wiederverwertet und so oft wie möglich wiederverwendet. Berücksichtigt man die verschiedenen Produkte und Anwendungen, bei denen Innovationen es ermöglichen könnten, anstelle mineralischer oder nicht erneuerbarer Rohstoffe Biomaterialien zu verwenden, so könnte die Natur bis zu 60 % unserer wirtschaftlichen Inputs liefern.

Biobasierte Chemikalien und Enzyme – oder Biomaterialien – können als Alternativen zu Chemikalien aus fossilen Brennstoffen verwendet werden. Sie nutzen die regenerativen Fähigkeiten der Natur und sind weder schädlich für Mensch und Ökosysteme noch abhängig vom Ressourcenabbau. Wenn man sich durch die Verwendung von Biomaterialien die Fähigkeit der Natur zur Selbstregeneration zu eigen macht, kann man langfristig viel Druck und Schaden von den Ökosystemen nehmen und gleichzeitig das Gleichgewicht beim Zugang zu wichtigen wirtschaftlichen Inputs weltweit verbessern.

Chemikalien: ein grosses Geschäft

Chemikalien kommen weltweit in zahllosen Industrie- und Haushaltsanwendungen zum Einsatz und sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie sind nützlich, aber ist ihre intensive Nutzung auch nachhaltig?

Von 2000 bis 2017 hat sich die Produktionskapazität für Chemikalien mit einem Anstieg von 1,2 auf 2,3 Milliarden Tonnen weltweit fast verdoppelt, während der Wert der Branche auf über USD 5 Billionen. gestiegen ist. Im globalen Handel werden 40’000 bis 60’000 Industriechemikalien verwendet, so die von den Vereinten Nationen zusammengestellten Statistiken.  Im Zuge des Wachstums chemikalienintensiver Sektoren wie Bauwesen, Automobilindustrie und Elektronik wird für die Branche bis 2030 eine erneute Verdopplung auf USD 10 Billionen. prognostiziert.

Störung des planetaren Gleichgewichts

Im Jahr 2016 waren 35 % der in der EU verwendeten Chemikalien schädlich für die terrestrische und die aquatische Umwelt.  So ist die Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfälle nachweislich Ursache für das Sterben von Meeresbewohnern und hat auch negative Folgen für Landtiere. Die Verschmutzung durch Chemikalien bedroht Ökosystemleistungen, die wesentlich für die wirtschaftliche und ökologische Stabilität sind, da sie zu Totzonen im Meer führt, Bestäubern schadet, die Antibiotikaresistenz beschleunigt und zur Zerstörung von Korallenriffen beiträgt.

Eine unschädliche Alternative

Es gibt natürliche, unschädliche Alternativen auf der Basis erneuerbarer Ressourcen, die rasch Marktanteile hinzugewinnen und Ökosysteme unterstützen, anstatt sie auszubeuten.

Unterstützende staatliche Vorschriften, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Konsumnachfrage haben dazu geführt, dass sich die Forschung in der grünen Chemie im vergangenen Jahrzehnt rasant weiterentwickelt und den Fortschritt in vielen Bereichen vorangetrieben hat, darunter biobasierte Chemikalien, erneuerbare Rohstoffe, sicherere Lösungsmittel und Reagenzien, grüne Polymere und die Atomwirtschaft.

Der Anteil der globalen grünen Chemieindustrie am Gesamtmarkt für Chemikalien betrug 2015 10,1% und stieg bis 2019 auf 14,3%. Die Pandemie hat diese Entwicklung nicht gebremst: Analysen zufolge dürfte die grüne Chemieindustrie von 2020 bis 2025 jährlich um durchschnittlich 6,6 % bis 11,5 % wachsen.

Vor dem Hintergrund wachsender Schwierigkeiten und Instabilitäten beim Zugang zu traditionellen Chemikalien können biobasierte Alternativen auch als ein Schritt zur Stabilisierung der Lieferketten, der Produktionskapazitäten und langfristig potenziell auch der Gefahr inflationärer Spannungen angesehen werden.

Enzyme: natürliche Katalysatoren

Enzyme bilden einen Teil der grünen Chemieindustrie. Es handelt sich dabei um Proteine, die bestimmte chemische Reaktionen fördern und die Grundlage des Stoffwechsels darstellen. Sie beschleunigen biochemische Prozesse und machen sie energie- und ressourceneffizienter. Der Mensch nutzt Enzyme schon seit Jahrtausenden für biochemische Reaktionen, beispielsweise bei der Fermentation von Früchten oder Getreide zur Herstellung von Wein und Bier.

Als Ersatz für Petrochemikalien werden Enzyme in einer Reihe kommerzieller Anwendungen genutzt, zum Beispiel bei der Herstellung von Biokraftstoffen, Waschmitteln, Lebensmitteln und Tierfutter sowie bei der Produktion biobasierter Chemikalien. Da Enzyme biochemische Reaktionen erleichtern, verringern sie direkt den Einsatz von Petrochemikalien. Zudem sind Enzyme sowie ihre Rohstoffe und Nebenprodukte biologisch abbaubar und reduzieren so Industrieabfälle, die ansonsten auf der Mülldeponie landen würden.

Ungenutztes Wachstumspotenzial

Mehr als 4’000 verschiedene Arten von Enzymen sind bekannt, in der Natur kommen jedoch schätzungsweise über 25’000 vor. Die 90 %, die noch klassifiziert werden müssen, stellen ein enormes Innovations- und Wachstumspotenzial dar.

Im Sektor der Biomaterialien, der Teil der Bio-Kreislaufwirtschaft ist, gibt es Unternehmen, die Lösungen entwickeln oder anbieten, die auf die Wachstumsbranche der biobasierten Chemikalien und Enzyme setzen. Sie bieten unseres Erachtens starke Wachstumschancen, die im Einklang mit dem Ziel stehen, die Natur zu erhalten und ihre regenerativen Fähigkeiten zu nutzen.

Alina Donets ist Portfoliomanagerin in der Abteilung Global Equities von Lombard Odier Investment Managers, der sie 2020 beitrat. Zuvor arbeitete sie von 2017 bis 2020 bei Allianz Global Investors als Portfoliomanagerin. Sie war auch Portfoliomanagerin bei der Bank Audi. Davor arbeitete Alina von 2013 bis 2016 bei Pictet AM als Investmentmanagerin, Pictet Water und von 2014 bis 2016 als unterstützende Investmentmanagerin, Pictet Global Environmental Opportunities. Sie hat einen Master-Abschluss in International Business von der HEC und einen Bachelor of Science in Business Studies von der Cass Business School. Ausserdem hält sie CFA-Prüfungen.

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